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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 30.08.2012

Isabelle Fremeaux und John Jordan - Pfade durch Utopia. Buch und DVD
Clarissa Lempp

Utopien, Widerstand und Leben. "Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war". Isabelle Fremeaux und John Jordan dokumentierten ihre Reise durch "utopische" Lebensformen in Film und Buch.



Vor gut f├╝nf Jahren, w├Ąhrend die Finanzkrise ├╝ber der kapitalistischen Welt schwebte, machten sich Isabelle Fremeaux, Dozentin und Klimaaktivistin, und John Jordan, K├╝nstler und Aktivist, auf, Europa zu bereisen und nach post-kapitalistischen Lebensformen zu suchen. In sieben Monaten dokumentierten sie elf Orte, an denen Menschen ihren Utopien Raum geben. Vom organisierten Klima-Camp auf einer umstrittenen Landebahnbaustelle des Londoner Flughafens Heathrow, ├╝ber eine besetzte Fabrik in Serbien, zum ZEGG bei Belzig bis zur Landkommune in Frankreich f├╝hren die "Pfade durch Utopia". Wie sieht der Alltag aus, wenn mensch von der eigenen Ernte und den eigenen Tieren lebt? Wie organisiert sich eine anarchistische Schule und wie lebt es sich, wenn das Eigentum oder die Liebesbeziehung abgeschafft sind? Das K├╝nstlerInnen-Paar stellt Gemeinschaften vor, die au├čerhalb kapitalistischer Strukturen, gesellschaftlicher Normen oder Medien├╝bers├Ąttigung leben, die eine Alternative realisieren, weil sie einer, ihrer, Utopie entsprechend handeln.

Wenn sie ihren Entschluss nur selbst produziertes Fleisch zu essen theoretisiere, w├Ąre es ein politscher Akt, sagt eine Protagonistin des Films. Aber viel mehr ginge es doch darum, wie sie lebt, jeden Tag. Diese Schnittstelle zwischen gelebtem Alltag und (politischem) Widerstand, die diese Gemeinschaften offenbaren, tr├Ągt die Dokumentation. Vor allem im Buch finden sich neben den Beschreibungen des t├Ąglichen Lebens in den Gemeinschaften auch analytische Gedanken zu Formen, Organisation und Handlungsgestaltung oder auch inhaltliche Fragen und die Bedrohung durch Repressionen durch die Normsysteme.

"Pfade durch Utopia" ist eine Dokumentation bestehender Praxen, die auf den Eindr├╝cken der durchaus sympathisierenden Reisenden beruhen. Der Film erweitert die Texte neben dokumentarischen Interviews und Bildern von Aktionen durch traum├Ąhnliche, durchaus poetische Bilder. So wird in einer unkommentierten, mit d├╝steren Kl├Ąngen ausgelegten Szene der kleine Reisebus des Filmteams bei einer n├Ąchtlichen Fahrt von einer Polizeimannschaft durchsucht. Nach einer Abblende folgt im n├Ąchsten Bild das weiche Licht des Sonnenaufgangs, das metallische Rauschen der Nacht klingt aber noch nach.

Isabelle Fremeaux, Dozentin f├╝r Media & Cultural Studies am Birkbeck College der Universit├Ąt London und der K├╝nstler John Jordan besch├Ąftigen sich mit kreativen Formen des Widerstands und sind beide selbst aktiv. Jordan war u.a. Mitbegr├╝nder der Aktionsgruppen Clownsarmee und Reclaim the Streets. Fremeaux und Jordan bauen derzeit auf einem Hof in der Bretagne die postkapitalistische Kommune La r.O.n.c.e. auf.

AVIVA-Tipp: John Jordan war bereits bei "Wir sind ├╝berall (Notes from Nowhere (Hg.),ebenfalls erschienen im Nautilus Verlag, als Redakteur dabei. Wie auch in "Notes from Nowhere" macht sich "Pfade durch Utopia" dadurch verdient, dass es ├╝ber die Bestandsaufnahme alternativer Lebenspraxen hinaus die Sehnsucht nach dem Ausbrechen weckt und gleichzeitig verf├╝hrerisch gute Anregungen gibt, es richtig anzustellen. Die Bilder aus den Gemeinschaften, von Mensch, Tier und Natur, von Widerstand und Aktion machen diese Sehnsucht erst recht f├╝hlbar. Utopia zerf├Ąllt, wenn mensch es erreicht? Dieses Buch behauptet das Gegenteil. Utopia ist n├Ąmlich nicht morgen, sondern jetzt.

Isabelle Fremeaux / John Jordan
Pfade durch Utopia. Ein Buch/Film

Originaltitel: Les Sentiers de l┬┤Utopie
Aus dem Franz├Âsischen ├╝bersetzt von Sophia Deeg
Nautilus Verlag, erschienen August 2012
320 Seiten, Klappenbroschur im Querformat. Zweifarbig illustriert mit Fotos und Zeichnungen.
Mit DVD (109 Minuten Film, Format 16:9, franz├Âsische, englische und deutsche Untertitel)
ISBN: 978-3-89401-763-7
25 Euro

www.edition-nautilus.de

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