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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 27.06.2008

Bibliothek verbrannter Bücher. Orte der Bücherverbrennungen in Deutschland 1933
Yvonne de Andrés

Von März bis Oktober 1933 haben in 62 deutschen Städten 94 öffentliche Bücherverbrennungen stattgefunden. Diese Dokumentation zeichnet die Phasen, die Akteure und die Orte nach.



Dies ist das erste der drei wissenschaftlichen Begleitbände zur "Bibliothek verbrannter Bücher". Gegenstand ist die Beschäftigung mit den Orten der Bücherverbrennung. Der einführende Artikel von Werner Treß geht umfangreich darauf ein. Anschließend werden Einzelportraits von 62 deutschen Städten, in denen die Bücherverbrennungen stattfanden, vorgestellt. In mancher dieser Orte fanden Bücherverbrennungen gleich mehrfach statt, so z.B. in Berlin, Dresden, Essen, Flensburg, Heidelberg oder Wuppertal.

Oft wird die Bücherverbrennung mit dem Datum des 10. Mai 1933 in Verbindung gebracht. Doch bereits im März 1933 setzten "wilde Bücherverbrennungen" auf Schulhöfen, vor Gewerkschaftshäusern und anderen Einrichtungen ein, die als Vorphasen gelten können. Der Band zeichnet nach, wie SA, HJ und StudentInnen in Universitätsstädten, aber auch in Kleinstädten wie Speyer, Landau oder Luckenwalde, Autodafés durchführten und diese von breiten Schichten der Bevölkerung getragen wurden. Ebenfalls ist hier zu erfahren, dass die Bücherverbrennungen von langer Hand vorbereitet wurden. Plünderungen von oppositionellen Parteigebäuden, Razzien und Verhaftungen von Oppositionellen und die "Säuberung" von Büchereien, Verlagen und Buchhandlungen geben darüber Auskunft.

So z. B. in Speyer, wo am 6. Mai 1933, dem "Tag der bayrischen Jugend" und der "Bücherverbrennung" ein Festzug der Speyerer Jugendorganisationen mit Musikkapellen vom Festplatz bis zum ehemaligen Marktplatz marschierte. Der Zug setzte sich aus Teilnehmern des Protestantischen Jugendbundes, Stahlhelm, Katholischem Gesellenverein, dem Spielmannszug des Kriegervereins, Turnern, dem Deutschen Bund der Mädchen-Bibelkreise sowie den Schulen zusammen und zeigt, wie stark dies als Massenveranstaltung anzusehen ist.

In Berlin fand am 10. Mai 1933 die zentrale "Veranstaltung" auf dem Berliner Opernplatz statt. Die Bilder, die wir heute aus Wochenschauberichten kennen, bilden den Abschluss der zentralen "Aktion wider den undeutschen Geist". Die erste Bücherverbrennung fand am Laubenheimer Platz in Berlin im Zentrum der Berliner Künstlerkolonie statt. Weitere folgten auf Schulhöfen. Nach dem 10. Mai erloschen die Scheiterhaufen in Berlin jedoch nicht. Bis Oktober 1933 brannten Scheiterhaufen in Deutschland.

Ebenfalls zeichnet das Buch die Geschichte des Gedenkens an die Bücherverbrennung nach. Alfred Kantorowicz, "Generalsekretär des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller im Exil" gründete 1934 im Pariser Exil die "Deutsche Freiheitsbibliothek", die auch den Namen "Bibliothek des verbrannten Buches" erhielt. Werner Treß schreibt hierzu: "Weder konnte man im Exil genau wissen, welche Bücher verbrannt worden waren, noch hatte man sichere Kenntnisse über die Verantwortlichen. Wohl konnte man aber in der Person von Goebbels einen der hochrangigen Vertreter des `Deutschland Hitlers´ ausmachen. Aus seiner `Festrede´ auf dem Berliner Opernplatz konnte man Rückschlüsse ziehen, die der Bücherverbrennung überhaupt erst ihren historischen Rang verlieh und die für die betroffenen Schriftsteller und Wissenschaftler im Exil identitätsstiftend waren: Nicht `Hinz und Kunz´, sondern Goebbels höchstpersönlich hatte ihre Bücher verbrannt."

Zu den Herausgebern: Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam.

Werner Treß, M.A. Historiker, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam, Betreuer des Forschungs- und Editionsprojektes. 2003 hat er sich bereits in Buchform mit dem Thema beschäftigt "Wider den undeutschen Geist! Bücherverbrennung 1933".

AVIVA-Fazit: Zum 70. Jahrestag der Bücherverbrennungen hat Werner Treß in seiner Veröffentlichung "Wider den undeutschen Geist! Bücherverbrennung 1933" bereits eine Fülle an Details dokumentiert. Leider hat er diese jedoch nicht durch die differenzierteren Erkenntnisse des Bremer Literaturwissenschaftlers Joachim Dyck "Der Zeitzeuge. Gottfried Benn 1929-1949" (2006) in dieser nun vorliegenden Publikation ergänzt. "Orte der Bücherverbrennungen in Deutschland 1933" ist dennoch ein spannendes und wichtiges Nachschlagewerk.


Julius H. Schoeps, Werner Treß (Hg.)
Orte der Bücherverbrennungen in Deutschland 1933

Reihe: Bibliothek Verbrannter Bücher
Olms Verlag, erschienen Mai 2008
Gebunden - 848 S. mit zahlreichen Abbildungen
ISBN: 978-3-487-13660-8
19,80 Euro Subskriptionspreis
ab dem 01.01.2009 24,80 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:
"Verfemt, Verboten, Verbrannt und oft Vergessen"

Literatur Beitrag vom 27.06.2008 Yvonne de Andrés 

   




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