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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 25.04.2012

Maxine Henryson - Ujjayi´s Journey. Ein Gedicht in Bildern
Ulrike Wagener

Die amerikanische Fotografin nimmt uns mit auf eine Reise in Farbe. Auf der Suche nach Göttlichkeit in Frauengestalt im modernen Indien entstehen Bilder des Außergewöhnlichen, sichtbar gemacht ...



... im Alltäglichen.

Maxine Henryson betrachtet die Welt auf ihre eigene Art und Weise durch das Farbobjektiv. Ujjayi´s Journey entstand während fünf Indienreisen zwischen 1996 und 2008. Ujjayi bedeutet "göttlicher Atem" auf Sanskrit. Auf ihren Reisen begibt sie sich auf die Suche nach Ujjayi und versucht, den göttlichen Atem einzufangen, in Gestalt alltäglicher Begebenheiten, die in Indien immer auch einen Hauch von Spiritualität innehaben.

Die 1943 geborene Fotografin machte früh die Entdeckung, dass BewohnerInnen unterschiedlicher Regionen der USA sich in ihren Vorlieben für bestimmte Farben unterscheiden. Die Faszination dafür, dass die Traditionen und Dynamiken einer Kultur ihre Farbpalette bestimmen, hat sie sich bis heute bewahrt.
Inspiriert von MalerInnen und FotografInnen wie Éduard Vuillard, James Ensor, Gerhard Richter, Helen Levitt, Saul Leiter und anderen, entwickelte sie ihren spezifischen Stil, der dominiert ist von Unschärfen und Weichzeichner.
Im Interview mit dem Sammlungsleiter des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Main, Mario Kramer, formuliert sie ihr Anliegen. In ihren Arbeiten will sie die BetrachterInnen auffordern, die eigene Wahrnehmung der Realität zu hinterfragen. Ambiguität, Geheimnisse, das Unbewusste, Gottfried Leibniz`s petites perceptions hinter der Grenze des Bewusstseins, Träume, unsere Art Licht zu erinnern und der Geruch alltäglicher Erfahrungen motivieren sie, den Auslöser zu betätigen.

Die Unschärfe macht die Veränderungen der Welt im Foto sichtbar und lässt das Präzise mit dem Vagen und das Reale mit dem Fiktiven verschwimmen. "A deity is transformed into a butterfly and a stretched sari becomes a magical orange veil." – so beschreibt die Künstlerin ihre Arbeiten, in denen das "Reale" stets unter einen Schleier der Fiktion und der Imagination gelegt wird. Henryson nimmt sich die Freiheit, genau das Gegenteil von dem zu tun, was der Fotografie in ihren Anfängen unterstellt wurde – ausschließlich die Realität abzubilden – und lädt damit auch die RezipientInnen zum Träumen und Weiterdenken ein.

Eine wichtige Rolle in ihren Arbeiten spielt Mahadevi (große Göttin), die alle hinduistischen Göttinnen in sich vereint, sowie als Schöpferin und Beherrscherin des Universums und universelle Mutter gilt. So wird ihre Suche nach den "feminine aspects of the divine" durchzogen von Abbildungen indischer Tempel und Göttinnen, Opferblumen und GöttInnenverehrungen. Frauen sind selten abgebildet, doch wirkt durch ihre Abwesenheit die Dominanz weiblicher Attribute noch stärker. Henrysons Motivwahl reicht von Stoffen und Schleiern, über Spiegel und Schmuck bis hin zur Lotusblüte, Verkörperung von Fruchtbarkeit, Liebe und dem menschlichen Weg zur Göttlichkeit. Immer wieder wird die Unruhe der Unschärfe ergänzt, durch Bilder von Bahnhöfen, Zügen und allerlei Beweglichkeit.

Wer selbst in Indien gewesen ist, fühlt sich erinnert, riecht den Geruch der Räucherstäbchen über den der Opferblumen hinweg, spürt die Hitze und den Lufthauch des Ventilators und fühlt sich angezogen von den knallbunten Farben der doch so stillen Saris.
Und auch, wer nicht mit Indien vertraut ist, wird von den Fotografien mit auf die Reise genommen, in die Welt des unglaublichen Indiens, das mit all seiner Widersprüchlichkeit zum Träumen, aber auch zum kritischen Nachdenken anregt.

AVIVA-Tipp: Die Wirkung von Farben und Formen auf unser Bewusstsein müssen im Informationszeitalter des 21. Jahrhunderts oft klaren Strukturen und harten Fakten weichen. Maxine Henryson stellt dem ein fotografisches Gedicht entgegen, das uns – lässt mensch sich darauf ein – viel über die Kultur, Spiritualität und die weibliche Welt Indiens, aber auch über sich selbst entdecken lässt.

Zur Fotografin: Maxine Henryson, geboren 1943, studierte Soziologie, Skulptur und Fotografie in den USA und in London. Heute lebt und arbeitet sie in New York. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen Privatsammlungen vertreten, unter anderem im Russischen Museum in St. Petersburg und im Art Institute of Chicago. 2011 war sie u.a. in der Hamburger Kunsthalle im Rahmen der Ausstellung "Unscharf. Nach Gerhard Richter" zu sehen. Sie hat am International Center of Photography, an der City University of New York und am Bennington College in Vermont unterrichtet.
Ein weiterer Fotoband von Maxine Henryson "Red Leaves & Golden Curtains" ist 2007 im Kehrer Verlag erschienen. (Quelle: Kehrer Verlag)
Weitere Infos unter: maxinehenryson.com

Maxine Henryson
Ujjayi´s Journey

Kehrer Verlag, Heidelberg Berlin, erschienen 2012
www.artbooksheidelberg.de
Gebunden, 96 Seiten, 56 Farbabbildungen, Text: Englisch
Interview mit Mario Kramer
ISBN 978-3-86828-280-1
30 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Out of Focus" von Nicole Hollmann

"Fotografien 1937-1991" von Helen Levitt

Literatur Beitrag vom 25.04.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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