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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 10.04.2014

Gender- und queertheoretische Analysen in den Medien- und Kommunikationswissenschaften - herausgegeben von Skadi Loist, Sigrid Kannengießer, Joan Kristin Bleicher
Philippa Schindler

Eine kritische Medienwissenschaft ohne Queer Theory? Undenkbar, finden die Herausgeberinnen von "Sexy Media?". Sie zeigen, wie Geschlechterrollen in Film, Fernsehen und Print wiedergegeben werden.



Warum trägt Sean Connery in seiner Rolle als James Bond einen blauen ´Strampelanzug´? Und wie popfeministisch ist das 2008 gegründete Missy Magazine wirklich? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich ein Sammelband, erschienen unter dem klangvollen Titel "Sexy Media? Gender/Queertheoretische Analysen in den Medien- und Kommunikationswissenschaften". Die Herausgeberinnen Skadi Loist, Sigrid Kannengießer und Joan Kristin Bleicher haben darin aktuelle Forschungsbeiträge zum Thema zusammengetragen. Diese basieren teilweise auf der Ringvorlesung "Sexy Media? Gender – Medialität – Kulturalität", die im Wintersemester 2008/2009 an der Hamburger Universität stattfand und an deren Organisation die Herausgeberinnen beteiligt waren.

"Ein transdisziplinärer Brückenschlag"

Medien, wie Film, Fernsehen und Print, aus einer gender- und queertheoretischen Perspektiven zu analysieren – lange Zeit wurde dies in der Forschung vernachlässigt. Zur Schließung dieser Lücke leistet "Sexy Media?" einen wichtigen Beitrag, das eigentliche Potential des Sammelbandes liegt aber in der Vernetzung unterschiedlicher theoretischer Perspektiven.
Abbilden wollten die Herausgeberinnen auf diese Weise das breite Spektrum der medien- und kommunikationswissenschaftlichen Forschungen. Im Buch selbst schlägt sich dies in der Vielfalt der Aufsätze nieder, sie halten immer neue thematische Schwerpunkte, theoretische Herausforderungen und Erkenntnisse für die LeserInnen bereit.

Queer Cinema, mediale Geschlechterkonstruktionen und Pop und Politik

Wie manifestieren sich Gender und Sexualität "in aktuellen Medienprodukten, medialen Kontexten und Aneignungsprozessen"? Die Textsammlung "Sexy Media?" nimmt verschiedene Phänomene in den Blick: Angefangen bei medialen Veränderungspotentialen aus feministischer Sicht und einer genauen Analyse der engen Verwobenheit von Medien mit Sexualität, bis hin zu der Frage, wie geschlechter- und queertheoretische Ansätze langfristig in der Kommunikations- und Medienwissenschaft etabliert werden können.

Reflexionen über queere Filmfestivals stehen neben dem Bericht eines Workshops von homosexuellen HIV-AktivistInnen in Simbabwe. Und auf die feministische Revision der Rollenklischees in Reality-Shows folgt eine Kritik an der Medienberichterstattung über die Teilnahme der Südafrikanerin Caster Semenya bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin.

Kritische Medienwissenschaften

Der Bielefelder transcript Verlag veröffentlicht in der Buchreihe "Critical Media Studies" regelmäßig Arbeiten, die sich kritisch mit dem Wechselverhältnis von Medien, Kommunikation und Gesellschaft auseinandersetzen. Seit 2009 erschienen dort mehrere Publikationen zum Thema, unter anderem die englischsprachige Studie "Feminist Media" und eine nuancierte Abhandlung über die Darstellung von "Migrantinnen in den Medien", eine Rezension dazu kann auf AVIVA-Berlin nachgelesen werden.

AVIVA-Tipp: In "Sexy Media?" wird der Blick freigegeben auf die vielfältigen Ausprägungen an der Schnittstelle von Gender und Medien aus queertheoretischer Sicht. Dies vermag uns als KonsumentInnen und ProduzentInnen von TV, Print und Internet an manchen Stellen die Augen zu öffnen - für allzu alltäglich gewordene Rollenbilder, aber auch für irritierende Details in der Konstruktion von Geschlechtlichkeit.

Zu den Herausgeberinnen:

Skadi Loist (M.A.) ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medien und Kommunikation der Universität Hamburg. 2008 gründete sie mit Marijke de Valck das Film Festival Research Network. Sie arbeitet außerdem im Archiv und Vorstand der Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg / International Queer Film Festival.

Sigrid Kannengießer (Dr. phil) forscht und lehrt am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen. Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist die transkulturelle und politische Kommunikation, mediatisierte Netzwerke und Vergemeinschaftungen, geschlechtertheoretische Medien- und Kommunikationswissenschaft, digitales Geschichtenerzählen und Medien im südlichen Afrika.

Joan Kristin Bleicher ist Professorin für Medienwissenschaften am Institut für Medien und Kommunikation der Universität Hamburg. Schwerpunkt ihrer Forschungsarbeiten sind Medienästhetik und Mediengeschichte, Narrationstheorien, zeitgenössische Literatur und Grundlagenforschung zum Internet.

Sexy Media? Gender/Queertheoretische Analysen in den Medien- und Kommunikationswissenschaften
herausgegeben von Skadi Loist, Sigrid Kannengießer, Joan Kristin Bleicher

transcript Verlag, erschienen Januar 2014
kartoniert, mit Abbildungen, 230 Seiten
ISBN 978-3-8376-1171-7
28,99 Euro
Weitere Informationen finden Sie unter: www.transcript-verlag.de

Diesen Titel können Sie online bestellen bei FEMBooks

Weitere Informationen finden Sie unter:

Das Institut für Medien und Kommunikation der Universität Hamburg stellt sich im Netz unter www.slm.uni-hamburg.de vor.

Jedes Jahr findet in Berlin das XPOSED International Queer Film Festival statt. Mehr Infos dazu im Netz unter www.xposedfilmfestival.com statt.

Weitere Informationen zur popfeministische Zeitschrift Missy Magazine finden Sie im Netz unter www.missy-magazine.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Margreth Lünenborg, Katharina Fritsche, Annika Bach - Migrantinnen in den Medien

Ungleich mächtig. Das Gendering von Führungspersonen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in der Medienkommunikation. Herausgegeben von Margreth Lünenborg und Jutta Röser

Tine Plesch - Rebel Girl. Popkultur und Feminismus

Feministische Medien - Öffentlichkeiten jenseits des Malestream

Elke Amberg - Schön! Stark! Frei! Wie Lesben in der Presse (nicht) dargestellt werden



Literatur Beitrag vom 10.04.2014 Philippa Schindler 

   




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