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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 30.05.2014

Sarah Crossan - Die Sprache des Wassers
Bärbel Gerdes

So viel Klugheit, Emotion, sprachliche Brillanz in einem kleinen Band! Die irische Schriftstellerin schreibt in ihrem Versroman einer Auswanderung von der Bedeutung des Fremdseins und dem Glück...



... des Schwimmens.

Nominiert vom Deutschen Jugendliteraturpreis, Jugendbuch des Monats März 2014 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, LUCHS des Monats Februar 2014 … dies ist nur eine Auswahl der Auszeichnungen, die Sarah Crossan für Die Sprache des Wassers in Deutschland einheimste. Hinzu kommen zahlreiche internationale Preise, und das für ein Buch, das schon durch seinen Stil auf sich aufmerksam macht.

Es besteht aus zahlreichen, sehr kurzen Kapiteln, die manchmal nur eine halbe Seite füllen. Der Text ist in Versform verfasst, es sind freie, reimlose Verse. Auf diesem knappen Raum aber ver-dichtet die Autorin das Drama eines fast dreizehnjährigen Mädchens zu einem komplexen Werk.

Kasienka reist mit ihrer Mutter und nur einem Koffer und einem alten Wäschesack vom polnischen Gdansk nach London. Ihr Vater hat die Familie unerwartet verlassen, die Mutter möchte ihn suchen und zurück holen. Schon die Ankunft in London-Stansted ist unsentimental und kalt, hat es je eine AuswandererInnenromantik gegeben, so ist sie hier nicht vorhanden:
"Nichts auch nur annähernd so Romantisches
wie ein Blick auf
die Freiheitsstatue
heißt uns willkommen."


Die beiden finden eine Einzimmerwohnung in Coventry, die Mutter arbeit in einem Krankenhaus, Kasienka geht zur Schule. Aber statt in die sechste Klasse wird sie in die fünfte zu lauter Elfjährigen geschickt, obgleich sie den anderen in Vielem weit voraus ist. Ihr Name wird in Cassie umbenannt, sie ist "die Fremde" in der Klasse, die nicht dazugehört.

Sarah Crossan beschreibt eindrucksvoll, was Ausgrenzung und Mobbing mit einem Menschen machen. Feinfühlig führt sie der Leserin den Spagat zwischen Abgrenzung gegen diese Ungerechtigkeiten und dem Bedürfnis und Wunsch, dazuzugehören und eine von ihnen zu sein, vor Augen. Klug reflektiert sie Kasienkas widersprüchliche Gefühle, als eine weitere Fremde in die Klasse kommt:
"Du bist die Neue in der Klasse
und vielleicht werden sie dich hassen,
anstatt mich."


Die Täterinnen sind Mädchen, die einfach nur feindselig sind und sich alle möglichen Quälereien ausdenken, aber auch jene vom Mitleidsclub, die sich umdrehen und weggucken, die am Mobbing nicht teilnehmen, aber auch nicht einschreiten dagegen, sondern nur mitleidige Blicke hinüber schicken:
"Also -
sie sind nicht grausam.
Sie sind der Mitleidsclub.
Und ich weiß nicht, was schlimmer ist:
Mitleid oder Verfolgung."


Derweil verliert sich die Mutter in den Straßen Coventrys auf der Suche nach ihrem Mann. Kasienka muss sie als Übersetzerin begleiten. Die beiden klingeln buchstäblich an jeder Tür, grasen Straße für Straße ab.

Lichtblicke in dieser tristen und ablehnenden Welt sind der Nachbar Kanoro, der als Putzmann in einem Krankenhaus arbeitet – ein ausgebildeter Kinderarzt aus Kenia - und William, ein Junge, in den sich Kasienka verliebt und der ihr rät, für sich selbst einzustehen. Behutsam und sehr langsam nähern sich Mutter und Tochter dem fremden Nachbarn an, was eine Parallele in der Annäherung zwischen William und Kasienka findet.

Ihr größtes Glück und ihre größte Kraft aber erhält Cassie durch das Schwimmen. Das Mädchen ist eine leidenschaftliche und talentierte Schwimmerin. Das Wasser ist ihr Zuhause:
"Das Wasser ist eine eigene Welt,
ein Land mit seiner eigenen Sprache,
und die spreche ich fließend."


Die Wassermetaphorik findet sich im gesamten Buch: im Eintauchen in ein neues Land, in eine neue Sprache, im Eintauchen in eine neue Liebe und vielleicht einer neuen Identität. Und wie im Wasser muss Kasienka auch im realen Leben lernen, sich selbst zu vertrauen
"Ich muss Vertrauen in mich haben,
in das Element
und in meinen Körper,
in die Kraft jedes Körperteils.

Draußen am Beckenrand mag ich hässlich sein,
aber wenn ich in Schwimmzügen spreche,
bin ich wunderschön."


AVIVA-Tipp: Sarah Crossan hat einen poetischen, stillen, dabei niemals kitschigen Jugendroman über Emigration, Erwachsenwerden und Selbstbehauptung geschrieben, der sicherlich auch für Erwachsene sehr lesenswert ist und manchen Emigrationsroman in den Schatten stellt. Die Übersetzerin Cordula Setzman hat den Text mit viel Gespür für die Poesie des Originals ins Deutsche übertragen.

Zur Autorin: Sarah Crossan wuchs in Irland und England aus, studierte Philosophie und Literatur, hat einen Masterabschluss in Creative Writing und arbeitete als Englisch- und Schauspiellehrerin an der Cambridge University, bevor sie freie Schriftstellerin wurde. Crossan schreibt Bücher für Kinder und Erwachsene, einige ihrer Lieblingsautorinnen sind Virginia Woolf , Jeannette Winterson und Margaret Atwood. Sie lebt in London.
www.sarahcrossan.com

Zur Übersetzerin: Cordula Setzman, 1975 in Niedersachsen geboren, ist freie Kinder- und Jugendbuchautorin und Übersetzerin. Studium der Anglistik, Skandinavistik und Germanistik in Tübingen. Langjährige Tätigkeit im Lektorat verschiedener Kinder- und Jugendbuchverlage. Setzman lebt in Fürth.


Sarah Crossan
Die Sprache des Wassers

Originaltitel: The Weight of Water
Aus dem Englischen übersetzt von Cordula Setzman
mixtvision Verlag, erschienen im Juli 2013
232 S.
ISBN 978-3939435846
13,90 Euro
www.mixtvision-verlag.de

Diesen Titel können Sie online bestellen bei FEMBooks

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Rena Dumont – Paradiessucher



Literatur Beitrag vom 30.05.2014 Bärbel Gerdes 

   




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