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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 18.08.2008

Das Siegel der Tage - Isabel Allende
Daniela Roschke

Das Familienleben von Isabel Allende geht nach dem Tod ihrer Tochter Paula dramatisch bis amüsant, aber stets überraschend weiter. Ein streckenweise gelungenes Portrait einer Großfamilie.



"Hier lebt meine Familie. Es hat mich viel Kraft gekostet, sie zusammenzubringen, (...), und ich will es genießen, weil ich weiß, dass es nicht von Dauer ist. Das Leben neigt dazu, uns auseinanderzubringen, und dem muss man mühsam entgegenwirken."
Eben dieser kräftezehrende Kampf um den Zusammenhalt der "Sippe" ist es, der im Mittelpunkt von Isabel Allendes neuester Erzählung steht. Inhaltlich knüpft sie an die Zeit nach "Paula" an, dem autobiographischen Roman über den Tod ihrer geliebten Tochter. Sie erzählt diesem verlorenen Kind, was sich in den folgenden 13 Jahren in ihrem eigenen Leben oder vielmehr in dem der Allendeschen Großfamilie ereignet hat. Mit Hilfe der Briefe, die in dieser Zeit zwischen der Schriftstellerin und ihrer Mutter kursieren, wird aus einem bunten Reigen unzähliger Anekdoten ein Stück Familiengeschichte (re)konstruiert.
Gleich zu Beginn erfahren die LeserInnen von Sabrinas ungewöhnlich unglücklichem Start ins irdische Dasein. Sie ist Allendes Enkeltochter und doch mutterlos und schwerkrank. Ihr Weg scheint vorgezeichnet, bis ein lesbisches, buddhistisches Nonnenpaar in Erscheinung tritt... Allerdings ist Sabrina nicht die Hauptfigur des Romans. Im Mittelpunkt steht die Familie von Allendes Sohn Nico. Nachdem er in kürzester Zeit Ehemann und dreifacher Vater geworden ist, ziehen schon bald Gewitterwolken an seinem persönlichen Horizont auf. Als seine Frau ihn aus Liebe zu ihrer Schwägerin verlässt, setzt die Ich-Erzählerin alles daran, die Familie zusammenzuhalten und den innig geliebten Enkeln eine einigermaßen normale Kindheit zu ermöglichen. Ein Balanceakt, der nicht immer gelingt und oft genug auf der Couch beim Therapeuten endet. Um den Traum der unzertrennlichen Familie zu verwirklichen, schreckt Allende nicht davor zurück, als heimliche Kupplerin zu fungieren und die Tauglichkeit potentieller Schwiegertöchter auf Dschungelreisen in das Amazonasgebiet persönlich zu überprüfen.

Die chilenische Autorin entwirft in ihrem zweiteiligen Buch ein Mosaik aus den skurrilen, humorvollen, mystischen und überraschenden Mitgliedern und Erlebnissen ihrer Großfamilie. Die sich ständig vergrößernde, chaotische Sippschaft wird mit all ihren Höhen und Tiefen zum Leben erweckt. Isabel Allende erzählt das alles herrlich selbstironisch und stellenweise zum Schreien komisch. Ihre mitunter treffsicheren sprachlichen Bilder erzählen von den in Krisenzeiten stets zur Fürbitte bereiten "Schwestern vom Durcheinander", dem Umzug der Familie in ein ehemaliges Bordell, lautstarken Streitereien, das Haus verwüstenden Familienfeiern und vielem anderen mehr.

Dennoch umschifft die Autorin in "Das Siegel der Tage" nicht alle erzählerischen Klippen so brillant wie in ihren früheren Erfolgsromanen. Sie berichtet mit anstrengender Ausdauer über Entstehung und Hintergründe verschiedener schriftstellerischer Werke und ihren schwierigen Weg zur Akzeptanz ihres alternden Körpers. Auch die Details der selbstverordneten Therapien und der Beziehung zu ihrem Mann Willie werden nicht ausgespart. Insbesondere das Ende des Romans weist weder die erzählerische Dichte von "Das Geisterhaus" auf, noch gelingt es den platten, sentimentalen Schlussdialogen, mitzureißen.

Weiterlesen:
Isabel Allende im Gespräch mit AVIVA-Berlin anlässlich der Veröffentlichung ihres Romans "Inés meines Herzens" im September 2007.
"Die Stadt der wilden Götter" von Isabel Allende aus dem Jahr 2002.
"Inés meines Herzens" von Isabel Allende aus dem Jahr 2007.
"Im Reich des Goldenen Drachens"von Isabel Allende aus dem Jahr 2003.

Zur Autorin: Isabel Allende
Die Chilenin wurde am 2. August 1942 in Peru geboren. Sie ist die Nichte des 1973 ermordeten chilenischen Präsidenten Salvador Allende.
Erst mit 40 Jahren schrieb sie ihr erstes Buch, welches gleich zu einem weltweiten Bestseller avancierte – "Das Geisterhaus". Zuvor war die Journalistin in der Frauenbewegung aktiv, Redakteurin der ersten feministischen Zeitung Chiles und Moderatorin mehrerer Fernsehsendungen. Auch ihre folgenden Werke "Von Liebe und Schatten", "Eva Luna" und "Fortunas Tochter" wurden weltweite Erfolge, für die Allende zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat. Die Website von Isabel Allende: www.isabelallende.com.

AVIVA-Tipp: Allen Kritikpunkten zum Trotz überwiegt die erfrischende Fröhlichkeit und Lebensbejahung des Familienromans. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, lässt Isabel Allende die LeserInnen als Zaungäste an ihrem skurrilen bis dramatischen, aber immer aufregendem Familienleben teilnehmen. Es ist nicht nur für jene lesenswert, die an der Persönlichkeit hinter dem Titel "Erfolgsautorin Isabel Allende" interessiert sind. Vielmehr gelingt es dem Roman, auch die zu amüsieren, welche bereit sind, sich und ihre Lieben im Durcheinander des Allendeschen Alltagslebens wiederzuerkennen.

Isabel Allende
Das Siegel der Tage

Originaltitel: La suma de los dias
Übersetzung aus dem Spanischen von Svenja Becker
Suhrkamp Verlag, erschienen August 2008
Hardcover, 410 Seiten
ISBN: 978-3-518-42010-2
19,80 Euro

Literatur Beitrag vom 18.08.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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