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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 30.03.2014

Alina Bronsky - Nenn mich einfach Superheld
Claire Horst

Mit ihrem Debütroman "Scherbenpark" katapultierte sich Alina Bronsky 2008 in die erste Riege der deutschsprachigen Literatur. Und in den seither vergangenen fünf Jahren hat die Autorin an...



... Ausdrucksvermögen deutlich hinzugewonnen.

Ihr Ich-Erzähler, der jugendliche Marek, nimmt die Leserin sofort für sich in, obwohl seine Persönlichkeit kaum auf Sympathie hoffen lässt. Vor einem Jahr von einem Rottweiler fast zu Tode gebissen, hat er sich wegen der entstellenden Verletzungen an Gesicht und Hand fast völlig von der Außenwelt zurückgezogen und beschränkt sich in seiner Kommunikation darauf, anderen sein Elend vorzuwerfen.

Sein Weltschmerz ist so nachvollziehbar und zugleich in seiner pubertären Selbstbespiegelung so komisch, dass die Leserin von der ersten Minute an mitleidet und ihm manchmal gern einen Schubs geben würde. Wir lieben dich trotzdem, möchte sie ihm dann zurufen.

Erst als seine Mutter, eine Anwältin, die von seinem Selbstmitleid nur noch genervt ist und das eigene Privatleben aus Rücksicht auf ihren Sohn stark zurückgeschraubt hat, ihn mit einer Lüge dazu bringt, an einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen, bricht Marek widerwillig aus seiner Isolation aus. Eine Lerngruppe für externe Abiturient_innen hatte er erwartet und findet sich zwischen sechs weiteren Jugendlichen wieder, die wie er unter einer Beeinträchtigung leiden. Neben der wunderschönen, aber abweisenden Janne, die im Rollstuhl sitzt, dem umwerfend schönen und blinden Marlon, sind das Friedrich, der an einer Autoimmunerkrankung leidet, der psychisch kranke Kevin, der Marek wegen seiner Transsexualität instinktiv ablehnt sowie Richard, der eine Beinprothese trägt.

Irgendein seltsames Experiment hat der "Guru", wie die Jugendlichen ihren Gruppenleiter nennen, mit ihnen vor. Nur die Abneigung gegen den Guru schweißt die Gruppe zusammen – denn mit "Behinderten" will keineR von ihnen etwas zu tun haben. Bis ganz zum Schluss wird nicht klar, warum der Guru die Jugendlichen ständig filmt und was es mit der Reise auf sich hat, die sie in ein abgelegenes Haus auf dem Land unternehmen.

Schritt für Schritt brechen Mareks etablierte Überzeugungen auseinander, beginnt er seine Selbstwahrnehmung neu zusammenzusetzen, sich mit seinem Gesicht anzufreunden und an die Möglichkeit menschlicher Zuneigung zu glauben. Immer weniger muss er sich hinter schroffen Gesten verstecken und die eigene Unsicherheit auf seine Verletzung schieben. Er ist ein ganz normaler Jugendlicher, mit denselben Ängsten wie andere Jugendliche auch – sich das einzugestehen, kostet Mühe.

Ein unerwarteter Todesfall in der Familie, die Begegnung mit seinem unbekannten kleinen Halbbruder und dessen Mutter, diese Ereignisse lösen weitere Risse in Mareks Panzer aus.
Bronsky gestaltet ihren äußerlich wie innerlich schwer versehrten Protagonisten als Figur, mit der die LeserInnen kein Mitleid haben müssen. Marek kreist um sich selbst, wie andere Jugendliche das auch tun, stößt andere Menschen vor den Kopf und verzweifelt immer wieder an der eigenen Verpanzerung, die ihn doch schützen soll. Die langsame und widerwillige Annäherung zwischen ihm und den anderen Jugendlichen, seine sexuellen und emotionalen Erfahrungen, die wir miterleben, sind so witzig wie tragisch – und gerade deshalb so lebensnah.

Rührung und Trauer, Mitgefühl und Lachen lösen sich beim Lesen ab – und die Leserin legt das Buch mit dem Gefühl aus der Hand, sich von neu gewonnenen Bekannten zu verabschieden, die sie getrost in ihre Welt entlassen kann.

AVIVA-Tipp: Auch wenn Marek mit ganz anderen Widrigkeiten kämpft als die oder der Durchschnittsjugendliche, ist seine Geschichte eine ganz gewöhnliche Coming of Age-Erzählung. Wie alle Jugendlichen kämpft er mit seinem Selbstbild und wächst an Herausforderungen, irrt sich in der Einschätzung anderer. So banal das klingt, so erhellend und zugleich mitreißend liest sich die Geschichte von Marek bei Alina Bronsky. Und wie "Scherbenpark" hat auch "Nenn mich einfach Superheld" das Zeug zum Kinoerfolg.

Zur Autorin: Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, verbrachte ihre Kindheit auf der asiatischen Seite des Ural-Gebirges und ihre Jugend in Marburg und Darmstadt. Nach abgebrochenem Medizinstudium arbeitete sie als Werbetexterin und als Redakteurin bei einer Tageszeitung. Sie lebt in Berlin. Ihr Debütroman "Scherbenpark" erhielt großes Kritiker_innenlob und wurde zum Bestseller, Alina Bronsky zur "aufregendsten Newcomerin der Saison" (Der Spiegel). Ihr zweiter Roman "Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche" erschien 2011 und war ebenfalls ein Kritikererfolg und Bestseller. "Scherbenpark" ist inzwischen beliebte Lektüre im Deutschunterricht und wurde gerade fürs Kino verfilmt. Die Rechte an Alina Bronskys Romanen wurden in 15 Länder verkauft. Mit "Spiegelkind" und "Spiegelriss" hat sie sich in den letzten Jahren auch erfolgreich als Jugendbuchautorin etabliert. (Verlagsinformationen)

Die Autorin im Netz: www.scherbenpark.de

Alina Bronsky
Nenn mich einfach Superheld

Kiepenheuer & Witsch, erschienen am 10.09.2013
240 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-462-04462-1
16,99 €

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Alina Bronsky - Scherbenpark

Scherbenpark - Interview mit Bettina Blümner
Elisabeth R. Hager – Kometen

Ramona Ambs - Die radioaktive Marmelade meiner Großmutter


Literatur Beitrag vom 30.03.2014 Claire Horst 

   




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