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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 15.07.2013

Rengha Rodewill - Bautzen II. Dokumentarische Erkundung in Fotos mit Zeitzeugenberichten mit einem Vorwort von Gesine Schwan
Rotsch, Adler

Gefangenschaft und Grausamkeit, Macht und Ohnmacht. Fotografien und Berichte von ZeitzeugInnen im Bildband erzählen von der brutalen Realität des ehemaligen Stasi-Gefängnisses. Die Fotografin …



... will damit gegen ein Vergessen dieses Ortes ankämpfen.

Gitter, Stahltüren, kalte Wände: Anfang des 20. Jahrhunderts wurden zwei Gefängnisse errichtet, die in der Zeit des Nationalsozialismus´ und der DDR besonderen Schrecken symbolisierten. Bautzen I, bekannt auch als das "gelbe Elend", der Gefängnisbau aus gelbem Sandstein, und Bautzen II, der sogenannte "Stasi-Knast", der erst als Gerichtsgefängnis genutzt wurde und ab 1956, unter Führung vom Ministerium für Staatssicherheit, als Untersuchungsgefängnis diente. Es handelte sich um Orte der Gewalt und Macht, die unter einem strengen Regime die Inhaftierten unter unmenschlichen Bedingungen gefangen hielten. Rengha Rodewill hielt mit ihrer Kamera das Schrecken von Bautzen fest und erschuf so einen neuen Raum des Erinnerns und Gedenkens.

Als die Fotografin im Jahr 2006 in Potsdam die "Verbotene Stadt" in der Nauener Vorstadt besuchte, war sie beim Anblick des Untersuchungsgefängnisses der sowjetischen Spionageabwehr tief erschüttert. Rengha Rodewill kam eine "grausame Willkür entgegen", sie reiste weiter nach Bautzen II, "um die dort Gequälten vor dem Vergessen zu bewahren". So begann ab dem Besuch in Potsdam eine Spurensuche für die Fotografin, denn "die Schicksale der Inhaftierten, der Anblick der Folterzellen und der abstoßenden Räume, in denen die Menschen unter grausamen Haftbedingungen leben mussten", ließen sie nicht mehr los. Rodewill will mit ihrer Fotodokumentation zur Erinnerungskultur beitragen: "Dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte sollte niemals totgeschwiegen und vergessen werden"

In ihrer Fotodokumentation mit über 150 gestochen scharfen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Türen, Gitterfenstern, Fluren oder Schuhen stellt Rodewill den Kontrast zwischen Herrschaft und Unterdrückung dar. Die Fotografien transportieren die Verlorenheit, die Entmenschlichung und Qual, der die Gefangenen nicht entkommen konnten. Bei den Gefangenen handelte es sich vor allem um politische AktivistInnen: WiderstandskämpferInnen, RegimekritikerInnen, SpionInnen, Westdeutsche oder straffällig gewordene und einfache DDR-BürgerInnen. Die Berichte der ZeitzeugInnen erzählen von nachhaltigen Traumatisierungen, wie Schlafstörungen und die Panik vor geschlossenen Türen Ein Opfer beschreibt, wie sadistisch die BewacherInnen im Gefängnis waren, Razzien in Zellen durchführten, Zimmer der Inhaftierten verwüsteten und die Opfer demütigten:

"Das Entkleiden und die entwürdigende Leibesvisitation, nackt, gebückt und mit gespreizten Beinen auch vor einem Mann, die gespenstische Stille in der engen Zelle, das immer wieder an- und ausgehende Neonlicht und das Auge, das hinter der geschlossenen Zellentür selbst die intimsten Verrichtungen unablässig beobachtete", so schildert eine ehemalige Gefangene ihre Zeit in Bautzen II.

Im Vorwort des Bildbands führt Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und ehemalige Kandidatin für den Posten der Bundespräsidentin, in die Thematik ein: "Bautzen kann auf eine über tausendjährige Geschichte zurückblicken, aber wer heute an die im Osten Sachsens gelegene Stadt denkt, dem fällt unweigerlich das berüchtigte Stasi-Gefängnis Bautzen II ein."

AVIVA-Tipp: Mit "Bautzen II" erschafft Rengha Rodewill eine Erinnerung für die Opfer der Gefangenschaft und bietet auch Raum für kritische Auseinandersetzungen mit der Stasi- und DDR-Zeit. Die Aufnahmen der dunklen Orte und der Gitter, die die Gefangenschaft so greifbar werden lassen, verweisen auf die Unterdrückung und Foltermomente, die Menschen dort durchleben mussten. Die Lesenden werden auf eine Reise geschickt, die tiefe Einblicke in die räumliche Ohnmacht der GefängnisinsassInnen bietet und gleichzeitig die Machtgefälle auf der anderen Seite der Gitterfenster widerspiegelt. Den Rahmen hierfür geben die hinzugefügten Berichte der ZeitzeugInnen und die Grautöne der Aufnahmen, die das trostlose Schicksal der Inhaftierten nochmals unterstreichen.

Zur Fotografin: Rengha Rodewill wurde in Hagen/Westfalen geboren, absolvierte eine Ausbildung im klassischen Ballett und reiste nach ihrem Grafik- und Malereistudium zwecks Studienaufenthalten nach Italien und Spanien. 1978 zog sie von Hagen nach Berlin und arbeitet hier als Fotografin, Malerin und Tänzerin. Seit 1987 betreibt die Künstlerin ein Atelier, das sie 1998 nach Potsdam-Babelsberg verlegte. Das Mitglied des Berufsverbands Bildender Künste Berlin (BBK) hat ihre Werke mehrfach ausgestellt. 1997 erfand sie mit der Kunsthistorikerin Renate Bergerhoff den Begriff des "Dance Painting".
Mehr Infos und Kontakt: www.rengha-rodewill.com

Rengha Rodewill
Bautzen II. Dokumentarische Erkundung in Fotos mit Zeitzeugenberichten und einem Vorwort von Gesine Schwan

Interviews mit ehemaligen Häftlingen und Aufzeichnung: Rita von Wangenheim
Vergangenheits Verlag, erschienen 15. Mai 2013
Hardcover, 176 Seiten, 150 Abbildungen
22,90 Euro
www.vergangenheitsverlag.de


Weitere Informationen unter:

Stiftung Sächsische Gedenkstätten


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"8qm - Tisch - Bett - Stuhl", von Meike Fischer

"Die schlimmsten Gitter sitzen innen. Geschichten aus dem Frauenknast", von Katrin Panier

"Die Schleife an Stalins Bart", ein Erfahrungsbericht von Erika Riemann



Literatur Beitrag vom 15.07.2013 AVIVA-Redaktion 

   




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