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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 19.11.2013

Martha Wilhelm – Berlinerinnen. 20 Frauen, die die Stadt bewegten
Philippa Schindler

Ob Salonière in der Weltmetropole Berlin oder Revolutionärin im hinterhöfischen Muff der ArbeiterInnensiedlung – die Lektorin und Autorin rollt anhand von Frauenbiographien das historische...



... Leben in der Hauptstadt neu auf.

Die Berliner Stadtgeschichte hat ihre Frauen entdeckt. Vor gut fünfundzwanzig Jahren – also direkt nach der Wende - war das Interesse an ihnen erwacht, seitdem wächst das Angebot an Stadtführungen, Vorträgen und Publikationen zum Thema. Auch Martha Wilhelms Portraitsammlung "Berlinerinnen" reiht sich in diese Programmpalette ein. In ihrem Buch stellt die Autorin zwanzig Frauen vor, die Kultur, Wissenschaft und Politik in Berlin geprägt haben.

Angefangen bei der Schriftstellerin und Salonière Rahel Varnhagen bis hin zur Punkmusikerin Nina Hagen führt sie uns durch drei Jahrhunderte Stadt- und Frauengeschichte. Es wird erzählt vom revolutionären Aufbegehren Rosa Luxemburgs, vom bewegten Leben der Ausnahmekünstlerin Valeska Gert und dem leidenschaftlichen Forscherinnengeist der Physikerin Lise Meitner. "Berlinerinnen" wird so zu einem Denkmal für all jene Frauen, die sich nicht von den Verstrickungen ihrer Zeit unterkriegen ließen, sondern erhobenen Hauptes für ihre Ideale eintraten. Das Buch erzählt aber auch von der Verantwortung, die eigene Umgebung mitzugestalten und die Stadt zu einem gerechten und guten Lebensraum zu machen. Ob als Louise Schroeder, der ersten Oberbürgermeisterin Berlins, oder wie im Fall der Ärztin Franziska Tiburtius – ohne diese Frauen wäre Berlin nicht die Stadt, die es heute ist.

Viel zu lange schien die Geschichte ausschließlich von Männern gemacht zu werden - das gilt nicht nur für die öffentliche Wahrnehmung, sondern auch für geschichtswissenschaftliche Dokumentationen. Frauen, aus vielen gesellschaftlichen Bereichen ohnehin ausgegrenzt, traten so nur als Randnotiz in den Geschichtsbüchern auf, unter "verheiratet mit" oder "Tochter von".

Erst mit dem Begriff der Herstory (angelehnt an His-story) etablierte sich in den 1960er und 1970er Jahren ein feministisches Bewusstsein über die Ausklammerung von Frauen aus dem geschichtswissenschaftlichen Kanon. HistorikerInnen arbeiteten fortan intensiv daran, den langvergessenen Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Politikerinnen eine Stimme zu geben. In aufwendigen Recherchen wurde ihr Leben und Wirken rekonstruiert – und auch das scheinbar allgemeingültige Wissen über geschichtliche Abläufe stellte sich unter Einbezug der neuen Perspektive plötzlich ganz anders dar.

Martha Wilhelm, Autorin des im Elsengold Verlag erschienen Buches, tritt mit ihrem Vorhaben, die Berliner Geschichte anhand von Frauenbiographien zu erzählen, in diese Fußstapfen. Ob sie sich dessen bewusst ist, bleibt jedoch fraglich: das Buch entbehrt jeglicher einleitender Worte und auch eine nachträgliche Reflektion bleibt schließlich aus. Nichts erfahren wir über die Motivation der Autorin, sich gerade diesem Aspekt Berlins zuzuwenden, nichts über ihre Herangehensweise. Schade, denn so präsentiert sich "Berlinerinnen" auf den ersten Blick als eine etwas lose Sammlung kurzer Biographien, die einzig durch ihre chronologische Reihenfolge gerahmt werden.

Allen im Buch beschriebenen Lebensläufen gemeinsam ist natürlich die Identitätskategorie "weiblich, aus Berlin". Dass ersteres auch bedeutete, von beengenden Zuschreibungen und Diskriminierungen betroffen zu sein, daraus macht die Autorin keinen Hehl. Dennoch geschieht es ihr recht häufig, eben jenen weiblichen Stereotypen im Text selbst aufzusitzen - "spitzzüngig" sind die Frauen, die ihre Meinung sagen, "exzentrisch" und "wild" jene, die sich nehmen, was ihnen zusteht. Auch Auslassungen prägen die ein oder andere Biographie – so wird Rahel Varnhagen nicht als eine der wichtigsten romantischen SchriftstellerInnen beschrieben, sondern als Gesellschaftsdame ihrer Zeit, die sich mit SchöngeisterInnen umgibt und für Goethe schwärmt.

Es lässt sich nur spekulieren, warum Wilhelm diesen Zugang wählte und davon absah, das volle emanzipatorische Potential des Themas auszuschöpfen. Fest steht allerdings, dass ihr Buch auf diese Weise eher unterhält als aufklärt. Streng genommen läuft dies den Parametern der aktuellen feministischen Biographik entgegen, denn nicht die Liebe zu Männern, sondern Frauennetzwerke, nicht Heroisches, sondern Exemplarisches sollen demnach in weiblichen Erfahrungswelten betont werden. Diesem Anspruch kommt Martha Wilhelm hier nicht nach, dennoch schlägt sie eine Brücke für all jene, die sich mit der von Frauen geprägten Stadtgeschichte Berlins auf leicht zugängliche Weise befassen möchten. Und vielleicht ist es gerade ihr zu verdanken, dass neben echten Berühmtheiten auch recht unbekannte Namen, wie der der Pilotin Melli Besse ins Bewusstsein gerufen wurden.

AVIVA-Fazit Martha Wilhelm ist der richtige Fährte auf der Spur. Zu wünschen wäre es allerdings, wenn sie auf ihrer Suche nach faszinierenden Frauenfiguren öfter mal von den gewohnten Pfaden abweicht.

Die Autorin: Martha Wilhelm, geboren 1987, studierte Deutschsprachige Literaturen und Erzähltheorie an der Universität Hamburg und arbeitet nach mehreren Tätigkeiten bei Berliner Verlagen heute als freie Lektorin und Autorin.


Martha Wilhelm
Berlinerinnen. 20 Frauen, die die Stadt bewegten

Elsengold Verlag, erschienen September 2013
Hardcover mit Schutzumschlag, 128 Seiten
19,95,- Euro
ISBN 978-3-944594-01-9
www.elsengold.de

Diesen Titel können Sie online bestellen bei FEMBooks


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Spreeperlen. Berlin – Stadt der Frauen


Frauen in Berlin – Dagmar Trüpschuch


Berühmte Frauen. 300 Portraits – herausgegeben von Luise F. Pusch





Literatur Beitrag vom 19.11.2013 Philippa Schindler 

   




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