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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 04.05.2012

Georgia O´Keeffe. Leben und Werk. Herausgegeben von Barbara Buhler Lynes und Christiane Lange
Ulrike Wagener

Anlässlich ihres 25. Todestags erscheint ein ausführlicher Band zum Leben und Werk der amerikanischen Kulturikone. Die AutorInnen dokumentieren und diskutieren die Emanzipation einer Künstlerin ...



...und ihre Loslösung von der europäischen Tradition.

Die am 15. November 1887 geborene O´Keeffe gehörte zu der ersten Generation amerikanischer KünstlerInnen, die weder in Europa studiert noch obligatorische Bildungsreisen dorthin absolviert hatten. Das führte dazu, das sie als "genuin amerikanische" Künstlerin in Abgrenzung von der europäischen Kultur stigmatisiert wurde. Tatsächlich studierte sie jedoch zunächst an einer französisch geprägten Hochschule, später dann längere Zeit bei einem in München ausgebildeten "munich man" namens William Merritt Chase. Obwohl sie sich nie zu Ausbildungszwecken in Europa aufgehalten hatte, wurde sie doch von europäischen Lehren beeinflusst.

Das Etikett der von europäischen Einflüssen unabhängigen Künstlerin wurde maßgeblich von ihrem Galeristen und späteren Ehemann Alfred Stieglitz genährt. Der selbst aus Europa immigrierte Fotograf und Galerist war von der ersten Begegnung mit O´Keeffe und deren Werken begeistert, sorgte für eine breite Popularität ihrer Person und organisierte bis zu seinem Tod 1946 jährlich Ausstellungen ihrer Bilder.

Er selbst wurde von der jungen Künstlerin zu zahlreichen Aktfotografien inspiriert, die ein Bild von O´Keeffe postulierten, welches fast ausschließlich ihre Weiblichkeit betonte und bei KritikerInnen dazu führte, eine freudianische Auslegung ihrer Werke zu bevorzugen. Sie selbst kehrte dies um, und inszenierte sich als "durchsetzungsfähige, mutige und hart arbeitende Künstlerin, die sich selbst verwirklicht hat." Sie verlagerte damit den Schwerpunkt von ihr als Frau, die Kunst macht, auf die Kunst selbst.

Möglicherweise aus dieser Ablehnung eines geschlechtsspezifischen Verständnisses ihrer Kunst heraus, lehnte sie später die Interpretation ihrer Werke durch die FeministInnen der 1970 Jahre, wie auch jegliche Zusammenarbeit mit ihnen ab. Und das, obwohl sie lange Zeit Mitglied der National Women´s Party war und selbst als Feministin galt. Ihrer Meinung nach ging es in ihrer Kunst nicht um die Weiblichkeit, sondern darum, "wie sie die Kräfte der Natur in ihrem Wirken auf das menschliche Erleben wahrnahm." Diese Umdeutung versuchte sie auf verschiedene Weise zu verwirklichen. Zum einen durch Portraits ihrer selbst, die sie als "sie selbst", statt als Modell Stieglitz´ zeigten. Zum anderen vollführte sie einen Wechsel ihres Malstils, von den für sie typischen abstrahierenden Naturstudien, darunter Blumen, Knochen und Früchte, zu einer eher gegenständlichen Malerei, die keine sexuellen Interpretationen mehr erlauben sollte. Als auch das nicht genügte, um der Brandmarkung ihrer Bilder als "weibliche Malerei" zu entkommen, versuchte sie es kurzzeitig mit abstrahierten Stadtansichten. Doch blieb die Landschaft, die sie oft übergroß und lebensfeindlich darstellte, ihr Metier.

Wie ihr Schaffen, so war auch ihre Beziehung mit Stieglitz von Kämpfen der beiden starken Persönlichkeiten geprägt. O´Keeffee wollte sich künstlerisch wie privat als Individualistin sehen und fühlen. Sie verbrachte deshalb den Sommer 1929 allein in New Mexiko. Weitere Reisen in den folgenden Jahren sorgten dafür, dass sich die beiden zunehmend auseinanderentwickelten. Neben der privaten Krise des Paares bröckelte auch beider beruflicher Erfolg und O´Keeffe verfiel in schwere Depressionen. Erst ein Jahr später begann sie erneut zu malen und baute ihre Beziehung mit Stieglitz wieder auf.

In ihrer Veröffentlichung "Georgia O´Keeffe" im Jahr 1976 fand Stieglitz kaum Erwähnung. Erst in ihren letzten Lebensjahren verabschiedete die unabhängige Individualistin sich von dieser Identität und rekonstruierte die Bedeutung von Stieglitz für sie selbst, wie für die amerikanische Kunstszene. Ihre Ehe wurde damit als die wichtigste KünstlerInnenbeziehung in der amerikanischen Kunst des 20. Jahrhunderts definiert.

AVIVA-Tipp: Dieser Band ist eine bewundernswerte Hommage an eine außergewöhnliche Künstlerin. Ehrfurchtsvoll und doch höchst kritisch beleuchten die Beiträge das Wesen der ersten berühmten amerikanischen Künstlerin und ihrer Werke. Die Differenz zwischen ihrer Eigenwahrnehmung und dem Bild, das andere von ihr hatten, spielte dabei eine ebenso große Rolle wie ihre künstlerische Entwicklung und die einflussreiche Beziehung zu Alfred Stieglitz.

Georgia O´Keeffe. Leben und Werk Herausgegeben von Barbara Buhler Lynes und Christiane Lange.
Mit Beiträgen von Barbara Buhler Lynes, Walter Grasskamp, Sarah Greenough, Karin Koschkar, Christiane Lange und Carol Troyen.
Hirmer Verlag, München, erschienen Frühjahr 2012
Gebunden 224 Seiten, 84 Farbtafeln, 45 Abbildungen in Farbe und 44 in Schwarz-Weiß
ISBN: 978-3-7774-5061-2
39,90 Euro


Ein Portrait zu Georgia O´Keeffe finden Sie auf FemBio unter:

www.fembio.org


Literatur Beitrag vom 04.05.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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