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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 26.06.2012

Hanna Hacker - Queer Entwickeln. Feministische und postkoloniale Analysen
Claire Horst

Welche Rolle kann Queer Theory, können feministische Theorien für die Entwicklungszusammenarbeit spielen? Sie bieten die Möglichkeit, Machtverhältnisse und nicht zuletzt den Zusammenhang...



... von Imperialismus und Geschlechterdefinitionen zu beleuchten.

Neben Ansätzen aus den Queer Studies greift Hacker auch auf die postkoloniale Theorie, auf Kritische Geografie, Critical Whiteness und Border Studies zurück. All diesen Ansätzen ist ein Fokus gemeinsam: Sie bemühen sich um Intersektionalität und ermöglichen es, sowohl Machtverhältnisse kritisch zu hinterfragen als auch die eigene Sprecherinnenposition sichtbar zu halten.

Der vorliegende Band versammelt zehn Aufsätze aus den Jahren 2007-2012, in denen die Autorin sich aus unterschiedlichen Perspektiven kritisch mit Entwicklungsarbeit auseinandersetzt. Die Texte zeichnen sich insbesondere durch die Schreibhaltung Hackers aus: Konstant bezeichnet sie die eigene Position, ruft sich und der Leserin immer wieder ins Gedächtnis, wer hier spricht: eine weiße, akademisch gebildete, lesbische Österreicherin. Insofern sind ihre Aufsätze keine rein akademischen: Tagebuchaufzeichnungen mischen sich mit fiktionalen Texten, Erinnerungsbruchstücken und theoretischen Analysen. Gerade dadurch, dass sie die eigene Haltung immer wieder ins Bewusstsein ruft, kann Hacker den Fehler vermeiden, die eigene Perspektive zur Wahrheit zu ernennen.

Ein Schwerpunkt des Bandes ist die Positionierung der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Welche Bilder und (Selbst-)Zuschreibungen spielen hier eine Rolle? Welche Rolle spielt die eigene Haltung und ihre (Nicht-)Hinterfragung für die Entwicklungsarbeit? Dabei untersucht Hacker auch die Rolle, die Körper und ihre Repräsentation spielen. Bilder von Schmutz und Gefährdung werden dabei ebenso untersucht wie Exotisierung und die Erotik des "Fremden" sowie das relativ neue Feld "Sex and Development".

Ein Aufsatz mit dem bezeichnenden Titel "Ausbruch in Schweiß" untersucht etwa anhand von Berichten ehemaliger Peace Corps-Freiwilliger, wie Wahrnehmung und Darstellung von Körperlichkeit Machtverhältnisse widerspiegeln. Hacker spricht dabei von "First-Contact"-Literatur, von Texten also, die vorgeben, aus übergeordneter Perspektive über eine noch unerforschte Kultur zu sprechen. Bestimmte immer wiederkehrende Motive (wie etwa der Blick vom Balkon des Hotelzimmers auf die Straße herab) erkennt sie dabei als Topoi, die den Arbeitsansatz vieler Beschäftigter aus der "Entwicklungszusammenarbeit" verdeutlichen.

Zu den untersuchten Texten gehören Berichte von Forschungsreisenden ebenso wie koloniale Fiktion und Aufsätze bekannter TheoretikerInnen. Im Rückgriff auf klassische ethnografische Studien, etwa von Julia Kristeva und Roland Barthes zum kommunistischen China oder zu einem Archivierungsprojekt in Südafrika, untersucht Hacker, wie Erinnerung geformt wird und inwiefern eine Geschichtsschreibung ohne eurozentrische Wahrnehmung möglich ist. Diese Texte werden ergänzt durch Aufzeichnungen zu eigenen Forschungsaufenthalten der Autorin. So zeichnet sie nicht nur die historische Entwicklung verschiedener Ansätze der Entwicklungszusammenarbeit nach, sondern analysiert auch die eigene Rolle. Welchen Einfluss hat die eigene Homosexualität auf den eigenen universitären Status, inwiefern ist sie /sind andere AutorInnen vom eigenen Begehren beeinflusst? Kann es ein reines Begehren überhaupt geben, wenn die Verhältnisse von Gewalt bestimmt sind? Die genannten Texte werden so in Zusammenhang zur Leitfrage gestellt: Wie lässt sich Entwicklungsarbeit und -kritik queeren?

AVIVA-Tipp: Durch die Verflechtung unterschiedlicher Themenfelder und theoretischer Ansätze gibt Hacker spannende Anregungen dazu, was Intersektionalität in der Praxis bedeuten kann. Wie sie selber schließt, sind diese Erkenntnisse nicht neu. Trotzdem gelingt es ihr, theoretische Ansätze praktisch werden zu lassen. Die Herausforderung, die eigene Position zu benennen, ohne weitere außer Acht zu lassen, nimmt sie erfolgreich in Angriff und stellt sie zugleich an die Praxis.

Zu der Autorin/Herausgeberin: Hanna Hacker ist Soziologin und Historikerin mit Arbeitsschwerpunkten auf Cultural und Postcolonial Studies in feministischer und queerer Perspektive. Sie arbeitet als Professorin für sozial- und kulturwissenschaftliche Entwicklungsforschung an der Universität Wien. (Verlagsinformationen)

Hanna Hacker
Queer Entwickeln. Feministische und postkoloniale Analysen

mandelbaum kritik & utopie, erschienen im April 2012
Taschenbuch, 270 Seiten
ISBN 978-3-85476-611-7
19,99 Euro


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