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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 20.05.2014

Noa Eshkol - Wall Carpets
D. Aderhold, S. Adler

Florale Ornamentik, abstrakte Figuren und vielfältige Elemente. Die israelische Textilkünstlerin, Choreografin, Tänzerin und Tanztheoretikerin Noa Eshkol vereinte all das in ihrem Werk und ...



...erschuf damit neue Welten.

In Zusammenhang wird der Name Noa Eshkol in breiten Kreisen hauptsächlich mit ihren Tanzkompositionen, sowie mit ihrer Interpretation, und Weiterentwicklung einer auf der Analyse von Körperbewegungen im Raum aufbauenden Methode gebracht.
Das ist durchaus berechtigt, denn auf diesem Gebiet war sie eine Pionierin, die von ihr entwickelte Methode wird bis heute im "Eshkol-Wachman Movement Notation" (EWMN) angewandt.

Doch darüber hinaus gibt es auch ein nur wenig bekanntes künstlerisches Feld, in dem sie sich bewegte.
Seit 1973 arbeitete sie mit Stoffen, beziehungsweise Stoffresten, die sie zu großformatigen Teppichen collagenartig gestaltete.
In dieser, 2014 im Hatje Cantz Verlag erschienenen, die gleichnamige Ausstellung begleitende Publikation "Noa Eshkol - Wall Carpets" wird dieser Aspekt ihres künstlerischen Schaffens in den Fokus gerückt.

Es ist leicht, sich in einzelnen Facetten der aus Stoffresten zusammengenähten Wall Carpets zu verlieren. In ihren Bann ziehen diese die BetrachterInnen durch ihre kontrastreichen Farben, die scheinbar wahllos zusammengewürfelt sind oder durch ihre sich wiederholenden Formen, die doch nie das Gleiche darstellen. Der scheinbare repetitive Charakter erklärt sich dadurch, dass die Künstlerin Noa Eshkol einen Großteil ihres Materials aus Textilabfällen bezog und somit oft ähnliche Vorlagen wie Hemdärmel oder Kragen verarbeitete. Zudem beschnitt sie niemals ihre Vorlagen, sondern ließ sie immer in ihrer jeweiligen Ausgangsform. Die Wall Carpets an sich sind zu großen Teilen als Großformate angelegt. Es finden sich jedoch auch Miniaturen, die von Eshkol "Children´s Carpets" genannt wurden.

Durch die Entdeckung des Archivs von Noa Eshkol ein Jahr nach ihrem Tod im Jahr 2007 durch die amerikanische Filmproduzentin, Künstlerin und Fotografin Sharon Lockhart fanden die Werke Eshkols neue Beachtung.
2013 wurden die textilen Kunstwerke in der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim ausgestellt. Dessen Kuratorin und Direktorin Beate Kemfert nimmt auf das Engagement Sharon Lockharts im Vorwort zu "Wall Carpets" Bezug:
"[...] Lockhart ist es maßgeblich zu verdanken, dass ein kaum bekanntes Kapitel der Kunst- und Tanzgeschichte neu beleuchtet werden kann."

Zu Lebzeiten Eshkols waren Ausstellungen mit ihren Arbeiten außerhalb Israels selten: Im Jahr 1978 stellte sie im Tel Aviv Museum of Art aus und 1980 waren ihre Arbeiten im Museum of Decorative Art in Kopenhagen und damit erstmals im Ausland zu sehen zu sehen. Zu jeder einzelnen Werkschau musste sie mühsam überredet werden, denn an einer Vermarktung ihrer Kunst war sie nicht interessiert. Vielmehr sah sie ihre Werke als eine Art zur Verarbeitung von Erlebtem und als eine Möglichkeit der Erinnerung. Erst nach ihrem Tod erfuhr sie in Europa und in Asien eine größere Aufmerksamkeit.

Die Arbeit an ihren Wall Carpets begann Eshkol, die in Tel Aviv lebte, erst 1973, nachdem sie schon erfolgreich etliche Jahre eine eigene Tanzgruppe geleitet und 1954 zusammen mit dem Architekten Avraham Wachman ein neues Notationssystem für Bewegungen ihrer Choreografien entwickelt hatte. Dieses lässt sich unter anderem auch auf Gebärdensprache übertragen.
Der durch den Überraschungsangriff Syriens und Ägyptens auf Israel ausgelöste Yom-Kippur-Krieg hatte direkten Einfluss auf ihr Schaffen, da nun das einzige männliche Mitglied ihrer Gruppe Militärdienst leistete. Daraufhin beschloss die Tanztheoretikerin, nicht mehr zu tanzen, solange die Kämpfe andauerten. Während dieser Zeit begann sie, ihren ersten Wandteppich zu fertigen. Dazu nahm sie eigene Kleidung und trennte sie auf. Zunächst steckte sie diese mit einfachen Nadeln fest, später nähte sie die Ränder zusammen. "Der erste Teppich" ("The First Carpet") nannte sie ihren ersten Wall Carpet schlicht. Die nachfolgenden Werke entstanden in Zusammenarbeit mit ihrer Gruppe. Während Eshkol die Form festlegte, befestigen die Tänzerinnen im Anschluss die Stoffe auf dem Untergrund. Das oft scheinbar unkoordinierte Zusammenfinden der unterschiedlichen Farben und Muster wirkt wie ein starker Kontrast zu ihren geordneten Tanzchoreografien, die sie nie durch Musik begleiten ließ. Lediglich ein Metronom gab den Takt an. Das Tanzen selbst sollte keine Unterhaltung sein, keine Geschichte erzählen. Dafür sprechen ihre Wall Carpets umso mehr.

Lebendige Geschichte(n)

Im Hebräischen bedeutet das Wort für "Teppich" auch "Erzählung" und so schildern beinahe alle Werke Eshkols eine eigene Geschichte oder verarbeiten Zeitgeschichte. So in dem Wall Carpet "Trauerteppich", der nach dem Ma´alot-Massaker am 15. Mai 1974 angefertigt wurde und von dem etwas ungemein Bedrückendes ausgeht. Das eigene Leben, Ansichten und Episoden spiegeln sich in vielen Teppichen wieder, so auch in den Werken "Tante Leahs Baum" oder in "Garten der Finzi-Contini". Pflanzen waren ein ständig wiederkehrendes Thema für Eshkol, ob nun Kirschblüten, Zaunwinden, Rankpflanzen oder Sumpfblumen, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch die Symbolik der einfachen Blätter oder Blüten ist oft vertreten, entweder als Hauptmotiv oder Hintergrund, manchmal sehr dezent, unauffällig und manchmal atemberaubend farbig und dominant. Auch einige der wenigen von ihr gefertigten Portraits sind abgebildet, darunter "König Mookey der Erste".

Geordnete Vielfalt

Den Großteil des Buches nehmen die zahlreichen ganzseitigen Abbildungen der Werke Noa Eshkols ein. Mooky Dagan, ein enger Freund, der schon zu ihren Lebzeiten die wenigen Ausstellungen organisiert und ausgerichtet hat, begleitet sie in Form von kurzen Texten. Diese geben lediglich einen Bezug, wollen nie erklären oder deuten. Das ist der Phantasie der Betrachterin oder des Betrachters überlassen. Mal erscheinen die Formen nachvollziehbar, nehmen uns an die Hand und führen uns in die abgelegenen Wüstenwelten oder in ein Blumenmeer. Dann wiederum lässt uns ein Bild fragend zurück. Vielleicht müssen wir später wiederkommen, um es zu entschlüsseln.

Trotz all der Farben- und Formenvielfalt verliert der Bildband selbst nie seine innere Ordnung. Die Gestaltung und Struktur wirkt insgesamt sehr ausgewogen, die Abbildungen sind durchgehend sorgsam ausgewählt. Bei einigen Wall Carpets finden sich einzelne Aspekte eines Teppichs noch einmal besonders hervorgehoben und vergrößert neben dem eigentlichen Werk wieder. Dadurch können neue Aspekte der Wall Carpets entdeckt werden und sich so zum Teil andere Interpretationsmöglichkeiten erschließen.
Auch die choreografierten, minimalistischen Tanzkompositionen, die sich vor allem mit der Bewegung des Körpers im Raum beschäftigten, finden hier ihren passenden Platz. Sie bilden einen Gegensatz zur Formenvielfalt der Wall Carpets und verbinden dennoch die vielfältigen Facetten Noa Eshkols in einer kontrastreichen Publikation.

AVIVA-Tipp: Auf Englisch und Deutsch setzt "Wall Carpets" die Werke von Noa Eshkol in diesem Bildband in Bezug zum Leben der Künstlerin. Die Betrachterin oder der Betrachter hat die Wahl zwischen leicht zugänglichen, aber auch komplexen Werken, hinter denen nie eine einfache Abbildung der Realität, sondern immer eine Geschichte steht.

Zur Künstlerin: Noa Eshkol, geboren 1924 im Kibbuz Degania Bet, gestorben 2007 in Holon, war eine vielseitig begabte israelische Künstlerin, Choreografin und Publizistin. Die Tochter der 1896 in Russland geborenen Rivka Marshak aus ihrer Ehe mit dem dritten israelischen Ministerpräsidenten, Levi Eshkol, entwickelte gemeinsam mit ihrem Mann Avraham Wachman ein Notationssystem für Tanz, um »vergängliche« Tanzbewegungen festzuhalten und ihnen somit eine dauerhafte Form zu geben. Als während des Yom-Kippur-Krieges ihr damals einziger männlicher Tänzer der Noa Eshkol Chamber Dance Group Militärdienst leistete, begann die Choreografin aus gefundenen oder gestifteten, unbeschnittenen Stoffstücken Wandteppiche zu gestalten. Ihr ganzes Leben lang widmete sie sich den Kompositionen ihrer Werke, die sie in Zusammenarbeit mit ihren Tänzerinnen erstellte, aber auch weiterhin unermüdlich ihren Tanzformationen.
Von 1972-1990 war Noa Eshkol Professorin in der "Faculty of Visual and Performing Arts,Tel Aviv University".
(Quelle Verlagsinformationen)
Weitere Informationen auf der Website des Eshkol-Wachman Movement Notation Center, das 2008 nach den Wünschen Noa Eshkols in ihrem Testament gegründet wurde: www.ewmncenter.com

Noa Eshkol
Wall Carpets

Herausgeberin: Beate Kemfert, Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim
Texte von Kristine Dehn, Noa Eshkol, Wiebke Hüster, Beate Kemfert, Gestaltung von Gabriele Sabolewski
Hatje Cantz Verlag, erschienen November 2013
Gebunden, 128 Seiten, 85 Abbildungen
Deutsch, Englisch
ISBN: 978-3-7757-3751-7
24,80 Euro
www.hatjecantz.de

Weiterlesen:

Sharon Lockhart | Noa Eshkol, Prestel Verlag USA, 2012, Stephanie Barron (Editor), Britt Salvesen (Editor)



(Quelle: Eshkol-Wachman Movement Notation Center, Random House, Hatje Cantz Verlag)


Literatur Beitrag vom 20.05.2014 AVIVA-Redaktion 

   




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