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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 08.04.2014

Peggy Adam - Gröcha
Philippa Schindler

Nach dem erfolgreichen Debüt "Luchadoras" im Sommer 2013 lässt die französische Autorin und Illustratorin in ihrer zweiten Graphic Novel vor einer idyllischen Bergkulisse die Welt untergehen.



Eine Epidemie breitet sich in Europa aus. Seit einigen Monaten spitzt sich die Lage auch in der schweizerischen Kleinstadt zu, in der Protagonist Marc zusammen mit seiner Familie lebt. In letzter Konsequenz ordnen die staatlichen Behörden dort die Quarantäne an, ab sofort darf die Stadtgrenzen nur passieren, wer einen gültigen Gesundheitspass hat.
Marc, der bislang von der Seuche verschont blieb, gelingt die Flucht in letzter Sekunde. In einer Hütte in den Bergen Graubündens will er sich für ein paar Tage erholen, doch er ahnt nicht, welches Ausmaß die Katastrophe annehmen wird. Schon bald stellt sich seine Reise als äußerst beschwerlich heraus und grausame Erinnerungen verfolgen den Protagonisten auf seinem Weg.

Peggy Adam – der Name der aus Frankreich stammenden Comic-Künstlerin steht nicht gerade für leichte Unterhaltung. Bereits mit ihrem Debüt "Luchadoras" machte die Autorin, die heute in Genf lebt, auf sich aufmerksam. Anhand der von ihr kreierten fiktiven Figur Emma, einer starken und unabhängigen Frau, schildert sie den Femizid in der nordmexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez.
Nun, im Frühjahr 2014, erschien "Gröcha" im avant-verlag. Die Berliner Comic-Spezialistin Claudia Sandberg hat die Graphic Novel ins Deutsche übertragen. Nur einige rätoromanische Passagen zeugen von der uralten Sprachtradition des schweizerischen Kantons Graubünden – so auch der Titel des Buches: gröcha bedeutet "Dreck".

Geschrieben hat Peggy Adam die Erzählung ursprünglich für einen befreundeten Illustrator. Als der die Geschichte am Ende aber doch nicht umsetzen wollte, machte sich die in Genf lebende Zeichnerin kurzerhand selbst ans Werk. Mit unverwechselbarem Federstrich entwirft sie in "Gröcha" eine Welt, die dem Zusammenbruch geweiht ist und in der bislang unumstößliche Gewissheiten ihre Relevanz verlieren.
Für diese dystopische Vision einer untergehenden Gesellschaft hat Peggy Adam ihre tagtäglichen Ängste aufs Papier gebracht. Denn seit der Geburt ihrer Tochter fragt sich die Künstlerin oft, welche Welt sie ihr hinterlassen möchte: "Überall um uns sieht man die Anzeichen, wie wir Stück für Stück die Zukunft unserer Kinder aufs Spiel setzen und ruinieren, sei es durch Umweltverschmutzung, ökologische Krisen, nukleare Energiegewinnung und Kriege. Diesen Gedanken habe ich [im Comic] freien Lauf gelassen."

Vor allem Tiere stehen in "Gröcha" sinnbildlich für das gescheiterte Verhältnis der Menschen zur Natur. Hinter jeder Seite lauern ihre vieldeutigen Symbolwelten, den Protagonisten Marc fallen sie – wie im Fall der aggressiven Dohlen – förmlich an. Als die Tiere am Ende der Geschichte schließlich den Wald verlassen, weckt dies nur allzu deutliche Assoziationen mit der 1979 erstmals veröffentlichten Buchreihe des englischen Schriftstellers Colin Dann über eine Gruppe von Waldtieren, deren Heimat durch den rücksichtslosen Umgang der Menschen mit der Natur zerstört wurde.

Peggy Adam bringt ihre Kritik in "Gröcha" auf diese Weise klar zum Ausdruck, doch sprechen lässt sie die Charaktere nicht für sie. Vielmehr bleiben die Figuren als unaufgeklärte, ja, naive ProtagonistInnen zurück, die von den chaotischen Umständen einer im Untergang begriffenen Welt hin- und hergetrieben werden. Bis zuletzt stehen sie der Apokalypse fassungslos gegenüber – ganz so, als hätten sie niemals etwas von der Bedrohung der Seuche geahnt. Gerade diese Handlungsunfähigkeit macht die Graphic Novel "Gröcha" so spannend, denn nie ist klar, wohin es Marc und die anderen ProtagonistInnen als nächstes verschlägt.

Auf die Spitze getrieben wird diese hilflose Ausweglosigkeit mit dem letzten Bild der Geschichte. Es ist inspiriert von einem Gemälde des chinesischen Autors und Nobelpreisträgers Gao Xingjiang, das den Titel "La fin du monde" ("Das Ende der Welt") trägt. Auf diese Weise wird der Appell an die LeserInnen deutlich: Denkt nach. Überlegt euch rechtzeitig, wie ihr leben wollt.

AVIVA-Tipp: Peggy Adam gehört nicht umsonst zu den Neuentdeckungen der Comic-Welt. Auch in ihrer aktuellen Graphic Novel "Gröcha" beeindruckt die Künstlerin auf ganzer Linie - vor allem auch, weil sie politische Statements ganz ohne beschönigende Schnörkel wiedergibt.

Zur Autorin: Peggy Adam, geboren 1974, studierte an der Ecole des Beaux–Arts in Saint–Étienne, in der OACD University in Toronto und an der École européenne supérieure de l`Image in Angoulême. Mit der Graphic Novel "Luchadoras" gelang der französischen Zeichnerin und Autorin 2006 der Durchbruch, auf dem Comicfestival in Angoulême war das Buch in der Sélection Officielle nominiert. 2013 erschien seine deutsche Übersetzung im avant-verlag. Dieser veröffentlichte 2014 auch ihre neueste Graphic Novel "Gröcha".

Zur Übersetzerin: Claudia Sandberg ist Buchhändlerin und Übersetzerin und leitet bei der französischen Buchhandlung Zadig in Berlin die Comicabteilung.

Peggy Adam
Gröcha

Originaltitel: La Gröcha
Aus dem Französischen von Claudia Sandberg
avant-verlag, erschienen März 2014
Softcover, 104 Seiten, Schwarz-Weiß
ISBN: 978-3-939080-92-3
19,95 Euro
www.avant-verlag.de

Weitere Informationen:

Die Comic-Künstlerin Peggy Adam im Netz unter: www.peggy-adam.com.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Antje Wagner – Vakuum

Melancholia. Der Film



Literatur Beitrag vom 08.04.2014 Philippa Schindler 

   




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