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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 27.09.2012

Keri Smith - Mach Mist. Kleines Handbuch für großes Chaos
Ingeborg Morawetz

Kunst muss nicht meisterInnenhaft sein und das Leben nicht perfekt. Für dieses Buch sollte mensch neben Zeit und Muse auch Eier, Tinte und Kakao bereithalten. Eine Anregung zur Unrdnung in Lektüre...



... und Alltag.

In der deutschen Sprache existiert für das Gegenteil von "perfekt" kein Wort. "Imperfekt" ist eine Zeitform, "unperfekt" schlichtweg falsch. Insofern kann dieses Buch kaum einen anderen Ursprung als den des englischsprachigen Raumes haben. Nordamerika, der Kontinent, der Jackson Pollock hervorbrachte und auf den sich Max Ernst zurückzog, ist Lebens- und Wirkungsort von Keri Smith. Mit diesen KünstlerInnen des Zufalls im Hinterkopf verlangt das in Smith´s Büchern aufgestellte Programm den Mut dazu, "imperfect" zu sein.

In ihrer Neuerscheinung "Mach Mist!" konstatiert Smith den Willen zur Unvollkommenheit und den Spaß am Prozess als das, worauf es in der Kunst ebenso wie im Leben ankommt. "Weg vom Ergebnis, hin zur Aktion" lautet ihre Anregung.
Und so handelt "Mach Mist!" vom Fallenlassen und Kopf-Frei-Machen, vom Schaffen ohne zu viel zu denken oder, und das wäre Keri Smith wohl am liebsten, ohne überhaupt zu denken.

Im Vorwort erklärt sie den Sinn des Buches darin, den LeserInnen die Gelegenheit zu geben, an Situationen teilzuhaben, in denen mensch nur beschränkte Kontrolle hat, in Regionen vorzustoßen, in die sie/er normalerweise nicht kommt. "Mach Mist!" soll der Versuch sein, sich von den vernünftigen Erwartungen des Alltags zu lösen und Dinge zu tun, die im ersten Augenblick bedeutungslos und unsinnig erscheinen. Für Smith´s Ansprüche wäre es zu wenig, wenn die LeserInnen erst nach dem Schließen des Buches wüssten, wie sie sich in die Freude am Scheitern und den Erfolg des Ungewissen stürzen könnten. Statt dessen werden sie bereits nach den ersten Seiten unvermittelt in das Geschehen - den Prozess - hineingestoßen, das mit einem Zitat von R. Buckminster Fuller eröffnet wird:

"Es gibt keine gescheiterten Experimente, sondern nur Experimente mit unerwartetem Ergebnis."

Der Hauptteil des Buches besteht aus beinahe leere Doppelseiten, auf denen kurze Anweisungen zum Malen, Zeichnen, Kleben, Knüllen, Beschmutzen, Zerknittern auffordern. Bei vielen wird nicht mehr als das Buch an sich benötigt, bei anderen muss ein Stift hinzugenommen werden, weitere sollen sich sogar in die Umgebung der LeserInnen einfügen. Eine Aufgabe fordert sogar ausdrücklich dazu auf, die zugehörigen freien Seiten während eines Abendessen mit FreundInnen zu gestalten.
Nach einer Steigerung in der Abstrusität der Ideen sucht mensch aber vergeblich, relativ wahllos folgen sie aufeinander und haben meist nur miteinander gemein, dass sie Willkür und Planung verweigern.

Gespickt ist der interaktive Part des Buches mit Notizen zum "Weiterforschen", in denen in Stichworten KünstlerInnen, Techniken, Bewegungen und Vereinigungen genannt werden. Sie machen auf Menschen und Projekte aufmerksam, die mit der von Keri Smith propagierten Art des künstlerischen Prozesses arbeiten und im weiteren Umgang mit dem Thema interessieren können.

Dieses Buch nach dem einfachen Lesen zu beurteilen entspräche all dem, was Keri Smith vermeiden möchte. Eine solche Wertung wäre durchdacht, überlegt, konstruiert und versucht objektiv. Es scheint naiv und ein wenig zu simpel, dass Spielereien mit Dreck, Farbe und Lebensmitteln, kindliches Sonnenmalen oder Stöckesuchen den Weg für spontane Kreativität bereiten sollen. Buntes geschmolzenes Wachs sieht sicherlich sehr schön aus, und schon Rorschach wusste, dass in Tintenklecksen Welten zu entdecken sind. Teilweise wirken die Aufgaben zu offensichtlich ungewöhnlich, um einen Effekt haben zu können, aber gerade das macht sie reizvoll.

Es bleibt die Neugierde, ob nicht eben doch Unerwartetes geschehen wird, oder darauf wie es sich anfühlen mag, nach der Bearbeitung aller Seiten ein "Gesamtwerk" in Händen zu halten.

Die Frage, ob mehr dahinter steckt und Keri Smith´s Plan des Ungeplanten in der Tradition der Écriture automatique der Surrealisten aufgeht kann wohl nur beantwortet werden, wenn mensch sich Papier und Hände schmutzig macht.

AVIVA-Tipp: Probieren geht über Studieren. Bereits beim Lesen beginnen die Gedanken zu schweifen und sich Ideen zu entwickeln. Wenn die Ausführung der Aufgaben auch keinen neuen Zugang zur Kunst gewähren sollte, so macht sie mit Garantie Spaß und mensch lernt viele interessante KünstlerInnen und Kunstrichtungen kennen.

Zur Autorin: Keri Smith lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern als Künstlerin und freie Autorin in Vancouver, wo sie auch an der Emily Carr University of Art & Design unterrichtet. In den letzten Jahren hat sie mehrere Bücher publiziert, die sich auf erfrischende Weise dem Thema Kreativität widmen: "Wie man sich die Welt erlebt", "Das ist mehr als ein Buch" und "Mach dieses Buch fertig".

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.kerismith.com

Keri Smith
Mach Mist! Kleines Handbuch für großes Chaos

Originaltitel: MESS. The Manual of Accidents and Mistakes.
Übersetzerin: Heike Bräutigam
Kunstmann Verlag, erschienen Februar 2012
Broschiert, 192 Seiten
ISBN- 13: 978-3888977619
9,95,- Euro
www.kunstmann.de


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Tohuwabohu – Die Kinder-Uni erklärt Ordnung und Chaos

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Literatur Beitrag vom 27.09.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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