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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 22.03.2012

Irene Pimminger - Was bedeutet Geschlechtergerechtigkeit? Normative Klärung und soziologische Konkretisierung
Annika Hüttmann

Die Antwort auf die im Titel gestellte Frage ist schwer zu finden, denn: Was ist überhaupt Gerechtigkeit? Woraus setzt sich "Geschlecht" zusammen? Die Autorin begegnet einer theoretischen...



...Leerstelle, indem sie Soziologie und Philosophie zusammen führt, um den meist vagen Terminus "Geschlechtergerechtigkeit" zu konkretisieren.

Allein die Bezeichnung "Geschlechtergerechtigkeit" birgt Definitionsschwierigkeiten: Hier werden zwei Begriffe miteinander vereint, die aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Fachrichtungen stammen. Während Geschlechtertheorien der Soziologie zugeordnet werden, ist "Gerechtigkeit" ein Feld der Philosophie, das von SoziologInnen gerne gemieden wird. Philosophische Gerechtigkeitstheorien berücksichtigen die Kategorie "Geschlecht nicht, oder nur wenig. Bei soziologischen Fragestellungen fehlt durch die mangelnde Auseinandersetzung mit dem Thema Gerechtigkeit häufig ein Bezugsrahmen für die Einordnung empirischer Forschungsergebnisse. Um zu untersuchen, inwiefern ein Dialog zwischen beiden Fachrichtungen neue Impulse geben kann, führt Pimminger in ihrer Dissertation beide Felder zusammen. In der Einleitung formuliert sie ihre Ziele folgendermaßen:

"Es geht mir hierbei nicht darum, ein Bild eines mehr oder weniger utopischen Gesellschafts(end)zustands zu entwerfen und Empfehlungen abzugeben, ob und wie dieser zu erreichen wäre. Sondern es geht um die Erarbeitung eines normativ-theoretischen Bezugsrahmens, der einer kritischen Reflexion gesellschaftlicher Entwicklungen und politischer Strategien dienen kann(...)"

Bevor sie Gerechtigkeit und Geschlecht zu einem mehrdimensionalen Konzept zusammenführt, betrachtet Irene Pimminger zunächst beide Begriffe getrennt voneinander. Sie ermöglicht durch einen ausführlichen Überblick beider Felder jeweils fachfremden LeserInnen eine gemeinsame Basis und verdeutlicht gleichzeitig die Grundlagen ihrer eigenen Überlegungen. Gerechtigkeit betrachtet Pimminger vor allem im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Gleichheit und Freiheit. Um der Komplexität der Kategorie Geschlecht gerecht zu werden, teilt sie diese in drei Dimensionen auf: das strukturelle Geschlechterverhältnis, die symbolische Geschlechterordnung und Geschlecht als Identitätskategorie. Abschließend zusammen geführt geben normative Prinzipien und soziale Zusammenhänge keine endgültigen Antworten darauf, wie eine geschlechtergerechte Gesellschaft aussehen soll oder kann. Pimminger betont dies selbst, kann aber am Ende ein Fazit ziehen, das zeigt, das der von ihr eingeleitete Dialog tatsächlich zu fruchtbaren Ergebnissen führt:

"Weit entfernt von abschließenden Antworten wurden als Fragen der Geschlechtergerechtigkeit ins Zentrum gerückt, wer zu welchen Bedingungen reproduktive Arbeit leistet und wie eine angemessene materielle Anerkennung dieser gesellschaftlich relevanten Arbeit geleistet werden könnte, wie eine nicht hierarchische, weder sexuell restriktive noch verdinglichende Geschlechter- und Begehrensordnung aussehen könnte und wie Freiheitsräume für unterschiedliche Seins- und Lebensweisen unabhängig von Geschlecht, für verschiedene Formen familiärer Vergemeinschaftung eröffnet werden könnten, ohne bestimmte Lebensformen zu privilegieren."

Pimmingers Verlag nennt als Zielgruppe der Arbeit ForscherInnen und BeraterInnen im Bereich Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik, gleichstellungspolitische AkteurInnen, Lehrende und Studierende der Sozialwissenschaften, Erziehungswissenschaft, Politikwissenschaft, Philosophie und Gender Studies.
Tatsächlich ist zumindest ein wissenschaftliches Interesse erforderlich, um den Überlegungen und Ergebnissen der Autorin zu folgen. Schon aus der Tatsache, dass es sich bei "Was bedeutet Geschlechtergerechtigkeit" um eine Dissertation handelt, ergibt sich trotz der vieler thematischer Einführungen ein anspruchsvolles Leseniveau. WissenschaftlerInnen die sich mit diesem Thema beschäftigen oder beschäftigen wollen, werden von Pimmingers Arbeit allerdings sicherlich einige wertvolle Denkanstöße bekommen.

Zur Autorin: Irene Pimminger ist Soziologin mit den Arbeitsschwerpunkten Geschlechterforschung, Gleichstellungspolitik, Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik, Europäische Strukturfonds sowie Evaluation. (Verlagsinformationen)

AVIVA-Tipp: Eine übersichtliche und umfangreiche wissenschaftliche Arbeit, deren Anspruch gelingt, sich einem komplexen Begriff auf eine neue Weise zu nähern und ihn dadurch vielseitig anwendbar zu machen.

Irene Pimminger
Was bedeutet Geschlechtergerechtigkeit? Normative Klärung und soziologische Konkretisierung

Verlag Barbara Budrich, erschienen im Februar 2012
Taschenbuch, 164 Seiten
978-3-86649-482-4
19,90,- Euro
www.budrich-verlag.de

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Literatur Beitrag vom 22.03.2012 Annika Hüttmann 

   




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