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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 18.07.2012

Catrine Val - FEMINIST
Susanne Schwarz

Das soziale Geschlecht der Frau? Die Künstlerin Catrine Val hält in 78 Selbstportraits 78 "soziale Geschlechter" fest - ein postfeministischer Bildband oder auch einfach ein Aufruf zur Freiheit.



"Warum soll ich meine Pflicht als Frau erfüllen? Für wen? Für die? Für dich? Für mich?", schrie Nina Hagen 1978 für das Lied "Unbeschreiblich weiblich" ins Studio-Mikrophon und wandte sich damit gegen die Pauschalisierung der Frauenidentität als Gebärmaschine.
Unbeschreiblich weiblich sind auch die Protagonistinnen des Bildbandes von Catrine Val. Die Künstlerin aus Kassel präsentiert 78 Selbstportraits, in denen sie fotografisch Frauenpersönlichkeiten darstellt.

Val, die vielen verschiedenen Identitäten ihren Körper leiht, ist mal auf Studio-, mal auf Außenaufnahmen zu sehen. Zudem hat die von ihr kreierte Szenerie eine Reichweite von Steinzeitfiguren und Mammuts bis hin zu futuristischer Baukunst. Die Protagonistinnen tragen manchmal hochgeschlossene Garderobe vergangener Jahrzehnte, aber auch zeitgenössische Mode und Badebekleidung, vermischt mit exzentrischen Schnitten, wie mensch sie bereits in Science-Fiction-Filmen gesehen hat.
Die Person der Fotografin, die gleichzeitig ihr eigenes Model ist, tritt dabei bis zur Unkenntlichkeit in den Hintergrund. Jede dargestellte Persönlichkeit erhält einen eigenen Namen.

"Linnea" zum Beispiel steht in einem minimalistisch konzipierten Treppenhaus und lässt ihren Blick über eine noch grüne Spätherbstlandschaft schweifen. Die riesige Fensterfläche, welche sich vom Boden noch über die Bildgrenzen hinaus erstreckt, wirkt wie ein Terrarium, das eine Begrenzung zur freien Außenwelt bedeutet. Das Spiegelbild der Frau im Fenster sieht aus, als stünde es draußen und stellt die Illusion deutlich der Realität gegenüber.
Val lässt klassische Motive in "FEMINIST" einfließen. So bewegt sich "Linnea" zwischen Natur und Kunst, zwischen Schein und Sein.

Durch die unterschiedlichen Charaktere wird auch der Kontrast zwischen aktiver Situationsgestaltung und passiver Erduldung thematisiert. So steht "Sienna" fassungslos auf einem Haufen Sperrmüll am Straßenrand. "Peppi" hingegen, "typisch weiblich" in Badeanzug und Pumps gekleidet, arbeitet in energetischer und durch einen Vorsprung erhöhter Position, mit einem halb auseinander gebauten, "typisch männlichen" Rasenmäher – oder mit einem kaputten Geschlechterbild?

Prägnant sind die nicht nur optisch ausgefallenen Kopfbedeckungen vieler der Frauen. "Julia" schwankt über eine vertrocknete Wiese, bekleidet ist sie mit einer riesigen Feinrippunterhose und einem nicht minder eindrucksvollen Lampenschirm auf dem Kopf. "Rebekkas" Haupt schmückt eine Rührschüssel und "Grietje" ist vom Scheitel an über den ganzen Oberkörper mit einem leuchtend gelben Tuch umhüllt. Gemeinsam haben sie alle, dass sie sich in einer Welt bewegen, in der sie weder ihre Umgebung noch sich selbst genau ausmachen können. Oder konnten: "Grietje" greift mit der Hand einen Tuchzipfel und strafft den Stoff. Vielleicht zieht sie ihren Schleier gleich herunter.

Die "FEMINIST"-Frauen wandeln zwischen dem Dasein als Mensch und Puppe. Ihre Expressivität spricht für ersteres, dennoch werden sie oft von den äußeren Umständen der Szenerie geleitet. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die Inszenierung ihres Intimbereichs, wenn dieser nicht von Kleidung bedeckt ist. "Faith" trägt unter ihrem zu kurzen Bademantel eine blickdichte, hautfarbene Strumpfhose mit Nylonnaht und wirkt etwas wie eine Schaufensterpuppe vor dem Ankleiden. Wie es bei Puppen auch keine Rolle spielt, was sich unter der Strumpfhose befindet, setzt sich "Faiths" Persönlichkeit aus anderen Aspekten zusammen.

Die Kulissen der Fotos variieren von minimalistischen, einfarbigen Hintergründen bis zu aufwendig detailverliebten Installationen. "FEMINIST" lebt durch Licht, Schatten sowie Reflexionen und experimentiert mit der Farbgebung passend zu den dargestellten Persönlichkeiten.

AVIVA-Tipp: Die Fotografien aus "FEMINIST" sind sowohl in ihren ästhetischen, als auch inhaltlichen Aspekten spannend. Die Protagonistinnen bleiben unbeschreiblich (weiblich). Catrine Val bietet Anhaltspunkte zum Nachdenken und Interpretieren über ein `post`feministisches Geschlechterbild, gibt allerdings auch keine Pauschallösung vor – denn das Abweichen von einer solchen ist ja auch ihr Ziel.

Zur Künstlerin: Catrine Val, geboren 1970 in Köln, studierte Kunst bei Urs Lüthi, Valie Export, Marcel Odenbach und Horst Königstein und arbeitete an der Kunsthochschule Kassel. Ihre Video- und Fotoarbeiten waren Bestandteil diverser Ausstellungen und Festivals. (Quelle: Kehrer Verlag)
Mit "FEMINIST" war sie bereits in der Ausstellung "Gaze upon my graze" des "Art Museum at The Art Park" in Hsinchu/Taiwan und auf dem "International Portfolio Reviews/Photo Ireland Festival" vertreten. Im Juni 2012 wurde ihr Bildband "FEMINIST" für den Renaissance Photography Prize London nominiert.
Weitere Infos unter www.catrineval.de


Catrine Val
FEMINIST

Kehrer Verlag, erschienen Januar 2012
Festeinband, 120 Seiten
ISBN 978-3-86828-290-0
36 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Female Trouble – Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierungen von Inka Graeve Ingelmann (Hrsg.)

Fräulein von Ellen von Unwerth

"Frauen. Picasso, Beckmann, de Kooning" herausgegeben von Carla Schulz-Hoffmann, Bayrische Staatsgemäldesammlungen


"Ujjayi´s Journey" von Maxine Henryson


Literatur Beitrag vom 18.07.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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