Nicole Hollmann - Out of Focus - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in größerer Schrift!

TIPP: über den Zurück-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 12.03.2012

Nicole Hollmann - Out of Focus
Anna Fleischer

Zwischen der endlosen Bilderflut der medialen Berichterstattung im Informationszeitalter des 21. Jahrhunderts ist die ästhetische Verschwommenheit der Fotografien im Bildband der Hamburger ...



... Fotografin "Out of Focus" nicht nur sehenswerte Kunst sondern auch Entlastung für das überreizte Auge.

Als ursprüngliches Medium der Klarheit und Objektivität, diente Fotografie seit Beginn ihrer Entstehung als Möglichkeit den Eindruck eines Augenblicks realistisch festzuhalten und zu verewigen. Dabei galt die Devise: je mehr Bildschärfe desto authentischer die Aufnahme. Jedes Detail eines Motivs sollte so präzise wie möglich abgebildet werden. Unschärfe galt ausschließlich als künstlerischer oder technischer Mangel der fotografischen Aufnahmen.

Seit der "Pictorial Photographie" um 1900 und spätestens seit den markanten Arbeiten Gerhard Richters ist Unschärfe jedoch ein integriertes und anerkanntes Stilmittel in der Fotografie. Anstelle von Klarheit richtet sich das neue Augenmerk auf die Faszination der subjektiven, atmosphärischen Empfindung.

Unter der Annahme, dass die visuelle Ebene nicht ausreicht, um alle Facetten einer Momentaufnahme abzubilden, distanziert sich die Fotografin Nicole Hollmann von der prägnanten Bildschärfe ihrer vorherigen Arbeiten als Modefotografin und Assistentin in den PPS-Studios bei F. C. Gundlach. Die Fotografien in "Out of Focus" entstanden u. a. in der Großstadtmetropole New York City und zeigen ausnahmslos verschwommene Abbildungen. Die 1962 in Hamburg geborene Fotokünstlerin möchte die "leicht konsumierbaren optischen Informationen weglassen", um eine Möglichkeit zu finden, ihre New Yorker "Eindrücke, die weit über die reine visuelle Faszination hinausgingen", abzubilden. Das gewohnte Sehen soll durchbrochen werden und für eine spirituellere und somit sensiblere Art der Wahrnehmung geöffnet werden.

Die "Out of Focus"–Fotografien bestechen vor allem durch ihre intensiven, klaren Farben und die fast schon malerisch-impressionistischen Bildkompositionen. Das Auge der Betrachterin sucht zunächst vergebens nach mehr Anhaltspunkten, um das Sichtbare klarer einordnen zu können. Die Motive sind jedoch so unscharf, dass sich irgendwann nur noch das Spiel mit Farben und unscharfen Formen in seiner Ganzheit wahrnehmen lässt. Dabei zwingt Hollmann die Betrachterin, den leeren, "entstandenen [Bedeutungs-] Raum" selbst kreativ zu füllen. Was zunächst das Betrachten stört - die unscharfen Formen, die sich jeder klaren Zuschreibung dezidiert entziehen - eröffnet recht bald einen Raum für etwas Neues: Tatsächlich lenkt Hollmann die Aufmerksamkeit auf eine andere Kraft der Wahrnehmung und lässt die Betrachterin sehr intensiv verschiedene Stimmungen und Atmosphären der Stadt erspüren, wie die Hektik, den Straßenlärm, die überflutenden Lichter. Aber auch die Romantik der New Yorker Nacht, die magische Ruhe aus der Höhe über dem Dunst der Stadt und schließlich die unbedingte Leere in der Distanz zwischen Bild und Betrachterin rücken anstelle der Detailschärfe nun in den "Focus".

"Out of Focus" gliedert sich in vier Kapitel und enthält neben der Einführung "Why >Out of Focus<" von der Künstlerin selbst auch zwei Essays der Kunsthistoriker Hubertus Gaßner und Klaus Honnef. Vom 11. Februar bis zum 22. Mai 2011 waren Hollmanns Fotografien auch als Teil der Ausstellung "Out of focus. After Gerhard Richter" in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.

AVIVA-Tipp: Schon Goethe weigerte sich, sein Sehen durch eine Brille zu "verschärfen": "Ich sehe mehr, als ich sehen sollte, die schärfer gesehene Welt harmoniert nicht mit meinem Innern". Nicole Hollmann zeigt mit "Out of Focus", dass das Auge manchmal mehr sieht, wenn es weniger sieht. Sehr beeindruckend.

Nicole Hollmann
Out of Focus

Herausgegeben von F. C. Gundlach
Mit Texten von Hubertus Gaßner und Klaus Honnef
Kehrer Verlag, erschienen 2011
112 Seiten, 40 Farbabbildungen
Deutsch, Englisch
ISBN 978-3-86828-236-8
38 Euro

Weitere Infos im Netz unter:

www.nicolehollmann.com

www.kehrerverlag.com

www.fcgundlach.de

Literatur Beitrag vom 12.03.2012 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken