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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 22.10.2008

Prof. Dr. phil. Petra Gehring - Zwischen Traum und Wirklichkeit
Kristina Tencic

Träume ich oder wache ich? Petra Gehring hat die Geschichte dieser Unterscheidung anhand der Philosophie analysiert. Begeben Sie sich auf eine Traumwanderung von der Antike bis in die Gegenwart.



Jede/r kennt es. Man wacht auf und kann in den ersten Momenten des Wachzustandes nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob das, was man geträumt hat, wahr oder eine Ausgeburt der Phantasie ist. Die vermeintlich eindeutige Unterscheidung der beiden Zustände "Traum" und "Wirklichkeit" hat die Autorin Petra Gehring zu dem Sujet ihrer wissenschaftlichen Untersuchung gemacht, indem sie bei den wichtigsten PhilosophInnen der einzelnen Epochen recherchiert hat.

Sie geht dabei methodisch sehr strukturiert, nämlich temporär vor. Der Anfang der schriftlichen Traumwanderung liegt in der Antike, in der es um die Begriffe des maßvollen Lebens ging, also auch um ein maßvolles Träumen, welches von uns selbst beeinflusst werden sollte. Gefolgt ist dies von dem christlich geprägten Mittelalter, in der die Unterscheidung zwischen göttlichen und dämonischen Einflüssen das Hauptaugenmerk leitete. Darauf folgte die Neuzeit und die Aufklärung, in der sich die Vernunft zu Wort meldete und erstmals die Perspektive von äußeren Einflüssen des Traumes auf einen hermeneutischen Ursprung leitete, nämlich unser inhärentes Selbst. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde jedoch auch diese Erkenntnis hinfällig, da Sigmund Freud dieses Selbst nicht mehr einfach so stehen ließ, sondern ihm das "Über-Ich" , also ein Unterbewusstsein gegenüber stellte. Hierzu Gehring: "Und im Grunde postuliert Freud nichts anderes als dass der Traum den eigentlichen Schlüssel darstellt sowohl für das theoretische Verständnis wie auch für die praktische Behandlung der Nervenkrankheiten überhaupt.(...) Die Traumdeutung definiert ihren eigenen Ort von vornherein vollständig selbst".

In unserer heutigen Zeit wird Freuds Theorie zunehmend kritisch betrachtet, doch nichtsdestotrotz hat sie zu der Wende von dem nebulösen hin zu einem instrumentalisierten Phänomen geführt, was mit der heutigen Hirnforschung weiterhin Bestand hat und sicherlich auch in Zukunft noch neuartige und überraschende Erkenntnisse bereithalten wird.

Dadurch, dass sich Petra Gehring in ihrer Untersuchung der Unterscheidung "Traum und Wirklichkeit" die Denktraditionen berühmter PhilosophInnen zu Eigen macht, gelingt es ihr auch stets, die Geisteshaltung einer gesamten Epoche den LeserInnen zugänglich werden zu lassen. So, wie die Meinungen der PhilosophInnen schon seit Jahrhunderten über den Begriff der Wirklichkeit auseinander gingen, haben sie auch das Negativ-Objekt der Wirklichkeit, den Traum, in verschiedenen Herangehensweisen untersucht. Der Traum ist sozusagen die Blaupause der Erkenntnisphilosophie. Er ist das stets mitgedachte und miterlebte der konstatierten Wahrheiten.

Die Darmstädter Professorin Petra Gehring hat es sich nicht zur Aufgabe gemacht, Träume zu beschreiben oder gar zu deuten. Sie grenzt sich vielmehr rigoros von den ganzen gut oder auch nur gut gemeinten Ratgebern ab. Es ist letztlich eine zugrunde liegende Frage der Philosophie: "Wie kann ich mir sicher sein, dass ich wache, und wie kann ich wissen, ob ich träume?" Wird diese Abgrenzung schwammig, so wird auch das Sein an sich auf die Probe gestellt.

AVIVA-Tipp: In "Traum und Wirklichkeit. Zur Geschichte einer Unterscheidung" begibt sich die Autorin auf den schmalen Pfad zwischen der Phantasie und der Wahrheit. Sie lässt uns beachten, dass diese Ambivalenz unseres Denkens nicht ohne geschichtliche Prägung zu ihrem heutigen Bild kam und gibt einen klugen und erkenntnisreichen Überblick des, um es mit Hannah Arendt zu sagen, so-und-nicht-anders-geworden-seins des Traumes.

Zur Autorin: Prof. Dr. phil. Petra Gehring studierte Philosophie, Politikwissenschaften und Rechtswissenschaft in Gießen, Marburg und Bochum. Sie ist seit 2002 Professorin für Theoretische Philosophie an der TU Darmstadt. Bei Campus erschienen von ihr "Foucault – Die Philosophie im Archiv" (2004) und "Was ist Biomacht?" (2007). (Quelle: Campus) Weitere Informationen unter: www.philosophie.tu-darmstadt.de


Petra Gehring
Traum und Wirklichkeit

Campus Verlag, erschienen August 2008
Paperback, 280 Seiten
EAN: 9783593387352
24,90 Euro

Literatur Beitrag vom 22.10.2008 Kristina Tencic 

   




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