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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 28.10.2008

150. Geburtstag von Selma Lagerlöf am 20. November 2008
Jana Muschick

Sie war das erste weibliche Mitglied der Schwedischen Akademie (1914) und die erste Nobelpreisträgerin (1909). AVIVA-Berlin wirft einen Blick auf Leben und Werk der Schriftstellerin Selma Lagerlöf



Lebenszeit

Die Autorin Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf wurde am 20. November 1858 auf dem "Mårbacka" genannten Gutshof ihrer Eltern in der schwedischen Provinz Värmland geboren. Durch eine vorübergehende Kinderlähmung war sie zwei Jahre lang an das Bett gefesselt und hörte gespannt alte Sagen und Märchen von ihren Großeltern, die sie später in zahlreichen Motiven in ihr Werk einflocht.

Gegen den Willen ihres Vaters zog sie mit 23 Jahren nach Stockholm, um dort auf einer höheren Töchterschule die zweijährige Ausbildung zur Lehrerin zu absolvieren. Ihren ersten Roman "Gösta Berling" (1891) verfasste sie noch in ihren Jahren als Lehrerin. 1897, als die zweite Auflage des Buches erschien, kündigte Lagerlöf ihre Lehrerinnentätigkeit, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

Dank eines Reisestipendiums, vergeben durch den König und die Schwedische Akademie, reiste Lagerlöf durch Europa, besuchte Ägypten und Israel. Zurück in Schweden erlangte sie weiteren literarischen Ruhm mit ihrem Epos "Jerusalem" (1902/03) und dem von der Schulbehörde in Auftrag gegebenen Lesebuch "Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen" (1906).

Zu den wichtigsten Auszeichnungen für Selma Lagerlöf zählen die Aufnahme in die Schwedische Akademie im Jahr 1914 als erstes weibliches Mitglied sowie der Erhalt des Nobelpreises, den sie 1909, ebenfalls als erste Frau, für ihren Roman "Gösta Berling" erhielt. Von dem Preisgeld konnte sie den Gutshof "Mårbacka" zurück kaufen, den die Eltern wegen hoher Verschuldung zuvor aufgeben mussten.


Politisches und Soziales Engagement

Selma Lagerlöf engagierte sich in der Frauenbewegung. 1911 trat sie als Rednerin bei einem internationalen Frauenkongress in Stockholm auf und präsentierte sich als Nobelpreisträgerin und Gutsbesitzerin – einer Frau, der trotz allem das Wahlrecht verweigert wurde. (Quelle: Biographische Notiz aus "Herr Arnes Schatz").

Im Ersten Weltkrieg half Selma Lagerlöf Flüchtlingskindern durch Spenden und Eigenengagement. Im Zweiten Weltkrieg beteiligte sie sich an einem Komitee zur Rettung jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland – insbesondere für Frauen und Kinder. So half sie zum Beispiel der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs nach Schweden zu fliehen und rettete ihr damit das Leben.


Liebesleben

Der dänische Literaturkritiker Georg Brandes bemerkte in einer Rezension über Selma Lagerlöf 1893, dass die Autorin eine unverheiratete Dame sei, für die die Liebe ein Buch mit sieben Siegeln wäre. Ihr Gefühlsleben war aber von der Bewunderung für den Vater und im Erwachsenenalter von der Zuneigung zu zwei Frauen geprägt. Die eine war ihre jahrzehntelange Lebensgefährtin und Kameradin auf unzähligen Reisen, die Schriftstellerin Sophie Elkan. Die andere war die Lehrerin Valborg Olander, zu der sich eine intime Freundschaft entwickelte. (Quelle: Selma Lagerlöf und die Liebe. In: "Liebesgeschichten")

Am 16. März 1940 starb Selma Lagerlöf auf ihrem Gut Mårbacka.


Herr Arnes Schatz

Die Erzählung "Herr Arnes Schatz" entstand 1904. Die mit folkloristischen und mystischen Momenten durchsetzte Geschichte handelt von einem grausamen Raubmord im Bohuslän des 16. Jahrhunderts, einem heutigen Teil Schwedens, der damals zu Dänemark gehörte. (Quelle: Nachwort von "Herr Arnes Schatz")

Eine bedeutende Pfarrersfamilie wird von drei als Gerbergesellen verkleideten Männern ermordet, weil diese von Herrn Arnes großem Goldschatz gehört hatten und ihn mit Gewalt an sich reißen wollen. Auf dem Schatz liegt ein Fluch, denn der Pfarrer Herr Arne hatte ihn einst von den Klöstern des Landkreises entwendet und es wurde prophezeit, dass der Schatz seine Besitzer in großes Unglück stürzen würde. Die einzige Überlebende des Mordbrandes, die junge Pflegetochter Elsalill, verliebt sich nach dem Familiendrama in einen vornehmen Schotten, Sir Archie, der Elsalill in seine Heimat mitnehmen will. Doch fortan geschehen ihr unheimliche Dinge und sie muss durch die Geistererscheinung ihrer Schwester begreifen, dass der, den sie für ihren Liebsten hält, eigentlich ihr ärgster Feind ist.

Im Jahr 1917 arbeitete Gerhart Hauptmann "Herr Arnes Schatz" zu einem Versdrama mit dem Titel "Winterballade" aus. 1919 drehte der Regisseur Mauritz Stiller auf der Grundlage von "Herr Arnes Schatz" einen Stummfilm, der bis heute ein Klassiker geblieben ist. (Quelle: Nachwort von "Herr Arnes Schatz")

AVIVA-Tipp: Eine spannende und sprachlich sehr gut ausbalancierte Erzählung, die die LeserIn mit sich reißt. Das benutzte Sujet der Erzählung – die Unausweichlichkeit der Sühne für ein begangenes Unrecht – taucht häufig und in vielerlei Ausgestaltung in Lagerlöfs Werk auf.


Die Lichtflamme. Eine Ostergeschichte

"Die Lichtflamme" spielt in der Zeit der Kreuzzüge und geht auf eine Geschichte zurück, an die noch heute jedes Jahr am Ostersonntag mit dem Fest "Scoppio del carro" ("Explosion des Karren") in Italien erinnert wird. (Quelle: Nachwort von "Die Lichtflamme")

Die Erzählung handelt von Raniero di Ranieri, einem brutalen und starrsinnigen Mann, der die schöne Francesca degli Ubertis heiratet. Die junge Frau flieht bald vor ihrem grobschlächtigen Mann. Ranieri will ihr seinen Mut und seine Unerschrockenheit beweisen, indem er sich auf die Kreuzzüge begibt.

Durch seine großen Taten auf den Kreuzzügen in Jerusalem wird Raniero erlaubt, seine Kerze als erster an der heiligen Flamme in der Grabeskirche von Jesus Christus zu entzünden. Diese Ehre erhebt den jungen Ranieri sehr. Später, im Zelt seiner Kameraden, wird über ihn gewitzelt, dass er nun das kostbarste, das er auf den Kreuzzügen erbeutet hat, nicht mit nach Hause nehmen könne – das Licht der heiligen Flamme. Ranieri behauptet aber, dass er auch dazu imstande sei und macht sich auf den langen Heimweg aus Jerusalem nach Florenz. Auf seiner Reise erlebt er viel Spott, weil er rückwärts auf einem alten Pferd reitet, das nur langsam voran kommt und so stets sein Licht schützt. Als er in Florenz ankommt, ist er ein anderer geworden und es sind weder Mut noch Unerschrockenheit, die ihn zu einem Helden der Stadt werden ließen, sondern sein Wille, Unmögliches möglich zu machen.

"Die Lichtflamme" ist die letzte Geschichte aus der Erzählsammlung "Christuslegenden" und wurde von Selma Lagerlöf auf ihren längeren Reisen nach Italien (1895/96) und Palästina (1899/1900) geschrieben.

AVIVA-Tipp: Die Legende vom Scoppio del carro wird von Selma Lagerlöf eindringlich verarbeitet. Die Wandlung eines harten Menschen in einen behutsamen, aufopfernden Mann und die Reifung in seinem Inneren werden virtuos skizziert. Das Moment der Wiedergeburt erscheint in einem neuen Licht.


Liebesgeschichten

Die Sammlung "Liebesgeschichten" beinhaltet Erzählungen, die von den vielschichtigen Facetten über Liebe, Vertrauen und ein sich dem anderen öffnen handeln. Dabei steht nicht das Happy End im Vordergrund, sondern vielmehr die psychologischen Aspekte der sich verändernden Figuren. Die ProtagonistInnen der Erzählungen leben nicht in einer problemlosen Märchenwelt. Dennoch sind die Geschichten mit mythischen und sagenhaften Motiven durchzogen, so dass hier ein wohlgestalteter Mix aus Emotionen und dem gruseligen Fremden aus einer überirdischen Welt entstanden ist.

Es wurde Selma Lagerlöf häufig vorgeworfen, über die Liebe zu schreiben, obwohl sie selbst nicht verheiratet war. Dass die Liebe aber für sie mit ebenso vielen Umwegen und Problemen verbunden war, wie es die ProtagonistInnen in ihren Geschichten erlebten, nahm zu ihrer Lebenszeit niemand wahr.

AVIVA-Tipp: Die "Liebesgeschichten" machen nachdenklich und führen in der herbstlichen Jahreszeit, in der die Nächte länger werden, dazu, dass wir wieder auf unsere innere Stimme hören und einen Platz in unserer Gedankenwelt für die mystischen und emotionalen Klänge öffnen, die in der hektischen Alltagswelt oft ungehört bleiben.


Mårbacka. Erinnerung an meine Kindheit

Der autobiographische Roman "Mårbacka" schildert Selma Lagerlöfs Kindheitsjahre. Geprägt hat sie besonders ihre Erkrankung an Kinderlähmung im Alter von zwei Jahren, von der sie erst nach zwei Jahren, jedoch niemals vollständig geheilt werden konnte. Die einzelnen Kapitel, die sich mit den verschiedenen Episoden aus Selmas Kinderjahren beschäftigen, sind von den Sagen und Mythen durchdrungen, die den Kindern von den Großeltern auf dem Hof erzählt wurden.

Das Romangefüge ist nicht chronologisch gehalten, vielmehr will es der LeserIn darstellen, woher Lagerlöfs Motive und Ideen sowie ihr Gespür für Worte und Erzählungen stammen. Mit der Darstellung ihrer Kinderjahre öffnet Selma Lagerlöf der Leserin einen Einblick in ihre ursprünglichste Vorstellungswelt.

AVIVA-Tipp: "Mårbacka" ist ein Ausschnitt der Vergangenheit, der das Schweden des ausgehenden 19. Jahrhunderts wieder aufleben lässt: Die rot gestrichenen Gutshöfe, die harte Arbeit auf dem Feld, die Bande der Familie, die einander fest zusammenhielten. Der Roman idealisiert und romantisiert diese Zeit und es ist fast so, als würde die Leserin von heute am alten Ofen Geschichten von Trollen und verzauberten Jungfrauen hören.


Jerusalem

Der Roman "Jerusalem" erschien in zwei Bänden in den Jahren 1901 und 1902. Wie so oft bei Selma Lagerlöf werden mehrere Schicksale von Menschen kunstvoll miteinander verflochten.

Der Roman beginnt mit der Erzählung von Ingmar Ingmarsson – dem mächtigsten Großgrundbesitzer der Gemeinde Dalarne – der sich entscheiden muss, ob er seine Frau, die das gemeinsame Kind umgebracht hat, aus dem Gefängnis abholt oder sie nach Amerika abreisen lässt, wo sie ein neues Leben beginnen würde. Doch Ingmar ist nur ein Glied in der Kette der Ingmarssons, denn nach ihm wird wieder ein Ingmar Ingmarsson geboren, dessen Schicksal die LeserIn im zweiten Teil des Romans miterlebt. Die Erlebnisse von den Ingmarssons sind nur ein Faden des Romans "Jerusalem".

Der andere Faden ist die Entstehung der religiösen Erweckungsbewegung – der HellgumianerInnen – die sich in Dalarne bilden. Die HellgumianerInnen wandern nach Jerusalem aus und wollen dort als Kommune und mit gleichem Recht und Besitz für alle leben und die Heilige Stadt zu religiöser Einigkeit konvertieren.

Die Auswanderung der schwedischen BäuerInnen nach Jerusalem beruht auf einer wahren Begebenheit: Am 23. Juli 1896 fuhren 37 EinwohnerInnen der kleinen Gemeinde Nås in Dalarna, unter ihnen 17 Kinder, mit Fuhrwerken zum Bahnhof in Vansbro. Nach ihrem Prediger Larsson wurde diese Gruppe Larsarner genannt. Von dieser Auswanderung erfuhr Lagerlöf erst ein Jahr später und erkannte sofort das Potential, das in diesem Ereignis steckte. Für die Arbeit an "Jerusalem" betrieb die schwedische Schriftstellerin einen enormen Rechercheaufwand: sie reiste mit ihrer Lebensgefährtin, der Schriftstellerin Sophie Elkan, nach Jerusalem und besuchte die Larsarner. Der Aufenthalt im Orient blieb für die Nobelpreisträgerin eines der bedeutendsten Ereignisse ihres Lebens. (Quelle. Nachwort von "Jerusalem")

AVIVA-Tipp: "Jerusalem" ist ein äußerst dichter Roman. Die Schriftstellerin versteht es virtuos, in die psychischen Vorgänge ihrer Figuren blicken zu lassen. Keine ProtagonistIn erscheint einseitig, keine Handlung wird in ein Raster aus schlecht oder gut, schwarz oder weiß eingeteilt. Diesen Klassiker sollten LiebhaberInnen und NeuentdeckerInnen der Nobelpreisträgerin unbedingt (noch) einmal lesen.

Zur Übersetzerin: Marie Franzos (1870-1941), gebürtige Wienerin und Nichte des Schriftstellers Karl Emil Franzos, einem sehr populären jüdisch-österreichischen Schriftsteller und Publizisten. Marie Franzos übersetzte die Werke der großen skandinavischen SchriftstellerInnen wie Ellen Key, Selma Lagerlöf oder Hermann Bang. Sie hatte sich autodidaktisch mehrere Sprachen angeeignet und bot neben zahlreichen Übersetzungsarbeiten Vorträge über skandinavische Literatur an und war auch als Schriftstellerin tätig. Als Jüdin wurde sie unter den Nationalsozialisten verfolgt. Leider sind über Marie Franzos heute kaum Informationen verfügbar, so ist AVIVA-Berlin auch nicht bekannt, wo und wie sie 1941 starb. (Quelle: Library Mistress, Österreich)

Selma Lagerlöf
Herr Arnes Schatz

Aus dem Schwedischen von Marie Franzos
Originaltitel: "Herr Arnes Penningar"
Manesse Verlag, erschienen August 2008
Gebundenes Buch, 112 Seiten
ISBN-13: 978-3-7175-4081-6
12,90 Euro

Selma Lagerlöf
Die Lichtflamme. Eine Ostergeschichte

Aus dem Schwedischen von Marie Franzos
Originaltitel: "Ljuslågan"
Reclam Verlag, erschienen Februar 2008
Gebundenes Buch, 70 Seiten
ISBN-13: 978-3-15-010639-6
6,90 Euro

Selma Lagerlöf
Liebesgeschichten

Aus dem Schwedischen von Marie Franzos
Herausgegeben von Holger Wolandt
dtv, erschienen: Mai 2008
Paperback, 224 Seiten
ISBN-13: 978-3-423-13661-7
8,90 Euro

Selma Lagerlöf
Mårbacka

Langen und Müller Verlag, erschienen März 2008
Hardcover, 274 Seiten
ISBN: 978-3-7844-3141-3
19,90 Euro

Selma Lagerlöf
Jerusalem

dtv, erschienen Oktober 2008
Paperback, 620 Seiten
ISBN: 978-3-423-13695-2
12,90 Euro

Literatur Beitrag vom 28.10.2008 Jana Muschick 

   




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