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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 08.08.2005

Weiterbildungsszene Deutschland 2005: Keine Weiterbildung - kein Wachstum?
Ilka Fleischer

Die Wirtschaftsflaute hat die Weiterbildungslandschaft nicht verschont. Kein Wachstum - keine Weiterbildung. Eine neue Trendstudie betont nun die Wechselbeziehung von Wachstum und Qualifizierung.



Nicht nur Herr Eichel mahnt seit Jahren zum Sparen. Auch nach einem Regierungswechsel wird weiter gespart. Angesichts der wuchernden Staatsschulden, die pro Bundesb├╝rger/in inzwischen bei ├╝ber 17.000 Euro liegen, m├╝ssen alle den legend├Ąren "G├╝rtel" enger schnallen. Nicht zuletzt bei der Bildung sieht das Volk der Dichter- und Denkerinnen kargen Zeiten entgegen: So will die Union - laut "Focus" - im Rahmen der Einschr├Ąnkung der Arbeitslosenf├Ârderung die Zahl der Bewilligungen beruflicher Weiterbildung halbieren.

Obwohl der technische und demografische Wandel einen wachsenden Fortbildungsbedarf mit sich bringt, wird die Sparpolitik fortgesetzt. Seit Beginn der Hartz-Reformen Anfang 2002 wurde die Weiterbildungsf├Ârderung durch die Bundesagentur f├╝r Arbeit bereits mehr als halbiert: Nach 6,7 (2002) und 5,2 (2003) wurden im vergangenen Jahr nur noch rund 3 Milliarden Euro f├╝r Qualifizierungsma├čnahmen zur Verf├╝gung gestellt.

Gleichzeitig haben auch Unternehmen ihre Weiterbildungsbudgets gek├╝rzt, und angesichts der Wirtschaftsflaute schrauben Angestellte ihre Fortbildungsanspr├╝che "von selbst" mehr und mehr `runter. Nach einer Untersuchung im Auftrag des Bundesinstituts f├╝r Berufsbildung liegen die Chancen der ArbeitnehmerInnen in Deutschland, an einer betrieblichen Weiterbildung teilzunehmen, mit 36% unter den Werten fast aller Mitgliedsstaaten der EU. Deutschland rangiert mit einer Weiterbildungsbeteiligungsquote von 5,9% unter den EU-Staaten auf einem der letzten Rangpl├Ątze.

Nachdem der Fortbildungsmarkt nun schon seit Jahren durch Wirtschaftsflaute und F├Ârderungsabbau zurechtgestutzt wird, zeichnen sich auch f├╝r die Tr├Ąger und ihre Besch├Ąftigten weitreichende Konsequenzen ab: Die "Marktstichprobe 2005" des Beratungsunternehmens L├╝nendonk ergab f├╝r das vergangene Jahr Einbu├čen von 42 Millionen Euro f├╝r die Weiterbildungsbranche. Nach Angaben der S├╝ddeutschen Zeitung sollen bereits 30.000 feste Stellen und eine nicht zu beziffernde Zahl freier DozentInnen verloren sein - nur jede/r zweite FortbildungsanbieterIn werde ├╝berleben.

Vor dem Hintergrund dieser eher d├╝steren Faktenlage macht die j├╝ngst im Fachverlag managerSeminar erschienene Trendstudie "Weiterbildungsszene Deutschland 2005" Fortbildungstr├Ągern, TrainerInnen und PersonalentwicklerInnen Hoffnung. Mit seinem Postulat "Keine Weiterbildung - kein Wachstum" kontert J├╝rgen Graf, seit 1990 Redakteur f├╝r den Verlag managerSeminare, die gel├Ąufigere These "Kein Wachstum - keine Weiterbildung". Der Autor empfiehlt, dem sparsamen Zeitgeist mit einem unternehmerischen Denken zu begegnen, dass sich "gerade nicht in blindem Zahlenfetischismus verliert".

Mit umfangreichem wie differenziertem Datenmaterial, das auf aktuellen Marktdaten sowie auf Einsch├Ątzungen von SeminaranbieterInnen und PersonalentwicklerInnen basiert, evaluiert Graf Weiterbildungsverhalten und -stimmungen in Deutschland. Durch eine genaue Aufschl├╝sselung der Daten "vom Einzeltrainer bis zur Gro├čakademie - vom KMU bis zum Gro├čkonzern" bietet die Trendstudie Branchen-InsiderInnen, die diese Publikation f├╝r die Profilierung und Weiterentwicklung ihres eigenen Unternehmens zu Rate ziehen, ad├Ąquate Orientierungswerte.

Einem "Vergleich zwischen Angebot und Nachfrage" im vierten und letzten Kapitel der Studie, in dem die Einsch├Ątzungen von SeminaranbieterInnen und Unternehmen zum gegenw├Ąrtigen und zuk├╝nftigen Bildungsbedarf verglichen werden, gehen drei Teil-Analysen voran:
I. Trendanalyse Weiterbildungsthemen
II. Trendanalyse Seminaranbieter
III. Trendanalyse Weiterbildung in Unternehmen

Im ersten Kapitel ist die Angebotsentwicklung von 20 verschiedenen Themenbereichen der beruflichen und betrieblichen Weiterbildung im Blickpunkt. Die Grundlage bilden dabei die im Weiterbildungsmagazin managerSeminare von M├Ąrz 2000 bis Dezember 2004 ver├Âffentlichten Seminartermine. Neben den Resultaten zur Themenbefragung von 430 SeminaranbieterInnen werden im zweiten Part au├čerdem Ergebnisse zu Struktur und Entwicklung des Fortbildungsmarktes sowie zur Organisation von Qualifizierungsaktivit├Ąten vorgestellt. Im dritten Teil stehen die Befunde der Befragung von 107 Personalverantwortlichen zur Themenbefragung sowie zu Weiterbildungsverhalten und -organisation im Mittelpunkt. Im vierten Kapitel werden schlie├člich die jeweiligen Einsch├Ątzungen von WeiterbildungsanbieterInnen und Personalverantwortlichen zur aktuellen und k├╝nftigen Themenrelevanz gegen├╝bergestellt und aufschlussreiche Diskrepanzen in der Bedarfswahrnehmung herausgearbeitet.

"Weiterbildungsszene Deutschland 2005" best├Ątigt insgesamt die Flaute in der Fortbildungsbranche: "43 Prozent der Bildungsanbieter verzeichnen im Jahr 2003 einen R├╝ckgang ihrer Auftr├Ąge. [...] 37 Prozent der Trainer und Bildungsanbieter verzeichneten in 2003 weiter sinkende Honorars├Ątze." Allerdings legt der Autor nahe, dass Unternehmen und BildungsanbieterInnen, die ihre "Hausaufgaben" machten, der Weiterbildung auch in schwierigen Zeiten Kontinuit├Ąt und Gewicht verleihen k├Ânnten. Inwieweit die Erledigung der Hausaufgaben in der Fortbildungsbranche zum Wirtschaftswachstum beitragen kann, wird allerdings nicht weiter ausgef├╝hrt.

Nichtsdestotrotz bietet die Trendstudie hilfreiche Ansatzpunkte, um das Weiterbildungsangebot optimal auf die Nachfrage abzustimmen und somit bedarfsgerechte Qualifizierungsm├Âglichkeiten auszubauen. Ob dadurch die These
"Viel Weiterbildung - viel Wachstum" Best├Ątigung findet, sei dahingestellt.





Graf, J├╝rgen
Weiterbildungsszene Deutschland 2005

Studie ├╝ber den deutschen Weiterbildungsmarkt. Bildungsbedarf, Auftragslage, Kooperationen, Trainerhonorare
Erschienen Juli 2005
managerSeminare Verl.GmbH
ISBN/EAN 3-936075-32-8
99,90 EURO200772083175" .



Literatur Beitrag vom 08.08.2005 Ilka Fleischer 

   




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