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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 06.02.2014

Dror Mishani - Vermisst
Susann S. Reck

Das Romandebüt des in Tel Aviv lebenden israelischen Literaturprofessors, Verlagslektors und Kriminalroman-Spezialisten, eine unentschiedene Mischung aus Psychostudie und Krimigeschichte.



Downsyndrom

Auch wenn mit dem Downsyndrom meistens eine geistige Behinderung einhergeht, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass davon betroffene Menschen als Opfer von Gewalt nicht vernommen werden können. Genau das aber unterlässt der Ermittler Avi Avraham in dem Roman von Dror Mishani, Vermisst. Es ist nicht nachvollziehbar, dass der an Trisomie 21 leidenden Schwester des vermissten Jungen Ofer Sharabi nicht die geringste Rolle zukommt, obwohl sie beim zentralen Tathergang nicht nur zugegen ist, sondern im Vorfeld auch vergewaltigt wird. Warum sie im Verlauf der Handlung keine Rolle spielt, wird nicht erkennbar, etwa ob es sich dabei um einen Ermittlungsfehler des missgelaunten Avi Avraham handelt, oder aber um den nicht sonderlich gut durchdachten Plot des Autors. Auch der fünfjährige Bruder, der sich zum Zeitpunkt von Ofers Verschwindens mit seinen Geschwistern in der Wohnung aufhält, wird als möglicher Zeuge unterschlagen.

Gefühlskälte und Größenwahn

Der mit sparsamen Mitteln erzählte Roman von Dror Mishani führt in ein Städtchen in den Dünen nahe Tel Avivs, Cholon. Spät und lustlos nimmt sich der dort lebende Polizeiinspektor Avraham eines neuen Falles an. Eine Mutter meldet ihren Sohn, Ofer Sharabi, als vermisst. Schleppend langsam kommen daraufhin die Ermittlungen in Gang. Atmosphärisch dicht schildert Dror Mishani unterdessen Leben und Befindlichkeit des eigenbrötlerischen Polizeiinspektors Avraham, sein Verhältnis zu den Eltern, die er hin- und wieder besucht.
Im weiteren Verlauf der Handlung entpuppt sich ein Lehrer namens Seev, der im selben Haus wie Ofers Familie lebt, als unausgegorener Zeitgenosse der, zwischen Größenwahn und menschlichem Mittelmaß schwankend, neben Avraham zur Hauptfigur wird.
Der literarisch ambitionierte Seev beginnt, inspiriert durch einen Schreibworkshop, endlich zu schreiben.
Dror Mishani entwirft mit dieser Figur das ebenso spannende wie amüsante Psychogramm eines empathielosen Pseudoschriftstellers, der Realität und Fiktion nicht auseinanderhalten kann und sich selbst zum Hauptverdächtigen stilisiert. Neben diesem interessanten Aspekt der Geschichte, der breiten Raum einnimmt, wird der eigentliche Krimiplot jedoch nur bruchstückhaft erzählt. So wird, nach langen Passagen beeindruckend dynamisch erzählter Stagnation, das Ende so abrupt und schnell eingeläutet, dass die Leserin sich unwillkürlich fragen muss, woran es liegt, ist doch weder Avraham noch der Rest von Ofers Familie plötzlich verschwunden oder tot.

Fiktion und Realität

Ähnlich wie in Marc Weitzmanns Roman "Mischehe", ist auch in "Vermisst" das Spiel zwischen Realität und Fiktion, sowie der daraus resultierende Irrweg eines Schriftstellers (Seev) innerhalb einer Geschichte zentral. Während Weitzmann jedoch in Mischehe konsequent die Perspektive des sich verstrickenden Schriftstellers verfolgt und ihn in menschliche Abgründe geraten lässt, verlässt Dror Mishani seinen entgleisenden Helden Seev im entscheidenden Augenblick und kehrt zu seiner zweiten Hauptfigur zurück.
Als Ergebnis wird nicht nur Seevs verstörendes Verhalten unbefriedigend zu Ende erzählt. Auch bleibt offen, warum der Ermittler nicht die notwendigen Romanseiten erhält, um den handfesten Kriminalfall glaubwürdig zu lösen.

AVIVA-Tipp: So ist Dror Mishanis Debütroman Vermisst aus literarischer Sicht zwar gelungen. Dem Vergleich mit anderen Werken israelischer KriminalautorInnen, wie etwa Batya Gur hält er jedoch nicht stand. Zu wenig überzeugt das Kriminalistische an der Geschichte.

Zum Autor: Dror Mishani, geboren 1975 in Israel, ist Autor, Lektor bei Keter Books in Jerusalem, Literaturprofessor, Übersetzer und Spezialist zur Geschichte der Krimiliteratur. Vermisst, erschien 2011 in hebräischer Sprache, das Buch stand 2013 auf der Shortlist des CWA International Dragger Award. Für die beste Übersetzung eines Kriminalromans ins Schwedische hat Vermisst, 2012 den Martin-Beck-Preis erhalten.
Dror Mishani lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Tel Aviv.
Mehr Infos unter: d-a-mishani.com


Dror Mishani
Vermisst

Originaltitel: Tik ne' edar (The missing file)
Aus dem Hebräischen von Markus Lemke
Zsolnay Verlag, erschienen 29.07.2013
Gebunden, 352 Seiten
Preis:17,90 Euro
ISBN 978-3-552-05645-9


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Und Feuer fiel vom Himmel von Batya Gur

Die letzte Sünde von Katharina Höftmann

Mischehe von Marc Weitzmann



Literatur Beitrag vom 06.02.2014 Susann S. Reck 

   




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