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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 23.05.2013

Sabine von Breunig - Geisterstadt. Sperrzone Wünsdorf
Britta Meyer

Einsam, verfallen und von leicht gespenstischer Schönheit sind sie, die Gebäude des ehemaligen Hauptquartiers der Sowjetischen Streitkräfte, die seit 1994 leer stehen. Das frühere Militärgebiet...



... bleibt seit dem Abzug der Sowjetischen Streitkräfte 1994 ungenutzt, ein der Öffentlichkeit unzugängliches, langsam in sich zusammen fallendes Areal voller Geschichte.

Die auf Architektur spezialisierte Fotografin hat die etwas unheimliche Atmosphäre der einzelnen Gebäude mit ihrer Kamera eingefangen – durch ihre Bilder gleiten die Schatten von vergangener Geschäftigkeit und der Wiederhall früheren Prunks, jetzt unter Staub und Schotter vergraben. Über 80 Jahre lang war die 590 Hektar große Militärstadt ein bewohnter, belebter und bearbeiteter Ort. Jetzt sind das Sicherheitspersonal und gelegentliche heimliche BesucherInnen die einzigen Menschen, die diese Wände betrachten (und manchmal bemalen).

Unter Wilhelm II. wurde mit dem Bau von Wünsdorf begonnen, es entstanden Kasernen und Verwaltungsgebäude, die noch während der Weimarer Republik in Betrieb waren, während der Naziherrschaft lag hier das Oberkommando der Wehrmacht, wo SS-Schergen gedrillt wurden. Der Fernmeldebunker wurde von der deutschen Reichspost Mitte der 1930er Jahre gebaut und war während des Krieges der zentrale Fernmeldeknoten im System der Wehrmacht. Die schnelle Besetzung 1945 führte dazu, dass die Räumlichkeiten fast unzerstört in die Hände der Roten Armee fielen. Nach dem Krieg bezogen Sowjetische Truppen die Gebäude und bauten sie seit 1951 zum Hauptquartier der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland aus.

Sabine von Breunig hat sich dort zwei Jahre lang systematisch durch diese Gemäuer hindurch fotografiert, die themengebend auch die einzelnen Kapitel des Bandes bilden und damit jedem Komplex seinen eigenen Raum mit seiner besonderen Stimmung lassen. Es entstanden Bilder von schweigenden Kantinen, der Schießschule, von Bunkern und vier ehemals prachtvollen Turnhallen, einem leeren Hallenbad und Werkstätten, einer Bibliothek und einer Balletthalle, von brach liegenden Verwaltungsgebäuden und einer Schule für die Kinder der SoldatInnen - fast 1.000 große und kleine, bedeutende und nebensächliche Gebäude, in denen zeitweise über 60.000 Menschen lebten und arbeiteten. Nur einige der zu vielen Orte konnte von Breunig festhalten, dabei aber die Gesamtstimmung einer Geisterstadt, in der sich die Architekturen verschiedenster Zeiten auf engem Raum mischen, deutlich einfangen.

In ihren Fotos sprechen zugenagelte Fenster, verfallende Fußböden und aus den Angeln hängende Türen zwar vom Verfall und der Einsamkeit der Orte, aber die von altem Putz blätternden Wände tragen auch Spuren neueren Lebens, wenn Unbekannte sie mit Blumen bemalt oder kryptische Botschaften (und auch Hakenkreuze) über die Türbögen gekritzelt haben. In unbeleuchteten Kasernengängen warten lange Reihen leerer Kleiderhaken immer noch auf Mäntel, eine einsame Leninbüste wird von saftig-grünem Efeu umwuchert und mitten in einer herunter gekommenen Aula bringt ein leuchtender Sonnenstrahl eine Tür aus fein ziseliertem Gitterwerk zum Funkeln. Die Aufnahmen der großen Räume weichen kaum merklich von perfekter Symmetrie ab, die Mitte des Bildes ist immer um eine Winzigkeit verschoben. Ein subtil beunruhigender Effekt, der die gespenstische Stille dieses Ortes beinahe hörbar macht.

AVIVA-Tipp: Ruhe, wo lange Zeit hektische Betriebsamkeit herrschte und Schweigen, wo einst Propaganda und Hassreden schallten. Lässt mensch von Breunigs Bilder auf sich wirken, strahlen sie eine leise sirrende Stimmung aus, die sich festsetzt und fasziniert.

Zur Autorin: Sabine von Breuning, Hambur/Berlin war von 2009 bis 2011 Meisterschülerin von Arno Fischer und arbeitet bereits seit 2001 als freie Fotografin mit den Schwerpunkten Interieur- und Architekturfotografie. Ihre Bilder erschienen unter anderem in verschiedenen Wohnzeitschriften und in der Brigitte. 2010 veröffentlichte sie gemeinsam mit Martina Fuchs "Frauen und ihre Räume. Die innere Fülle im Außen leben".


Mehr Infos und Kontakt unter: www.sabinevonbreunig.de und "Frauen und ihre Räume" auf den Seiten des AT Verlags



Sabine von Breunig
Geisterstadt. Sperrzone Zossen/Wünsdorf

Mit einem Vorwort von Matthias Flügge
Edition Braus Berlin, erschienen im November 2012
Hardcover, 26 x 21 cm
Etwa 120 Abbildungen
160 Seiten
36,- Euro
ISBN 9783862280438
www.editionbraus.de



Literatur Beitrag vom 23.05.2013 Britta Meyer 

   




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