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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 06.03.2012

Kerstin Drechsel - Wärmespeichersysteme
Annika Hüttmann

Menschen, Öffentlichkeit, Privatsphäre, Sexualität, Intimität und Identität - Die Berliner Künstlerin stellt Normen und Grenzen in Frage, indem sie diese ganz selbstverständlich verwischt. In oft...



...verschwommenen Gemälden gelingt es ihr, Realität genauer abzubilden als ein gestochen scharfes Bild dies könnte.

Die aquarellartigen Ölgemälde von Kerstin Drechsel zeichnen sich durch Unschärfe aus. Sie malt verschwommene Gesichter, Körper, die nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können und halbdunkle, konturenlose Räume. Ihre Bilder zeigen Sex zwischen Frauen in halböffentlichen Räumen und Darkrooms, Nacktheit, Nachtleben und Drogenkonsum, mal sind sie voller Leidenschaft und Wärme, mal voller Einsamkeit und Kälte. Und gerade die Unschärfe macht die Gemälde so wirklichkeitsnah, denn die abgebildeten Personen befinden sich in einer Zwischenwelt, hinter verschlossenen Türen, wie "If you close the door" betont, der Titel der Werkgruppe, in der sich Drechsel in die lesbische Klubkultur begibt.

Auch viele der anderen in Drechsels erster Monografie enthaltenen Serien beschäftigen sich mit weiblicher, häufig lesbischer Sexualität, fernab vom männlichen Blick. So besteht ihre Installation "In Wärmeland #2" aus barbieähnlichen Puppen, die vor unterschiedlichen Kulissen pornografisch in Szene gesetzt werden. Das Sexuelle, das bei Barbies immer mitschwingt, wird so auf die Spitze getrieben und entlarvt.

Indem sie in einem anderen Werkkomplex mit Gegenständen überfüllte Wohnungen auf riesige Leinwände bringt, erforscht die Künstlerin auch die Grenzen zwischen Ordnung und Unordnung. Das abgebildete Chaos dringt den BetrachterInnen entgegen, es wirkt gleichzeitig ästhetisch und bedrohlich. Vor allem aber gelingt es Kerstin Drechsel, diese eigentlich sehr privaten Einblicke in tatsächlich existierende Wohnungen so objektiv und sachlich umzusetzen, dass sie nicht sensationsgierig wirken. Vielmehr scheint sie die Anhäufungen aus Papieren, Videokassetten und Haushaltsartikeln zu malen um auszudrücken, dass auch Chaos und Unordnung alltäglich sind.

"Wärmespeichersysteme" besteht aus Malereien, Siebdrucken, Skulpturen und Installationen Drechsels und zeigt Sex, Nacktheit, Drogenkonsum, Pornografie und Messietum - Themen, die auch auf eine reißerische Art aufbereitet werden könnten. Das Besondere an den Arbeiten der Künstlerin ist, dass sie dies nicht tut, sondern stattdessen zeigt, dass all diese Dinge zum Alltag gehören und menschlich sind.

AVIVA-Tipp: Viele der Werke in "Wärmespeichersysteme" zeigen sehr intime und private Situationen. Durch diese Sichtbarmachung bietet Kerstin Drechsel eine Gegendarstellung zu oberflächlichen Sensationsmeldungen und hinterfragt die Aussagekraft von Kategorien, indem sie sexuelle Identitäten, Geschlechterrollen und Vorstellungen von Ordnung durch die Unschärfe ihrer Darstellung dekonstruiert. Neben den Werken Drechsels enthält die Monografie vier Aufsätze namhafter TheoretikerInnen wie Birgit Effinger, Jack Halberstam, Angela McRobbie und Jutta von Zitzewitz.

Zur Künstlerin: Kerstin Drechsel, 1966 in Reinbek bei Hamburg geboren, lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in Berlin. In zahlreichen Ausstellungen hat sie ihr vielschichtiges Werk in Deutschland, Großbritannien, Spanien, Frankreich und Mexiko ausgestellt. Seit 2006 ist sie Lehrbeauftragte für Zeichnung an der Universität Kassel. Sie studierte bei Achim Freyer. (Quelle: Hatje Cantz Verlag)

Zu den AutorInnen:

Birgit Effinger
ist Kunsthistorikerin und leitet gemeinsam mit Hannah Kruse das Künstlerinnenprojekt art IT, ein Postgraduiertenprogramm zur künstlerischen Berufspraxis. Darüber hinaus schreibt Effinger für Kataloge und Zeitschriften.

Jack Halberstam ist Professor an der University of Southern California für die Fächer Englisch und Amerikanistik sowie Genderstudies und Völkerkunde. Halberstam schrieb vier Bücher.

Angela McRobbie ist Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Goldsmiths College University of London. Sie verfasste zahlreiche Artikel über Gender und Populärkultur, junge Frauen und Sexualität, die Modeindustrie in Großbritannien und kürzlich über die neue Kreativwirtschaft.

Jutta von Zitzewitz studierte Kunstgeschichte und Anglistik in Köln, London und Berlin. Seither ist sie freie Autorin, Kritikerin, Übersetzerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin.

Kerstin Drechsel
Wärmespeichersysteme

Texte von Birgit Effinger, Jack Halberstam, Angela McRobbie und Jutta von Zitzewitz
Gestaltung von Hannes Aechter, Kerstin Drechsel
Hatje Cantz Verlag, erschienen Herbst 2011
Gebunden, 136 Seiten, English/Deutsch
72 farbige Abb., 21,50 x 28,00 cm, Halbleinen
ISBN 978-3-7757-3251-2
39,80 Euro

Weitere Infos unter:

Hatje Cantz KünstlerInnenlexikon

Literatur Beitrag vom 06.03.2012 Annika Hüttmann 

   




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