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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 09.07.2008

Jenny Erpenbeck - Heimsuchung
Yvonne de Andrés

Der Garten Eden der Autorin liegt am Westufer des Scharmützelsees, dem Märkischen Meer. Der Roman behandelt zwölf Lebensläufe und Schicksale, die sich um dieses Haus ranken.



"Heimat planen (...). Vier Wände um ein Stück Luft, ein Stück Luft sich mit steinerner Kralle aus allem, was wächst und wabert, herausreißen, und dingfest machen. Heimat. Ein Haus die dritte Haut, nach der Haut aus Fleisch und der Kleidung. Heimstatt." schreibt Jenny Erpenbeck über "das Haus". Dessen BewohnerInnen erleben Glück und Unglück, und das Haus im märkischen Idyll ist ein wichtiger Referenzpunkt für alle, die hier ihre Zeit verbracht haben. Der Zeitbogen beginnt in der Weimarer Republik und erstreckt sich bis in die Nachwendezeit.

Die Geschichte beginnt, als ein Großbauer, Vater von vier unverheirateten Töchtern, in der Weimarer Republik sein Land parzelliert und an einen Architekten und an einen jüdischen Tuchfabrikanten verkauft. Der Berliner Architekt, aus dem Stab von Albert Speer, baut auf seiner "Scholle" und erweitert 1939 günstig seine Immobilie. Sein Nachbar Artur und seine Herzallerliebste Hermine, wollen Deutschland wegen der Verfolgung durch die Nationalsozialisten verlassen. Ein Teil der jüdischen Familie kann sich nach Südafrika retten, doch für die Eltern treffen die Papiere zu spät ein. Statt auszureisen, müssen sie 1940 einen Gaswagen in Kulmhof bei Litzmannstadt besteigen.

Der Architekt verbringt die Zeit des Nationalsozialismus bis Mitte der vierziger Jahre in der DDR in dem Haus. Mit Kriegsende kommen die Russen in das Haus am See. Auch der Architekt verlässt Anfang der 50er Jahre überstürzt sein Bungalow am See. Er hat für einen großen Bauauftrag Material aus dem Westen verwendet und soll dafür ins Gefängnis kommen. Die aus dem russischen Exil zurückkehrende Schriftstellerin und ihr Mann gehören der DDR Nomenklatura an. Es sind Jenny Erpenbecks Großeltern, die in der Uferstraße 13 in Diensdorf ein Sommerhaus beziehen. In dieses Haus sind die Großeltern Fritz Erpenbeck und Hedda Zinner heimgekehrt.

Deren Erfahrungen im Nationalsozialismus, im Exil und in der DDR beschreibt Jenny Erpenbeck so: "Damals haben sie das Schweigen gelernt, und dieses Schweigen war nach allen Entbehrungen das größte Geschenk an ihren Traum, der so groß blieb, dass jeder einzelne Genosse ganz allein war, wenn er darin umherging." Nach der Wende werden Restitutionsansprüche von verschiedenen Erbenparteien gestellt. Mit wehleidigem, romantisch verklärten Ton schildert sie die Gewalt des BGB Paragraphen 985, der die Anspruchsgrundlage der KlägerInnen auf die Herausgabe begründet. Das Haus verwahrlost und bevor es komplett durch Abbruch verschwindet, wohnt Jenny Erpenbeck noch einige Tage hier und lässt ihre Erinnerungen aus Kindertagen lebendig werden. "Wie mit Schlingen band die Zeit den Ort dort fest, wo er war, band die Erde an sich selbst fest, und band die Erde fest, und band sie an der Erde fest."

Der Gärtner, der für fast alle verschiedenen BewohnerInnen des Hauses tätig war, ist ein schweigsamer Mensch. "Er spricht wenig, und zu den Ereignissen im Dorf äußert er sich überhaupt nie". Sein Kosmos ist der Garten, der Kreislauf der Natur und deren Zeitachse.

Zur Autorin: Jenny Erpenbeck wurde 1967 als Tochter einer Intellektuellenfamilie in Ostberlin geboren. Ihr Vater, John Erpenbeck, ist Physiker und Schriftsteller; ihre Mutter Doris Kilias eine renommierte Übersetzerin. Fritz Erpenbeck und Hedda Zinner waren ihre Großeltern. Jenny Erpenbeck studierte Theaterwissenschaften und Musiktheater-Regie. Für ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Preise, u.a. 2001 den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, 2008 den Solothurner Literaturpreis für "Heimsuchung". Jenny Erpenbeck schreibt Prosa, Hörspiele und Theaterstücke. Ihre wichtigsten Veröffentlichungen sind: 1999 "Geschichte vom alten Kind" und 2004 "Wörterbuch".
Jenny Erpenbeck lebt als freie Schriftstellerin und Regisseurin in Berlin und ist Mutter eines Sohnes.
Lesen Sie auch unsere Rezension zu "Wörterbuch" und unser Interview mit Jenny Erpenbeck aus 2005.

AVIVA-Tipp: Ein romantisches Buch und ein ostalgischer Blick auf die Kindheit der Jenny Erpenbeck.


Jenny Erpenbeck
Heimsuchung

Eichborn Verlag, erschienen Februar 2008
gebunden - 190 Seiten
ISBN: 9783821857732
17,95 Euro

Literatur Beitrag vom 09.07.2008 Yvonne de Andrés 

   




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