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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 07.03.2014

Antje Schmelcher - Feindbild Mutterglück. Warum Muttersein und Emanzipation kein Widerspruch ist
Philippa Schindler

"Vollzeitmutti" oder "working mom"? Geht es um das ideale Lebenskonzept, scheiden sich die Geister. Eine Streitschrift fordert nun zum Umdenken auf und plädiert für eine neue Idee von Mutterschaft.



"Mommy wars" – unter diesem Begriff sind all jene hitzigen Auseinandersetzungen und Rangeleien gefasst, die sich in den letzten Jahren gerade im angelsächsischen Raum entladen haben. Und zwar immer dann, wenn es um die Frage ging, wie sich eine Mutter nach der Geburt ihres Kindes bestmöglichst zu verhalten habe. Gesellschaftliche und individuelle Erwartungen stehen sich hier entgegen und zwingen Mütter in eine fast schizophrene Situation: Sie sollen flexibel bleiben für den Arbeitsmarkt und sich gleichzeitig aufopferungsvoll den Bedürfnissen der Kinder widmen. Negative Bewertung erfährt die, die dem Paradigma der Vereinbarkeit nicht zu folgen vermag, davon zeugen schon Beschimpfungen wie "Rabenmutter" und "Heimchen am Herd".

Doch dies soll sich nun ändern. Dafür plädiert auch Antje Schmelcher, Journalistin und Autorin des Buches "Feindbild Mutterglück. Warum Muttersein und Emanzipation kein Widerspruch ist". Schmelcher ruft darin auf, sich mit Müttern, den "eigentlichen Verliererinnen der Gesellschaft", zu solidarisieren und ihre Fürsorge- und Erziehungsleistungen endlich anzuerkennen. Neu klingen diese Forderungen nicht, wurden sie doch gerade im Zusammenhang mit den aktuellen Care-Debatten laut. Doch manches kann eben nicht oft genug gesagt werden.

Was Antje Schmelcher jedoch im Fortgang des Buches – es muss wohl auf der zweiten oder dritten Seite begonnen haben – lanciert, klingt dann schon gar nicht mehr so unterstützenswert. In einer hitzigen Argumentation ergreift die Autorin Partei für die Mutter, die unter dem Druck der gesellschaftlichen Zerreißprobe keine eigenen Entscheidungen mehr zu treffen vermag. Und sich nicht traut zu wollen, was doch alle Mütter insgeheim wollen: Ihre Kinder selbst betreuen, zuhause. Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis lässt Antje Schmelcher nicht nur ihre Emotionen hochkochen, sondern wärmt auch reaktionäre Versatzstücke der Mutterideologie wieder auf.

Besonders deutlich wird dies beim Thema Kinderbetreuung – Antje Schmelcher nennt das meist nur "Outsourcing der Kinder", um auf die wirtschaftlichen Zwänge hinter dieser Entscheidung hinzuweisen. Denn freiwillig, da ist sich die Autorin sicher, kann eine Mutter sich nicht von ihren Kindern trennen wollen. Nicht angesichts der "Trauer der Mütter", wenn sie ihre Kinder viel zu früh gehen lassen. Nicht angesichts dieser "Folter", wenn ihr emotionales und körperliches Verhältnis an der Kindergartentür jäh gekappt wird. Als Folge dieses "massiven Vertrauensverlustes" sieht Antje Schmelcher Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und – jetzt wird es erst so richtig abgedreht – eine "Schwarze Pädagogik" heraufziehen.

Nur gut, dass in "Feindbild Mutterglück" alle wissenschaftlichen Zugänge zum Thema Mutterschaft bald schon als Befindlichkeitsstudien degradiert werden. Besonders die "Gender-, Queer- und Diversity<-Studies" geraten dabei ins Visier von Antje Schmelcher, die mit Dekonstruktion nichts am Hut haben will. Denn am Ende des Auseinandernehmens stünde doch nur wieder eine weitere "Bewegung im Promillebereich der Bevölkerung", die um ihre Bedürfnisse ringt.

Es ist nicht verwunderlich, dass bis zum Ende des Buches keine weiteren Bezugsperson für Kinder aufgetreten sind – geschweige denn der Vater. Dennoch appelliert Antje Schmelcher, Frauen nicht alleine den Konflikt zwischen Kindererziehung und Beruf aufzubürden. Viel lieber sollen sie unterstützt werden von anderen Frauen – und zwar von einem erneuerten Feminismus, der Mütter nicht mehr als per se unemanzipiert und fremdbestimmt wahrnimmt. Kindererziehung ist und bleibt eben Frauenthema!

AVIVA-Fazit: In "Feindbild Mutterglück" verwurstet Antje Schmelcher altkonservative Vorstellungen zum Kinderkriegen mit einer populistischen Kritik an wirtschaftlichen Verhältnissen. Herauskommt ein Buch, das deutlich zeigt, warum die Autorin sich, ihrem eigenen Bericht nach, niemals als Feministin gefühlt hat.

Zur Autorin: Antje Schmelcher, geboren 1968, arbeitet als Redakteurin im Feuilleton der Tageszeitung Die Welt. Sie ist freie Journalistin und Autorin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Feindbild Mutterglück. Warum Muttersein und Emanzipation kein Widerspruch ist
von Antje Schmelcher

Orell Füssli Verlag, erschienen 2014
Kartoniert, 208 Seiten
ISBN: 978-3-280-05520-5
16,95 Euro
www.ofv.ch

Weitere Informationen finden Sie unter:

Auf dem Blog Fuckermothers werden feministische Perspektiven auf Mutterschaft geworfen.

Interessante Ansätze zum Thema bietet auch der Blog www.mama-arbeitet.de: "Alleinerziehend und berufstätig".

Einen Artikel zur Care-Debatte kann auf der Website des Feministischen Institut Hamburg nachgelesen werden.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Claudia Haarmann – Mütter sind auch Menschen

Ayelet Waldman – Böse Mütter

Cornelie Kister - Mütter, eure Feindin ist weiblich



Literatur Beitrag vom 07.03.2014 Philippa Schindler 

   




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