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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 30.01.2013

Etel Adnan - Jahreszeiten. Schrift und Bilder
Evelyn Gaida

"Der Geist vagabundiert mit der Jahreszeit, wird zum Meer." Im Leben und Werk der libanesisch-amerikanischen Dichterin und Malerin, 1925 in Beirut geboren, fließen Kulturen und Sprachen ineinander..



Adnans Prosagedichte verbinden philosophische Komplexität und bildintensive Sinnlichkeit zu einer magnetischen Wortkonzentration in klarer, gleichmäßiger Sprache. Die Dichterin lässt Wörter miteinander korrespondieren wie Farben. In den eingefügten Faksimiles einiger handgeschriebener Texte ist das buchstäblich der Fall. Sie enthalten geometrische Bildelemente in tiefroter und schwarzer Tusche, um die sich das Geschriebene schlängelt. In dieser Kombination tritt es selbst als zeichnerische Form ins Bewusstsein, als gewundene Linien, Striche und Punkte, die (Schrift-)Zeichen sind und Sprache, in schwarze Tinte übertragene Gedanken, Bilder und Dinge.

"Identität ist multipel", sagt die Künstlerin in dem faszinierenden Gespräch mit ihrer Übersetzerin Klaudia Ruschkowski, das im Buch auf die Gedichte folgt. Adnan, die Tochter einer christlichen Griechin aus Smyrna und eines muslimischen Offiziers aus Syrien, wuchs im Libanon auf, sprach griechisch und türkisch mit ihren Eltern und ging auf französische Schulen. Sie studierte Philosophie an der Sorbonne in Paris und an den Universitäten Berkeley und Harvard in den USA, bevor sie das Fach an einem kalifornischen College unterrichtete. Adnan veröffentlicht seit den 60er-Jahren Prosa, Lyrik, Essays, schreibt für das Theater und arbeitet als Malerin und Grafikerin, deren Bilder bei der Documenta 13 ausgestellt waren. Anfang der 60er-Jahre hatte sie sich aufgrund des Algerienkriegs für längere Zeit vom Schreiben in französischer Sprache abgewandt und die abstrakte Malerei als poetisches Äquivalent und unmittelbares Ausdrucksmedium entdeckt.

1972 ging Adnan zurück nach Beirut, wo sie für das Kulturressort der neugegründeten französischsprachigen Zeitung "Al Safa" verantwortlich war und für ihre unbestechlich bissigen Kolumnen und Kommentare zur Politik bekannt wurde. Nach Ausbruch des Krieges verließ Adnan 1976 den Libanon und schrieb in Paris den Roman "Sitt Marie Rose", der zum vielfach übersetzten Klassiker der Kriegs- und modernen arabischen Literatur wurde. 2012 erschien neben "Jahreszeiten" ihr bereits 1980 entstandener Gedichtzyklus "Arabische Apokalypse" in deutscher Sprache.

Sie habe immer sehr politische Dichtung geschrieben, in den letzten Jahren jedoch versucht, "das Bewusstsein zu erfassen, also genau in dem Moment über den Geist, den Verstand zu schreiben, in dem er arbeitet." Dichten beschreibt Adnan als "emotionales Nachdenken", einen gesteigerten Moment der Doppelung, des In-sich-Versinkens und der gleichzeitigen Selbstkontrolle. So sind Adnans "Jahreszeiten" geprägt von Überschneidungen, von Dekonstruktion und Neukombination, von Momentaufnahmen und beobachtender Schlussfolgerung, Gleichzeitigkeit im Unvereinbaren, Widersprüchlichen, dem Wechsel-, Wider- und Zusammenspiel von Geist, Seele und Körper. Als könne die Leserin dabei zuschauen, wie Dichtung ihrer ureigensten Dynamik nachgeht: vordergründige Zusammenhänge zerlegt und Teile zu etwas verknüpft, das vorher unsichtbar war. "Unsichtbare Gleichungen regnen herab, den Vögeln graut vor diesem Unwetter. Die Küste ist ein offenes Gestade", heißt es bei Adnan, oder "Gedanken entspringen dem Untergrund, von dort bringen sie ein wenig Schlamm zum Gehirn. Mit Schmutz an den Stiefeln denken wir an bewölkte Transparenzen."

Insbesondere im Zusammenwirken mit dem angeschlossenen Gespräch entsteht eine Art Schule der Wahrnehmung. Während ihrer Kindheit im Libanon habe es kaum Spielzeug und keinen Fernseher gegeben, erzählt die Schriftstellerin, so dass die Phänomene der Umwelt, ein Schatten an der Wand, eine Wolke am Himmel, für Adnan zum Ereignis wurden. "Zwei Granatäpfel auf dem Fensterbrett beseligen den Tag," schreibt sie in einem der Gedichte. Die einfachsten und selbstverständlichsten Dinge seien bei näherem, bewusstem Hinsehen ein Mysterium.

"Ich halte das Wetter für ein höchst poetisches Element. Wir schwimmen im Wetter, Wetter ist die Luft die uns umgibt. Wir befinden uns im Wetter, als wären wir mitten in einem See, genauso wie ein Fisch im Wasser. Wie ein Flugzeug oder ein Vogel in der Luft." Die Natur und Außenwelt in ihrer unendlich wechselnden Gestalt werden bei Adnan zum bildschöpfenden geistig und sinnlich erlebten Wahrnehmungsraum, in dem spirituelles und konkretes Sehen, Denken und Empfinden, Vorstellung und Gegenständlichkeit, Innen und Außen eine widersprüchliche Gesamtheit bilden. Dazu gehören auch die einstürmenden Folgen politischer Entscheidungen: "Das Hirn denkt in völliger Dunkelheit. Für das Herz liegen die Dinge anders. Es blutet auf schmutzigem Boden, weit weg von hier. Der Opferplatz hat einen Namen: Irak, dies Ding, das die Händler des Todes in Killing Fields verwandelt haben."

AVIVA-Tipp: Etel Adnans Denken ist frei. In "Jahrszeiten" schickt sie ihre Gedanken auf die Reise mit dem Wind, den Wolken, der Hitze, dem Licht, den Nachrichten, dem Werden und Vergehen des Lebens und bleibt dabei ganz bei sich selbst. "Die Klippe dort ist Sprungbrett für die Poesie. Wörter werden aufgebrochen, stückweise wiederverwendet", schließen Innen- und Außenwelt zum Wort-, Wahrnehmungs- und Reflexionsprisma zusammen und machen sie als solches sichtbar.

Zur Autorin: Etel Adnan, Tochter einer christlichen griechischen Mutter und eines muslimischen syrischen Vaters, wurde 1925 in Beirut geboren. Sie wuchs in einer vorwiegend arabischen Gesellschaft auf, wurde aber in einer französischen Schule erzogen. Mit 24 Jahren ging sie nach Paris, wo sie an der Sorbonne ihren Abschluss in Philosophie machte. Anschließend setzte sie ihre Studien in den USA fort, an der University of California, Berkeley, und an der Harvard University. Über viele Jahre unterrichtete sie "Philosophy of Art" an der Dominican University of California in San Rafael. Seit den sechziger Jahren veröffentlicht Etel Adnan Gedichte, Prosa, Essays und Theatertexte in englischer und französischer Sprache, präsentiert ihre Bilder, Zeichnungen und Künstlerbücher in Ausstellungen. Sie lebt in Paris, in Sausalito Ca., in Beirut und auf der griechischen Insel Skopelos.

Das Al-Madina Theater im Herzen Beiruts hat die Dichterin, Schriftstellerin und Malerin Etel Adnan 2010 in einer großen Hommage gefeiert. Zum Abschluss riefen die Direktorin des Al-Madina Theaters, Nidal Al Achkar, und die Direktorin des Riksteatern Stockholm, Birgitta Englin, den "Etel Adnan Award for Female Playwrights in the Arab World" ins Leben, dotiert mit 5000 Euro für das beste Stück, das dann sowohl in Beirut wie in Stockholm aufgeführt wird.
Für ihr Verdienst um die arabische Welt wurde Etel Adnan vom libanesischen Präsidenten Michel Slaiman mit dem Staatspreis ausgezeichnet. (Quelle: Edition Nautilus Verlag)
Mehr Infos unter: www.eteladnan.com

Etel Adnan
Jahreszeiten. Schrift und Bilder

Originaltitel: Seasons
Aus dem Englischen übersetzt von Klaudia Ruschkowski
Edition Nautilus Verlag, erschienen: Mai 2012
Gebunden mit Schutzumschlag, 128 Seiten
ISBN 978-3-89401-753-8
22,00 Euro

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.edition-nautilus.de



Literatur Beitrag vom 30.01.2013 Evelyn Gaida 

   




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