Katja von der Bey - Hilla von Rebay. Die Erfinderin des Guggenheim Museums - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild f├╝r das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in gr├Â├čerer Schrift!

TIPP: ├╝ber den Zur├╝ck-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 29.07.2013

Katja von der Bey - Hilla von Rebay. Die Erfinderin des Guggenheim Museums
Judith Wolff

Der Ausstellungsort in New York ist ein Symbol der modernen Kunst. Dagegen ist die Frau, die ma├čgeblich zur Entstehung der Sammlung Guggenheims und zur Idee eines "Tempels f├╝r die Kunst" ...



... beigetragen hat, weitgehend unbekannt.

Grund genug f├╝r die Kunsthistorikerin Katja von der Bey, nun die K├╝nstlerin, Kunstvermittlerin und der M├Ązenin Hilla von Rebay ausf├╝hrlich vorzustellen. Die fundiert recherchierte Biographie erscheint in der neuen Biographienreihe "Seitenwege der Kunst" des Braus Verlags, die sich K├╝nstlerInnen widmet, denen trotz au├čergew├Âhnlicher Leistungen das gro├če Scheinwerferlicht verwehrt blieb. Von der Autorin erfahren die LeserInnen aus Rebays Leben und Wirken: Ihre Entwicklung von einer gutb├╝rgerlichen h├Âheren Tochter zur Protagonistin der Avantgardeszene und schlie├člich zur einflussreichen Kunstvermittlerin und -sammlerin, von ihren Visionen und einer "unverzeihlichen Mischung", die, nach Ansicht von der Beys, dazu f├╝hrte, dass von Rebay schlie├člich die ├Âffentliche Anerkennung entzogen wurde.

"Ich habe zu viel in mir, um nicht etwas Gro├čes zu erreichen, auch wenn ich nur eine dumme Frau bin."

Ein Paradebeispiel f├╝r eine Tochter h├Âheren Hauses bleibt die am 31. Mai 1890 im damals deutschen Stra├čbourg geborene Hildegard Anna Augusta Elisabeth (Hilla) Rebay von Ehrenwiesen nicht lange. Sie setzt ihren Wunsch, die Malerei zu ihrem Beruf zu machen, gegen elterlichen Widerstand und geltende gesellschaftliche Konventionen durch. Die junge Frau zieht es nach Paris, M├╝nchen, Berlin. Sie kommt in den Genuss einer k├╝nstlerischen Ausbildung ÔÇô einen Genuss, in den nur wenige Frauen zu dieser Zeit kommen. Ihre Begeisterung konzentriert sich auf die Kunst der Avantgarde, auf das Abstrakte und Ungegenst├Ąndliche. Sie kn├╝pft nicht nur Kontakte und Freundschaften ÔÇô so zur sich entwickelnden Dada-Bewegung, zu Chagall und Kandinsky und Bauer, sondern findet in der Losl├Âsung vom Gegenst├Ąndlichen auch ihre weltanschauliche Heimat. Ein k├╝nstlerisches Selbstverst├Ąndnis, das sich gegen den Materialismus der aufkommenden Moderne stellt und das "Geistige", das Intuitive, stark macht.

"Ein gutes St├╝ck Bluff"

Dass K├Ânnen und Talent allein Erfolg bringen, hat Hilla von Rebay f├╝r sich bereits als Illusion enttarnt: "Es ist ein gut St├╝ck Bluff n├Âtig, um den Leuten klar zu machen, was sie an einem haben und dass man sie absolut nicht n├Âtig hat, dann rei├čen sie sich um einen [...]" Diesen "Bluff" beherrscht Rebay und sie passt ihn erfolgreich an ihr wechselndes Umfeld an.

Als Rebay 1928 bei ihrem Besuch in New York Salomon R. Guggenheim kennenlernt, malt sie ein konservatives Portrait von ihm und begeistert dabei den wohlhabenden Rohstoffh├Ąndler f├╝r moderne und abstrakte Kunst ÔÇô mit folgenreichem Effekt. Von Rebays Position zwischen den Welten ÔÇô der Alten und der Neuen, der Avantgarde und der guten Gesellschaft, bew├Ąhrt sich nun als gro├če St├Ąrke. Weil Rebay nirgendwo ganz hingeh├Ârt, so folgert von der Bey, agiert sie in einer "perfekte Rollenbesetzung" als Schnittstelle und Vermittlerin. Im Aufbau der Guggenheim-Sammlung, als Kuratorin der gegr├╝ndeten Guggenheim Stiftung und schlie├člich als Gr├╝ndungsdirektorin des ersten Museums f├╝r die Sammlung Guggenheims hat sie die Z├╝gel fest im Griff.
Katja von der Bey f├╝hrt die LeserInnen in die Welt einer Tausendsasserin: Rebay schreibt und h├Ąlt Vortr├Ąge ├╝ber die abstrakte, von ihr "non-objektiv" genannte Kunst, kauft und verkauft, vermittelt, wirbt und repr├Ąsentiert, sammelt und stellt weiterhin ihr Werk aus - obwohl sie ihr eigenes Schaffen stark zur├╝ckstellt. Dabei findet sie geschickt die passende theoretische Unterf├╝tterung, die das Abstrakte und Ungegenst├Ąndliche vermittelt. Auf diese Weise tr├Ągt Hilla von Rebay ma├čgeblich zur Verbreitung europ├Ąischer ungegenst├Ąndlicher Kunst in den USA und deren kunsttheoretischer Rezeption bei. Nach Kriegsende setzt sich die "Grande Dame der ungegenst├Ąndlichen Kunst" nicht nur materiell f├╝r die darniederliegende Kunstszene in Europa und insbesondere ihrem Heimatland Deutschland ein, ihren "Carepaketen" liegen auch k├╝nstlerische und kunsttheoretische Rund- und Sammelbriefe bei.

"Ein Tempel f├╝r die Kunst" und der Bruch in die Vergessenheit

Kunst, wie sie von Rebay ausstellt und schafft, verlangt ein besonderes Geb├Ąude ÔÇô eines, das nicht als Geb├Ąude funktional ist, sondern sich der Idee und dem Verstehen der Gegenstandlosigkeit ├Âffnet. Mit dem Architekten Frank Llyod Wright entwickelt sich das Projekt einer architektonischen Innovation: Ein rundes Museum, in dem die Kunst in einem spiralf├Ârmigen Aufstieg ohne jedes Treppensteigen erlebt werden kann.

Doch als die Vision des Tempels endlich verwirklicht ist, sind Rebay die Z├╝gel entglitten. Von der Bey interpretiert gerade die gr├Â├čte St├Ąrke Rebays, die sie aufgrund ihrer Au├čenseiterinnenrolle so brillant entwickelte, als "unverzeihlichen Mischung" die in der Nachkriegszeit und mit zunehmenden Alter zum Problem wird. Gegen ihre Person und ihr Lebenswerk, das sie sich mit strategischem Durchsetzungsverm├Âgen erarbeitete, ├Ąu├čert sich ÔÇô besonders nach dem Tod Guggenheims - vermehrt Kritik. Die schillernde und f├╝r viele wohl zu dominante "Baroness" wird zur Persona non grata. Zur Er├Âffnung des spektakul├Ąren Neubaus des Guggenheim Museums 1959 ist die Frau, die so ma├čgeblich zu dem Projekt beigetragen hat, nicht einmal eingeladen. Die Zeugnisse, ihr eigenes k├╝nstlerisches Werk und ihre pers├Ânliche Note in Bezug auf das Guggenheim Museum und dessen Sammlung verwischen in den folgenden Jahren. Erst 2006 ÔÇô lange nach ihrem Tod 1967 - begann, wie von der Bey in ihrem Epilog berichtet, die langsame Rehabilitierung Rebays durch das Guggenheim Museum mit einer Ausstellung zu Rebays Schaffen und ihren eigenen Arbeiten.

Zwischen den Welten

Katja von der Bey, die sich schon als Kunststudentin auf die Spurensuche nach Hilla von Rebay machte, erz├Ąhlt mehr als eine chronologische Lebensgeschichte. Die Autorin entwickelt einen Blick auf Hilla von Rebay, durch den die K├╝nstlerin nicht nur Ausgangspunkt f├╝r eine Schilderung welt- und kunstgeschichtlicher Entwicklungen ist. Von der Bey spricht immer wieder einen Spagat zwischen den Welten an, den Hilla von Rebay wagt und meistert: Zwischen der k├╝nstlerischen Avantgarde und ihrem b├╝rgerlichen Familienumfeld, zwischen der Rolle der freien ausstellenden K├╝nstlerin und der der Kunstkennerin, nicht zuletzt als Protagonistin der Avantgarde und als Auftragsk├╝nstlerin.

Immer wieder arbeitet Katja von der Bey mit gezielt gesetzten Zitaten, die den LeserInnen die Portraitierte n├Ąherbringen. Dabei sieht die Autorin von einer allzu einseitigen Glorifizierung ab und gew├Ąhrt Hilla von Rebay Raum f├╝r das Kokettieren mit einem klischeehaft elit├Ąren und exkludierenden K├╝nstlerInnenbild sowie mit der Idee des Auserw├Ąhltseins. Rebays Wirken wird einerseits als von dem Wunsch nach F├Ârderung und Beistand gepr├Ągt beschrieben, der sie zur wichtigen Unterst├╝tzerin von europ├Ąischen K├╝nstlerInnen nicht nur w├Ąhrend der nationalsozialistischen ├ära werden lie├č. Auf der anderen Seite betont die Autorin auch einen Sendungs-, gar Missionierungsdrang, der mitunter snobistisch anmutet.

Die Rolle der Frau, die einschn├╝renden Konventionen, in denen Weiblichkeit auch in der normkontr├Ąren und exzentrischen Kunstszene definiert wurde und in der Hilla von Rebay ein uneinpassbares Puzzlest├╝ck bleibt, zieht sich als Thema durch die Biographie und zeichnet diese gegen├╝ber den wenigen anderen Beitr├Ągen zu der Person Rebays aus. Verwunderlich ist dies nicht, denn Katja von der Bey ist nicht nur Kunsthistorikerin, sie ist auch Gesch├Ąftsf├╝hrerin der Frauengenossenschaft "WeiberWirtschaft" und setzt sich seit langem aktiv f├╝r die Chancengleichheit f├╝r Frauen in der Wirtschaft ein.
Neben den ausf├╝hrlichen tabellarischen Eckdaten regt auch die Bibliografie zur weiteren Recherche und Vertiefung an. Durch die gelungene Gestaltung des Buches, die mit Reliefstrukturen, Farbgestaltung und gezielter Setzung von Fotografien und Abbildungen der thematisierten Kunst arbeitet, zieht auch dieser tabellarische und bibliografische Anhang die Aufmerksamkeit der LeserInnen auf sich.

Am Ende bleibt aber doch die Frage nach den Ursachen zur├╝ck, die dazu f├╝hrten, dass Hilla von Rebay so schlagartig nach dem Tod Guggenheims in den Hintergrund r├╝ckte. Dass eine zielstrebig-dominante "alte" Frau im Gegensatz zu einer jungen Frau nicht mehr auf die Gunst der ├ľffentlichkeit st├Â├čt, ist wohl nur ein trauriger Erkl├Ąrungsansatz, den die Biografin in den Vordergrund stellt. Gerne w├╝rde die Leserin mehr ├╝ber die Bedeutung der Beziehung zu der Familie Guggenheim und ├╝ber die sich ver├Ąndernde Kunst- und Kulturlandschaft der Nachkriegszeit erfahren, in der Hilla von Rebays St├Ąrke, sich und ihrem Kunstverst├Ąndnis einen Platz zu sichern, nicht mehr griff.

AVIVA-Tipp: Katja von der Bey bietet den LeserInnen nicht nur einen Einstieg in ein spannendes Leben und eine ebenso spannende Zeit, sondern animiert auch zu weiteren Recherchen, f├╝r die diese Biographie zugleich die n├Âtigen Grundlagen bereith├Ąlt.
Zur Autorin: Katja von der Bey studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie in K├Âln und Berlin und promovierte ├╝ber die abstrakte Kunst im Nachkriegsdeutschland. Bereits als Studentin im Jahre 1985 begann sie im Rahmen einer studentischen Arbeitsgruppe mit Nachforschungen zu der damals nahezu vergessenen Hilla von Rebay. Von der Bey ist Gesch├Ąftsf├╝hrerin der Berliner Frauengenossenschaft "WeiberWirtschaft" und Tr├Ągerin des Berliner Frauenpreises 2013.

Katja von der Bey
Hilla von Rebay. Die Erfinderin des Guggenheim Museums

Flexicover mit Pr├Ągung und Leseb├Ąndchen, 110 Seiten, 30 Abbildungen
Edition Braus, erschienen 19. Juli 2013
ISBN 9783862280513
www.editionbraus.de

Diesen Titel k├Ânnen Sie online bestellen bei FEMBooks


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Katja von der Bey erh├Ąlt Berliner Frauenpreis 2013

Gudrun Schury - Ich Weltkind. Gabriele M├╝nter. Die Biographie

Brigitte Salmen - Marianne von Werefkin. Leben f├╝r die Kunst

Kunstsammlerinnen. Peggy Guggenheim bis Ingvild Goetz

Weitere Informationen:

www.guggenheim.org
Hilla von Rebay Webseite ihres Geburtsorts: hilla-rebay.de
Zur Berliner WeiberWirtschaft: www.weiberwirtschaft.de








Literatur Beitrag vom 29.07.2013 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken