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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 05.11.2012

Ayman Sikseck - Reise nach Jerusalem
Judith Kessler

Der Autor, 1984 in Jaffa geboren, ist Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft. Er hat an der Hebräischen Universität in Jerusalem studiert und war Autor der Kolumne "Jaffa-Tel Aviv" ...



... der Tageszeitung "Haaretz".

Ein Gullydeckel in Jaffa


In seinem ersten Roman lässt er seinen Helden – wie er selbst ein junger arabischer Student aus Jaffa – über seinen Alltag und seine Perspektive(n) erzählen. Das tut Sikseck ruhig, unaufgeregt und mit Blick für Details, Details, die uns vielleicht nie auffallen würden. Die Beschriftung eines Gullydeckels "Palestine Fund" aus der Mandatszeit, die demütigenden Blicke von Businsassen, die Rituale eines Volksfestes, die Neubauten, die seinen Geburtsort verändern.

Sickseck, der zu Hause arabisch spricht und liest, seine Texte aber auf Hebräisch schreibt, lässt auch seinen Protagonisten zwischen den Wurzeln seiner Herkunft und den Welten wandern. Andererseits scheinen beide Welten seine Welten zu sein. Er fühlt sich beiden verpflichtet und Heimat wird zu etwas Virtuellem, einer ortsunabhängigen Idee oder einem Konstrukt, das in einem selbst ruht, so man es findet. Autor und Held, mit ihrer nur schwach ausgeprägten Religiösität und einem ambivalenten Begriff von "Nation", deuten Heimat als kulturelles Symbol, dessen man sich aber auch immer wieder neu versichern muss, gerade in Israel. So konnte auch der Autor erst besser Hebräisch als Arabisch, bis er begann sich mit der Sprache und Literatur seines Volkes näher zu befassen.

Die "Reise nach Jerusalem" ist keine schwarz-weiss-malende Fahrt, sondern eher ein Spaziergang durch die komplexe Realität einer Zwischenwelt. Der Held hat zwei Freundinnen, zwischen denen er hin und hergerissen ist – eine arabische, Scharihan, die er nur heimlich treffen kann, solange er nicht bei ihrem Vater um ihre Hand anhält, und eine jüdische, die Soldatin Nitzan, die ihn vor ihren Mitsoldaten verteidigt. Er hat eine Schwester, Samaher, die viele Träume hatte und vor einer Ehe unbedingt erst fertig studieren wollte, aber nun nach dem Willen des Vaters eine arrangierte Ehe eingehen muss, ein Umstand, unter dem der Ich-Erzähler mindestens genauso zu leiden scheint wie seine Schwester.

Es sind Kleinigkeiten, Mosaiksteinchen, die Identität, Existenz ausmachen oder bedrohen: der Chanukkakrapfen der anderen, das abgerissene Elternhaus seiner Mutter, das Stipendium seiner arabischen Freundin, das nach einem Pionier des jüdischen Siedlungswerkes benannt ist…
Durch seine besonnene, humorige Erzählweise, die ohne Schuldzuweisungen auskommt, gelingt es Sikseck, auch jüdische Israelis für die Problematik der verlorenen Heimat in der palästinensischen Gesellschaft zu sensibilisieren. Der Erfolg seines Romanes in Israel gibt ihm Recht. Sikseck sieht in einem binationalen Staat, der israelisch und palästinensisch, jüdisch und islamisch ist, die einzige Lösung, sagt er einem Interview, denn weder die eine noch die andere Seite ist das einzige Volk im Land – so ist nun mal die Realität.


Ayman Sikseck
Reise nach Jerusalem

Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama
Arche Literaturverlag, erschienen 2012
Gebunden, 160 S.
18,- Euro


Dieser Artikel von Judith Kessler ist unter dem Titel "Ein Gullydeckel in Jaffa" in der Zeitschrift Jüdisches Berlin Nr.148 im November 2012 erschienen und wurde AVIVA-Berlin von der Autorin freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Literatur Beitrag vom 05.11.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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