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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 17.12.2013

Dina Nayeri - Ein Teelöffel Land und Meer
Doris Hermanns

Saba erträumt sich für ihre verschwundene Schwester ein Leben in Amerika und hat nur ein Ziel: auch dorthin auszuwandern. Aber erst einmal muss sie sich an das Leben in ihrem Dorf im Iran anpassen



Der Iran zu Zeiten der Islamischen Revolution, die Sabas wohlhabende christliche Familie dazu zwingt, Teheran zu verlassen, und sich auf ihre Ländereien in der Provinz Gilan im Norden des Landes zurückzuziehen, fernab von den überwachenden Augen der Mullahs:
Etwa zu dieser Zeit fährt die elfjährige Saba mit ihren Eltern zum Flughafen, in der Erwartung, von dort mit ihrer Mutter und ihrer Zwillingsschwester Mahtab nach Amerika zu fliegen. Die Mutter will nicht, dass ihre Töchter im Iran aufwachsen, sondern, dass sie unabhängige Frauen werden. Am Flughafen meint Saba, ihre Mutter und ihre Schwester zu sehen, die ohne sie abreisen – ein Bild, dass sie in den nächsten Jahren nicht mehr loslässt.

Die Frage, was mit den beiden geschehen ist, durchzieht beinahe den ganzen Roman. Während Saba erzählt wird, dass die Schwester bei einem Badeunfall ertrunken sei und die Mutter bei dem Versuch, das Land zu verlassen, verhaftet worden ist, wähnt Saba sie beide in Amerika. Immer wieder erfindet sie Geschichten davon, wie ihre Schwester, der sie sich als Zwilling eng verbunden fühlt, dort lebt. Genährt werden diese Erzählungen von den amerikanischen Filmen und Romanen, die sie sich auf illegale Weise beschafft. So entsteht ein Bild vom Leben ihrer Schwester in ihrem Traumland Amerika, in das auch sie später gehen will, um dort in Harvard zu studieren. Zur Vorbereitung lernt sie intensiv Englisch. Bei ihren Träumereien bezieht sie auch immer wieder die Einwanderersorgen mit ein, von denen sie über Verwandte gehört hat. Und wie sie es aus den amerikanischen Fernsehserien gelernt hat, wird in jeder Folge, in jeder Geschichte, ein Problem gelöst.

Es ist im Wesentlichen eine Welt der Frauen, die Nayeri auf einfühlsame Weise beschreibt. Und wie sie die Lesenden wissen lässt: "Jede Frau hat ein besonderes Talent, und wenn Sie mich fragen, ist jedes Talent wertvoll und wichtig." Saba hat im Dorf gleich mehrere Ersatzmütter, die sich fürsorglich um sie kümmern. Eng verbunden ist sie auch ihrer Freundin Ponneh, von der sie anfangs noch meint, dass diese die Rolle der verschwundenen Schwester übernehmen solle, und dem gemeinsamen Freund Reza, in den beide Mädchen verliebt sind. Das Erzählen von Geschichten spielt eine große Rolle in dieser Kultur, wichtig ist dabei nicht, ob diese wahr sind, sondern ob sie stimmig erzählt werden. "Wenn sie die bittere Wahrheit erkennen, dass alles zerbrechlich ist und letztlich verschwindet, erfinden sie eine neue Wirklichkeit, in der das Beste dessen, was verloren ist, irgendwo auf sie wartet."

Abwechselnd wird die Geschichte von Saba und von ihren Ersatzmüttern erzählt, den drei Nachbarinnen, die im Haus ein- und ausgehen, da sie Sachen können, die ihr Vater nicht beherrscht.
Eine von ihnen lässt gleich zu Anfang wissen: "Wir alle kennen die Wahrheit über Mahtab, aber Saba spinnt ihre Geschichten, und Reza und Ponneh Alborz lassen sie immer weitermachen, weil Saba unbedingt will, dass ihre Freunde zuhören – und weil sie als Geschichtenerzählerin ein Naturtalent ist. Das hat sie von mir gelernt – wie man sich ein Märchen oder eine gute Lüge ausdenkt, wie man auswählt, welche Teile erzählt und welche Teile weggelassen werden."
Es sind keine gradlinigen Geschichten, die hier erzählt werden, immer wieder werden die Ambivalenzen der beiden Mädchen in den unterschiedlichen Ländern und verschiedenen Kulturkreisen deutlich aufgezeichnet. Probleme gibt es hier wie dort und Entscheidungen müssen überall getroffen werden.

Im Laufe der Geschichte erfährt Saba, dass ihre Mutter Kontakte zu einer Frauenorganisation namens Shirzan hatte und auch wenn Nayeri in ihrem Nachwort schreibt, dass diese fiktiv ist, so weist sie doch deutliche Ähnlichkeiten mit der RAWA, der Revolutionary Association of the Women of Afghanistan, auf, die Hinrichtungen filmen und diese Filme aus dem Land schmuggeln, um weltweit auf die eklatanten Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen.
Trotz der Traum-Geschichten über ihre Schwester bleibt Saba dem Leben in ihrem Dorf verhaftet, sie muss dort ihr Leben leben, sich mit der Situation auf dem Land auseinandersetzen und für sich selber eine Perspektive finden.

AVIVA-Tipp: Ein spannender Roman mit alternativen Lebensentwürfen. Eine Geschichte davon, wie eigene Entscheidungen getroffen werden können und ein ganz anderes Leben dennoch gleichzeitig denkbar bleibt.

Zur Autorin: Dina Nayeri wurde während der Islamischen Revolution im Iran geboren und emigrierte als Zehnjährige nach Oklahoma. In Harvard absolvierte sie ihren MBA und Master of Education, in Princeton ihren BA. Ihr Debütroman Ein Teelöffel Land und Meer wurde bereits in dreizehn Sprachen übersetzt und als "Barnes and Nobel Discover Great New Writers book" ausgewählt.
Mehr Infos unter: www.dinanayeri.com

(Verlagsinformationen)

Dina Nayeri
Ein Teelöffel Land und Meer

Originaltitel: A Teaspoon of Earth and Sea
Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Mareverlag, erschienen Herbst 2013
Hardcover 528 Seiten
22,00 Euro

Diesen Titel können Sie online bestellen bei FEMBooks


Literatur Beitrag vom 17.12.2013 Doris Hermanns 

   




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