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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 25.09.2013

Eshkol Nevo - Neuland
Susann S. Reck

Nach seinen beiden ersten, in Israel angesiedelten Romanen, beleuchtet Eshkol Nevo in seinem neuen Buch die krisenerprobte israelische Gesellschaft aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive.



Neuland wirft vor allem die Frage auf, welche Auswirkungen die nicht enden wollenden kriegerischen Auseinandersetzungen auf die Zivilgesellschaft in Israel haben. Der Roman findet, nur scheinbar widersprüchlich, die Antwort größtenteils in Südamerika.

Südamerika

Anders als die vielen jungen Israelis, die nach ihrem dreijährigen Wehrdienst zumeist durch Asien und eben auch durch Südamerika reisen, sucht der Hauptprotagonist von Neuland, Dori, weder sein inneres Gleichgewicht noch die große Sause nach dem nun zurückliegenden Stress beim Militär. Dori sucht in Südamerika nach seinem Vater.
Meni Peleg, erfolgreicher Unternehmensberater und Held des Yom Kippur Krieges von 1973, ist nach dem Tod seiner Frau von einem Kriegstrauma eingeholt worden und daraufhin nach Ecuador aufgebrochen. Nachdem es über längeren Zeitraum kein Lebenszeichen mehr von ihm gibt, schickt die Familie Dori los um ihn zu finden.

Dem Roman zufolge ist Südamerika ein wunderbarer Kontinent um sich für immer aus dem Staub zu machen. Täglich verschwinden dort TouristInnen - aus den unterschiedlichen Gründen. Alfredo, umworbener Spezialist auf dem Gebiet der Suche der sie, laut eigener Aussage alle wiederfindet, tot oder lebendig, nimmt sich des Falls Meni Peleg an und führt den Sohn tatsächlich auf die richtige Spur. Sie führt über Ecuador, Peru und Bolivien nach Argentinien. Zudem lernt Dori, der seine daheim gebliebene Frau ebenso hoffnungslos wie verzweifelt liebt, Inbar kennen, die ihrerseits in einer Lebenskrise steckt. Über weite Strecken der Handlung bereisen Dori, Alfredo und Inbar auf der Suche nach dem verloren gegangenen Vater den südamerikanischen Kontinent gemeinsam.

Familiärer Zerfall

Eshkol Nevo beschreibt in mehreren, breit angelegten Handlungssträngen eine kriegsmüde israelische Gesellschaft, deren Familien auseinander fallen, weil die Liebe allein sie nicht tragen kann, weil die permanente Kriegsbedrohung sie verändert, verhärtet, weil einzelne Mitglieder das Weite suchen und sich in Weltgegenden niederlassen, die im Augenblick von kriegerischen Auseinandersetzungen verschont bleiben, so auch Inbars Vater in Australien, ihre Mutter in Europa (Deutschland) und Doris Vater in Südamerika. Obwohl es im Roman nicht explizit angesprochen wird, ist die Spaltung der Familien in zwei Lager offensichtlich. Die einen harren in Israel aus, die anderen verlassen das Land.

Altneuland und Neuland

Als Dori seinen Vater schließlich in Argentiniens Provinz La Pampa an einem Ort namens Moises Ville findet, ist, zu seinem Entsetzen, aus dem gestandenen Familienpatriarchen und Strategen ein esoterisch angehauchter Guru geworden. In Anlehnung an Theodor Herzls Schrift Altneuland, ist Meni im Begriff, eine Art Parallelgesellschaft zum fernen Israel aufzubauen, die Raum zu Vision geben soll. Der Grund und Boden von Moises Ville, der einst von Baron Maurice Hirsch als alternative jüdische Heimstatt zu Palästina aufgekauft worden war und bis heute tatsächlich von Juden bewohnt wird, soll, nach Meni Pelegs Plan, zu einer Art Sammelbecken verloren gegangener Hoffnungen und Sehnsüchte werden, zu Neuland.

Dori und Inbar kehren nach Israel zurück, wo sie sogleich an den in Neuland verbliebenen Meni erinnert werden. Eine Rakete zerstört das Haus von Inbars Großmutter. Einst vor den Nationalsozialisten nach Palästina geflohen, gehört sie zu denen, die Israel niemals verlassen würden. Ob die Großmutter ihre Hoffnungen und Träume aufgegeben hat, enthält Eshkol Nevo seinen LeserInnen vor. Von ihrer Tochter, Inbars Mutter, allerdings ist sie enttäuscht. Sie hat den Kontakt zur Tochter abgebrochen, weil sie inzwischen in Deutschland lebt.

Neuland beleuchtet die moderne israelische Gesellschaft, ohne sich auf Israel zu beschränken. Er kreist, so wird es im Roman deutlich, um die Frage danach, was bleibt, wenn sich die Politik eines Landes hauptsächlich über seine Verteidigung definiert, wenn sie nicht genügend Raum für Utopien und Visionen von einem besseren Leben lässt, wenn sie kaum thematisiert, dass die Grenze des Erträglichen, kriegerische Auseinandersetzungen betreffend, für einen Teil der israelischen Bevölkerung längst überschritten ist.

Natürlich erinnert Meni Pelegs Wandlung von einem Strategen zu einem Guru an New Age und trägt dementsprechend naive Züge. Sie propagiert die spirituelle Lösung politischer Konflikte außerhalb Israels, den Rückzug vom innenpolitischen Kampf um Veränderungen. Mit dieser "Lösung" lässt Nevo seine LeserIn - angesichts permanent schwellender Konflikte im Nahen Osten - ratlos, unbefriedigt, ja auch verärgert zurück.
Dennoch erinnert seine Figur daran, dass der Freiraum für visionäres Denken und ein real existierendes Staatsgebilde sich bedingen sollten, und sie provoziert mit der, von Eshkol Nevo nicht beantworteten Frage nach Mut und Verantwortung, und wer dafür steht: die Israelis im Land oder die, die es verlassen.

AVIVA-Tipp Meni Pelegs Gründung von Neuland ist eine toll-kühne Idee, für die es sich lohnt, den Roman zu lesen. Sie regt an, in neue Richtungen zu denken und aus einer ungewöhnlichen Perspektive heraus etwas über Israel zu erfahren. Allerdings holt Eshkol Nevos Erzählweise oft unnötig weit aus, sie ist auf fast ärgerliche Art und Weise erklärend. Insgesamt gesehen ist das Buch mit seinen über 600 Seiten viel zu lang.

Zum Autor: Eshkol Nevo wurde 1971 in Jerusalem geboren. Er arbeitete zunächst als Werbetexter und legte 2004 bereits seinen ersten Roman "Vier Häuser und eine Sehnsucht" vor, welcher monatelang auf der Bestsellerliste stand und mit Golden Book Prize 2005 ausgezeichnet wurde. Eshkol Nevo unterrichtet kreatives Schreiben und Denken an der Bezalel Academy of Art and Design, der Tel Aviv University, dem Sapir College und der Open University of Israel. Sein Roman "Homesick" wurde mit dem "Book Publishers Association Gold Prize" (2005) sowie dem "FFI-Raymond Wallier Prize" im Rahmen der Buchausstellung in Paris (2008) ausgezeichnet. In 2008 erhielt er die Mitgliedschaft der Israel Cultural Excellence Foundation (IcExcellence), eine der größten Anerkennungen des Landes. (Quelle: Deutscher Taschenbuch Verlag)


Eshkol Nevo
Neuland

Originaltitel: Neuland
Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer
Deutscher Taschenbuch Verlag, erscheint September 2013
Gebunden, 637 Seiten
24,90 Euro
ISBN: 978-3-423-28022-8
Weitere Infos zu Eshkol Nevo unter www.dtv.de

Weitere Links

Eshkol Nevo liest aus Neuland (in Hebräisch)
www.youtube.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Eshkol Nevo - Wir haben noch das ganze Leben



Literatur Beitrag vom 25.09.2013 Susann S. Reck 

   




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