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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 02.06.2014

Jagoda Marinic - Restaurant Dalmatia
Kristina Tencic

Feinfühlig porträtiert die deutsch-kroatische Schriftstellerin, Journalistin und Theaterautorin die Verbunden- und Zerrissenheit einer sogenannten Gastarbeiterfamilie aus Ex-Jugoslawien in Berlin...



... und erzählt dabei scheinbar im Vorbeigehen die Geschichte Europas der letzten zwei Jahrhunderte.

Der Erfolg schnürt ihr die Luft ab. Es kommt Mia wie gestern vor, da sie mit der Polaroidkamera ihrer Eltern die Mauer an der Bernauer Straße fotografiert hat und nun interessieren sich in Kanada tatsächlich Galerien und KunstsammlerInnen für ihre Bilder. Der Erfolg fühlt sich für Mia wie ein Scheitern an. Sie stürzt geradewegs in eine Depression. Wie lässt sich das nur umkehren? Mias kanadischer Freund Rafael ahnt, dass Mias Verschwiegenheit etwas zu bedeuten hat, dass sie etwas aufarbeiten muss, bei dem er ihr nicht helfen kann.

Allein fliegt Mia nach Berlin, in ihre alte Heimat – aber was bedeutet Heimat, wenn mensch als GastarbeiterInnenkind im Westberliner Wedding aufwuchs, auf eine gute Schule ging, in der sie sich jedoch stets als Ausländerin fühlte, und dann in der anderen Heimat Jugoslawien auch immer nur als "die Deutsche" gesehen wurde? Zurück an dem Rückzugsort ihrer Kindheit, dem Restaurant Dalmatia ihrer Tante Zora, ist scheinbar alles gleich geblieben: Da sitzt noch immer ihr alter Freund und intellektueller Taugenichts Jesus am Angestelltentisch, als ob kein Tag vergangen ist seit ihrer plötzlichen Ausreise vor knapp zwanzig Jahren. Doch was sucht Mia eigentlich?

Jagoda Marinic zeichnet das feinfühlige Porträt einer jungen Frau und ihren Nächsten in einem vielstimmigen, authentischen Roman, der deutlich macht, dass sich die Vergangenheit nicht einfach abschütteln lässt und Geschichten erzählt statt vergessen werden wollen. Mit "Restaurant Dalmatia" vollzieht Marinic meisterhaft den Drahtseilakt zwischen biographischem und historisch-politischem Zeugnis, und bildet ohne Folklore oder "Multikulti" die Lebenswelt derer ab, die sich per definitionem als Gäste in diesem Land fühlten und fühlen.

"Ihre Eltern waren Gastarbeiter. Gastarbeiter gab es hier in Massen, aber eben keine Immigranten. Wenn Begriffe prägen, dann programmierte dieses Wort das Gefühl eines Provisoriums in das Lebensfundament der Eingewanderten. Vom ersten Tag an waren sie nur Gast. Sie hatte einmal gelesen, Australien hätte seine Einwanderer bei ihrer Ankunft als New Australians willkommen geheißen. Was wäre gewesen, wenn ihre Eltern als neue Deutsche hier angekommen wären?"

Wie dieser Stempel die erste, zweite und nachfolgende Generation im Gast- und Herkunftsland beeinflusst, davon handelt "Restaurant Dalmatia". Denn kann ein kleines Restaurant eine Ersatzheimat stellen, wenn das Geburtsland einen nicht haben möchte, das "Vaterland" aufgehört hat zu existieren und die neue Welt die alte nicht vergessen machen kann?

AVIVA-Tipp: Die deutsch-kroatische Autorin Jagoda Marinic führt uns in ihrem Zwischen-drei-Welten-Roman ohne Weichzeichner vor Augen, dass der persönliche Traum vom besseren Leben für sich und seine Liebsten sehr brüchig, kontradiktorisch und sensibel ist, und somit nur individuell und aufrichtig erzählt werden kann. Mensch kann sich nur wünschen, dass sich noch mehr solcher poetischer, eindringlicher und kluger Erzählstimmen von ImmigrantInnen in diesem Land zu Wort melden.

Zur Autorin: Jagoda Marinic wurde 1977 im schwäbischen Waiblingen geboren und studierte Germanistik und Politikwissenschaften. Als deutsch-kroatische Schriftstellerin, Journalistin und Theaterautorin schreibt sie nicht nur, sondern engagiert sich auch politisch sehr für das Thema Immigration und Integration. Nach ihren Erzählbänden "Russische Bücher" (2001) und "Eigentlich ein Heiratsantrag (2005), erschien 2006 ihr für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominierte Debutroman "Die Namenlose", und 2013 sowohl ihre "Gebrauchsanweisung für Kroatien" als auch "Restaurant Dalmatia".
Seit 2012 leitet sie das Interkulturelle Zentrum i.G. in Heidelberg. In ihrer Rede "Was ist deutsch in Deutschland?", die sie als Auftakt der 3. Nürnberger Integrationskonferenz 2013 gehalten hat, forderte sie eine Narration für das Einwanderungsland Deutschland.
Jagoda Mariniæs Rede "Was ist deutsch in Deutschland" ist online unter: www.youtube.com
Nach längeren Aufenthalten in Zagreb, Split, New York und Berlin lebt und arbeitet sie momentan in Heidelberg.
Der persönliche Blog der Autorin: www.jagodamarinic.de


Jagoda Marinic
Restaurant Dalmatia

Hoffmann und Campe, erschienen Oktober 2013
Schutzumschlag, 240 Seiten
ISBN: 978-3-455-40457-9
19,90 Euro
www.hoffmann-und-campe.de

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Literatur Beitrag vom 02.06.2014 Kristina Tencic 

   




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