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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 24.09.2012

Leymah R. Gbowee - Wir sind die Macht
Laura Wösch

Die liberische Friedensnobelpreisträgerin ist die zentrale Figur der Frauenbewegung in Westafrika. In ihrer Autobiografie zeichnet sie ihren langen Weg hin zu Emanzipation und hartnäckigem ...



...Engagement in Frauenpolitik nach.

Vierzehn Jahre lang, von 1989 – 2003, herrschte in Liberia ein Krieg, der sich als Folge innerethnischer Konflikte und einem Machtkampf zwischen Warlords und Rebellen heraus entwickelt hatte, und schließlich in der Schreckensherrschaft von Charles Taylor gipfelte. Leidtragende des grausamen Bürgerkriegs waren vor allem Frauen und Kinder, die von der jeweiligen Gegenseite systematisch vergewaltigt oder als Rebell_innen rekrutiert und instrumentalisiert wurden. Frauen waren aber auch diejenigen, die durch gewaltfreie Proteste einen Friedensprozess im Land einleiteten.

Der Weg dorthin dauerte jedoch lange. Leymah Gbowee ist Kpellé, gehört also einer Ethnie an, die im Gegensatz zu den "Ameriko-Liberianer_innen" keine staatlichen Privilegien genießt. Dennoch ermöglichen ihr ihre Eltern eine Schulausbildung, mit deren Abschluss Gbowee ihre Autobiografie beginnt. Sie erzählt von einem Gefühl des Stolzes, der sie selbst und ihre Eltern erfüllte: "Die Welt gehörte mir". so der Titel ihres ersten Kapitels. Zur selben Zeit, als Leymahs Kindheit zu seinem Ende findet, beginnen sich die Unruhen im Land auszubreiten. Der darauf folgende Bürgerkrieg stürzt Liberia, trotz seines Ressourcen-Reichtums, in den wirtschaftlichen Ruin und führt die Bewohner_innen des Landes durch eine menschliche Hölle, in der Gemetzel und Vergewaltigung an der Tagesordnung stehen. Leymah Gbowees Traum, einmal Kinderärztin zu werden, muss einem Albtraum weichen, in dem sie permanenter Bedrohung durch Soldaten und Rebellen ausgesetzt ist. Als Folge dieser Situation findet sie sich schließlich in einem Flüchtlingslager in Ghana und einer gewalttätigen Beziehung wieder. Statt einer Ausbildung nachzugehen, bringt sie vier Kinder zur Welt und verliert unter der Machtausübung ihres Mannes ihr Selbstvertrauen und versinkt in Depressionen. Aus Sehnsucht nach ihrer Heimat und Familie kehrt sie schließlich in die Hauptstadt Monrovia zurück, ein zerrüttetes Krisengebiet, in dem die Menschen traumatisiert oder nicht mehr am Leben sind.

Mit Unterstützung ihrer Schwester Geneva beginnt Leymah Gbowee schließlich eine Ausbildung, die sie aus ihrer gewaltverkrusteten Beziehung herausholen und in die Zukunft führen wird. Zunächst widmet sie sich im Zuge ihrer Ausbildung als Sozialarbeiterin der Traumabehandlung von Frauen und Kindern. "Erst, wenn die Wunde wirklich gesäubert ist, kann der Heilungsprozess starten", sagt sie in einem Interview der taz gegenüber. Man müsse immer wieder das Gespräch mit den Menschen suchen, um ihnen die Ursachen des Krieges und die Voraussetzungen für den Frieden zu erklären.

Kurz nach seiner Gründung wird Leymah Gbowee Koordinatorin des Netzwerks WIPNET (Women in Peacebuilding Network), einer Initiative, die Frauen in die Friedensarbeit und politische Entscheidungsprozesse miteinbeziehen möchte. In Weiterbildungsseminaren werden Frauen in Westafrika in Konfliktarbeit ausgebildet, um sie als politische Akteurinnen und Entscheidungsträgerinnen sichtbar zu machen. Nachdem die Gewaltherrschaft von Charles Taylor kein Ende nehmen will, initiiert WIPNET einen ausschließlich von Frauen angeführten friedlichen und gewaltfreien Protest, bei dem sie in weiße Gewänder gehüllt wochenlang ein Feld okkupieren und ihren Ehemännern den Geschlechtsverkehr verweigern. Sie leiten damit die Friedensprozesse in Liberia ein. Um die Organisation autonom von Frauen verwalten zu können, gründet Leymah R. Gbowee schließlich das Netzwerk WIPSEN (Women in Peace Security Network) und kämpft weiterhin für Bildung und Arbeit, eine höhere Wahlbeteiligung und Sichtbarkeit von Frauen in Politik und Gesellschaft. Der Prozess ist noch lange nicht beendet.

"Leymah R. Gbowee führte Liberia aus der Dunkelheit heraus." (Ellen Johnson Sirleaf, Präsidentin von Liberia)

AVIVA-Tipp: Die Friedensnobelpreisträgerin Leymah R. Gbowee beschreibt in "Wir sind die Macht" teils behutsam zurückhaltend, teils schonungslos ehrlich ihren Lebensweg, der mit der Geschichte des krisengeschüttelten Landes Liberia untrennbar verbunden ist. Mutig und offen gewährt sie Einblick in ihren eigenen Bewusstwerdungsprozess, der einer des ganzen Landes werden sollte.

Wir sind die Macht
Autobiografie der Friedensnobelpreisträgerin Leymah R. Gbowee
Unter Mitarbeit von Carol Mithers
Originaltitel: Mighty Be Our Powers
Aus dem Amerikanischen von Susanne Held
Klett-Cotta Verlag, erschienen 24. August 2012
319 Seiten
21,95 Euro
ISBN: 978-3-608-94739-7

1,- Euro pro Buch geht an die Friedensorganisation "Women in Peace and Security Network Africa" (WIPSEN-Africa).


Mehr Infos unter: www.klett-cotta.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Drei Frauen erhalten den Friedensnobelpreis 2011

25. Forum Globale Fragen am 23. März 2010 - Frauen als Akteure in Friedensprozessen - 10 Jahre VN-Sicherheitsresolution 1325

Frauen und Kriege in Afrika - Ein Beitrag zur Gender-Forschung

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Peace Women - Frauen mit dem Friedensnobelpreis, von Angelika U. Reuter und Anne Rüffer.

1000 Frauen für den Friedensnobelpreis, eine Initiative mit dem Ziel, weltweit auf die verschiedenartige Friedensarbeit von Frauen aufmerksam zu machen.

Female Leadership. Die Macht der Frauen. Von den Erfolgreichsten der Welt lernen

Literatur Beitrag vom 24.09.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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