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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 12.11.2013

Terezia Mora - Das Ungeheuer. Lesung und Gespräch mit der Autorin am 26.11.2013 im Hans-Otto-Theater in Potsdam
Claire Horst

Die Hauptfigur von Terézia Moras neuem Roman ist den LeserInnen schon aus dem Werk "Der einzige Mann auf dem Kontinent" bekannt. Darius Kopp ist ein Einzelgänger, der neben seinem sinnlosen Job...



... für eine Computerfirma nur seine Frau Flora zu seinem Lebensinhalt zählen kann, ansonsten lebt er seine Tage einfach ab.

"Das Ungeheuer" schließt einige Zeit später an den Vorgänger an: Flora ist tot – sie hat sich das Leben genommen. Darius erwacht nur mühsam aus seiner Starre, die ihr Tod mit sich gebracht hat. Seinen Job hat er ebenfalls verloren. Einziger Grund zu leben sind die Tagebücher seiner Frau, die er zunächst aus dem Ungarischen übersetzen lassen muss. Schon hier zeigt sich, wie wenig er seine geliebte Frau eigentlich gekannt hat: Ungarisch spielte für sie längst keine Rolle mehr, das hat er zumindest bisher geglaubt.

Dass Flora ein Leben führte, in dem er selbst nur eine untergeordnete Rolle spielte, erkennt er zuerst an diesem Gebrauch ihrer Muttersprache, der ihn von ihren innersten Gedanken und Gefühlen ausschließt. Dass er in ihren Aufzeichnungen nur am Rande vorkommt, ist ein weiterer Schock. Statt Betrachtungen zum Leben mit Darius, zu ihrer gemeinsamen Liebe, ist im Tagebuch nur von den zerstörerischen Depressionen der Autorin die Rede. Die Leserin erfährt davon zeitgleich wie von Darius´ Leben ohne Flora: Beide Texte sind parallel gesetzt, getrennt von einem schwarzen Strich, der auch den Schlussstrich unter Darius´ altes Leben versinnbildlicht.

Mit der Asche seiner Frau im Gepäck macht er sich auf die Reise durch Osteuropa – und wird so vom lethargischen Langweiler, den nur die Fürsorge seiner Frau am Leben gehalten hat, zum Helden eines Roadmovies, das sich mal tragisch, mal bitter und mal komisch liest.

Die Parallelerzählung der depressiven Flora wirkt nicht nur aufgrund der erzählten Inhalte so erschütternd. Flora konstatiert ihre Unfähigkeit, eine erfüllende Arbeit zu finden, das Leben zu genießen, zuletzt einfach zu funktionieren, listet seitenweise medizinische Fachtexte zur Depression auf. Allein das würde schon reichen, um die Leserin zutiefst zu bedrücken. Viel tragischer ist jedoch die Wechselwirkung mit der Erzählung um ihren Witwer. Denn der muss nicht nur erkennen, wie schlecht es seiner Frau jahrelang ging, sondern auch, wie egozentrisch er neben ihr gelebt hat, ohne ihr jemals beigestanden haben zu können.

Von der tiefsten Verzweiflung und Unfähigkeit, sein zerbrochenes Leben wieder in die Hand zu nehmen, bewegt sich Darius Kopp in gewundenen Linien wieder auf einen Lebenssinn zu, nimmt erste Kontakte zur Außenwelt auf, reist nicht nur in die Vergangenheit seiner Frau, sondern auch zu sich selbst.

Anders als im ersten Roman um den Protagonisten Darius Kopp wird dieser hier wirklich zu einer greifbaren Gestalt, zu einer Person, deren Emotionen und Handlungen trotz seiner umfassenden Starre greifbar werden.

AVIVA-Tipp: Ohne sie jemals direkt zu benennen, lässt Terézia Mora die nagenden Schuldgefühle, Selbstzweifel und das Bedauern, niemals richtig gehandelt zu haben, ihres Helden greifbar werden. Dass sie ihre LeserInnen dennoch auch zum Lachen bringt, macht den Roman umso reizvoller.

Zur Autorin: Terézia Mora wurde 1971 in Sopron, Ungarn, geboren. Sie lebt seit 1990 in Berlin und gehört zu den renommiertesten ÜbersetzerInnen aus dem Ungarischen. 1999 sorgte sie mit ihrem literarischen Debüt, dem Erzählungsband "Seltsame Materie", für Furore. Für diese Erzählungen wurde sie mit dem Open-Mike-Literaturpreis, dem Ingeborg-Bachmann-Preis (1999) und dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis (2000) ausgezeichnet. 2004 erschien der Roman "Alle Tage", der ausnahmslos von der Kritik gelobt wurde und großen Anklang bei den LeserInnen fand. Für den Roman erhielt sie den Mara-Cassens-Preis für das beste Roman-Debüt des Jahres, den Kunstpreis Berlin, den LiteraTour-Nord-Preis und den Preis der Leipziger Buchmesse. 2009 erschien der ebenfalls hochgelobte Roman "Der einzige Mann auf dem Kontinent" und im Herbst 2013 "Das Ungeheuer". Für diesen Roman erhielt Terézia Mora den Deutschen Buchpreis. (Verlagsinformationen)

Lesung und Gespräch mit der Autorin:
26.11.2013, 20.30 Uhr
Hans-Otto-Theater
Reithalle
Schiffbauergasse 11
14467 Potsdam

Eintritt: 12/ ermäßigt 10 Euro
Karten unter 0331-98118


Terézia Mora
Das Ungeheuer

Luchterhand Literaturverlag, erschienen am 2. September 2013
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 688 Seiten 576 Seiten
22,99 Euro
ISBN: 978-3-630-87365-7

Diesen Titel können Sie online bestellen bei FEMBooks

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Literatur Beitrag vom 12.11.2013 Claire Horst 

   




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