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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.02.2013

Randi Crott und Lillian Crott Berthung - Erzähl es niemandem
Britta Meyer

Ihre Mutter Lillian ist Norwegerin, ihr Vater Helmut ist Deutscher, kennen gelernt haben die beiden sich während des Krieges, soviel wusste Randi Crott schon immer. Kurz vor ihrem achtzehnten...



... Geburtstag jedoch vertraut Lillian ihrer Tochter das streng gehütete Familiengeheimnis an – der Wehrmachtssoldat Crott hatte eine jüdische Mutter.

Gesprochen wurde nie über seine jüdischen Wurzeln – auch all die Jahrzehnte nach dem Kriegsende nicht. Erst Jahre nach seinem Tod erzählt Lillian was damals geschah. Randi, inzwischen eine erfolgreiche Journalistin, macht sich in Archiven, alten Tagebüchern und bei ZeitzeugInnen auf die Suche nach der Vergangenheit und rekonstruiert eine unglaubliche Geschichte der Beziehung zweier Menschen gegen den Rest der Welt.

Harstadt, Nordnorwegen 1942: Lillian Berthung, ihre Familie und ihre NachbarInnen leben unter deutscher Besatzung und arrangieren sich, so gut sie können – trotz Bombardierungen und Lebensmittelknappheit. Lillians Bruder ist eingezogen worden und trotz aller Bemühungen ihrer Eltern wird es schwerer und schwerer, sie und ihre jüngeren Geschwister zu ernähren.

Anweisung von oben: "Wenig befehlen, nicht anschreien!"

Die Wehrmacht hat strikten Befehl, der Bevölkerung zurückhaltend zu begegnen und so bringt mensch ihnen von norwegischer Seite eine zähneknirschende Unterordnung entgegen. Als Lillians Vater aber aus Höflichkeit zwei deutsche Soldaten zu sich nach Hause einlädt ("Bitte kommen Sie in Zivil"), ist dies bereits ein ungewöhnliches Entgegenkommen. Einer der beiden ist der junge Jurist und Obergefreite Crott, freundlich, zurückhaltend und, was niemand weiß, nach den neuen Gesetzen aus Nürnberg ein "Halbjude". Als er und Lillian sich ineinander verlieben sind ihre Eltern empört und besorgt – es kursieren schlimme Geschichten darüber, was mit Mädchen passiert, die sich mit Deutschen einlassen.

Helmut, der gegen den wachsenden Druck der immer stärker linientreuen Universitätsbürokratie in Deutschland Jura studiert hat und sich den zunehmenden Demütigungen, Diskriminierungen und Anfeindungen der Nazis ausgesetzt sieht, ist weit weg von zu Hause in der Wehrmacht untergetaucht und landet gerade in der Schreibtischposition, von der aus Angaben über den "rassischen" Hintergrund der einzelnen Soldaten nach Deutschland geschickt werden – wenn sie der zuständige Beamte nicht zurückhält und verloren gehen lässt...

"So seltsam es klingen mag: Ich lebe noch, weil ich in der Wehrmacht bin."

Erst, als Lillians jüdische NachbarInnen von Soldaten verschleppt werden und sie Helmut wütend zur Rede stellt, vertraut er sich ihr an und nimmt ihr das Versprechen ab, niemandem, nicht einmal ihrer Familie, etwas zu verraten. Die Briefe seiner Eltern sprechen derweil immer mehr von Schrecken und antisemitischen Repressalien:

"Seit einem halben Jahr muss meine Mutter diesen gelben Stern am Mantel tragen, wenn sie das Haus verlassen will. Der Stern muss gut sichtbar sein. Sie hat ihn sich allerdings auf die Innenseite des Kragens genäht. Das hat sie einfach so getan, die halbe Portion."

Während er sich gerade Hals über Kopf in Lillian verliebt, wird derweil seine Tante Henriette nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet. Seine Mutter Carola, die "halbe Portion", wie Helmut sie liebevoll nennt, rettet vorerst nur ihre Ehe mit dem Nichtjuden Heinz, bevor schließlich auch sie ins KZ gebracht wird. Sie überlebt. Als Helmut aus Norwegen abberufen wird, bekommt auch Lillian zunehmend den Hass und die Verachtung zu spüren, mit denen ihre Landsleute Frauen behandeln, die sich mit deutschen Männern abgegeben haben...

Eingefasst in ein Gerüst aus offiziellen Dokumenten und persönlichen Briefen folgt Randi Crott bei der Rekonstruktion ihrer Familiengeschichte parallel den Spuren ihres Vaters nach Norwegen, denen ihrer Großmutter nach Theresienstadt und schließlich der einsamen Reise ihrer Mutter ins zerbombte Deutschland – durch alle Widerstände hindurch.

Zu den Autorinnen:

Randi Crott
, geboren 1951 in Wuppertal, studierte Germanistik und Politische Wissenschaft in Freiburg und Bonn und absolvierte ihr Volontariat beim General-Anzeiger in Bonn. Anschließend wechselte sie zum WDR, wo sie seitdem als Redakteurin, Reporterin und Moderatorin arbeitet und unter anderem das "Mittagsmagazin", "Montalk", "Neugier genügt" und die "ARD Hörbuchnacht" moderierte. Als TV-Moderatorin war sie bereits in der "Aktuellen Stunde", in "1000 Hertz," dem "ARD-Morgenmagazin", dem Mausclub und "3 nach 9" bei "Radio Bremen" zu sehen. Seit Frühjahr 2010 gehört sie zum Team der "Funkhausgespräche" auf WDR 5.

Lillian Crott Berthung, geboren 1922 in Harstad, lebt seit 1947 in Deutschland, wo sie auch als Übersetzerin und Dolmetscherin gearbeitet hat. 1989 veröffentlichte sie den Gedichtband "Det var en gang et lite sted" (Es war einmal eine kleine Stadt). Für die Tageszeitung Harstad Tidende schreibt sie Erzählungen.
(Quelle: Verlagsinformationen)

AVIVA-Tipp: Zwischen den 1940ern und den Jahren seit 2009 wechselnd sind es mal Crott selbst, mal ihre Eltern, die durch die Geschichte führen. Alte Briefe, Postkarten und verblasste Fotografien aus dem Nachlass ihres Vaters geben Stück für Stück eine Identität preis, über die er nicht einmal mit seinem Kind sprechen konnte. Lillian und Helmut haben es gemeinsam durch den Krieg geschafft, aber das Schweigen ist bei ihnen geblieben. Bis jetzt.

Lillian Crott Berthung, Randi Crott
Erzähl es niemandem! Die Liebesgeschichte meiner Eltern

280 Seiten, Hardcover
19,99 Euro
Dumont Verlag, erschienen 16.02.2012
ISBN 978-3-8321-9640-0

Lillian Crott Berthung, Randi Crott
Erzähl es niemandem! Die Liebesgeschichte meiner Eltern

Dumont Verlag, als Taschenbuch erhältlich ab Mai 2013
288 Seiten
9,99,- Euro
www.dumont-buchverlag.de


Weitere Informationen finden Sie unter:

Lillian Crott Berthung: "Die Befreiung in Norwegen - Tage der Rache" (Süddeutsche, 11.05.2010)

Interview mit Randi Crott zu "Erzähl es niemandem!" (ARTE, 24.03.2012)

Randi Crott im Team des WDR 5

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Ich war Hitlerjunge Salomon. Von Sally Perel

Klassentreffen - Spotkanie Klasowe

Interview mit der niederländischen Künstlerin Maria Es über "Women in War", (2007)



Literatur Beitrag vom 08.02.2013 Britta Meyer 

   




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