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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 10.06.2014

Katja Petrowskaja - Vielleicht Esther
Lisa Sophie K├Ąmmer

Hatte sie wirklich Esther gehei├čen? Einf├╝hlsame literarische Tiefenbohrungen in die eigene Familiengeschichte legen Namen einer fernen Vergangenheit frei, in die kein Weg mehr zur├╝ckf├╝hrt.



Wie ist es gewesen und was, wenn alles anders verlaufen w├Ąre? Nach dem Tod ihrer Tante und der anschlie├čenden Erkenntnis, sich mittels pers├Ânlicher Gespr├Ąche nicht mehr den "Windm├╝hlen der Erinnerung" stellen zu k├Ânnen, sind es diese Fragen, die die Autorin Katja Petrowskaja umtreiben.

Um die Geschichte ihrer j├╝dischen Familie, deren Mitglieder sie zeitlebens an einer Hand abz├Ąhlen konnte, in der Folge nachzuzeichnen, begibt sich die 1970 in Kiew geborene Journalistin auf die Suche nach den eigenen Wurzeln. Im Zuge ihrer Recherchen f├╝hrt es sie zuerst nach Warschau, wo ihr Urgro├čvater zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Schule f├╝r Taubstumme leitete. Das Unterrichten taubstummer Kinder wird von Petrowskaja dabei mit unverkennbarer Anerkennung besonders herausgestellt, handelte es sich doch um eine altruistische T├Ątigkeit, die ihre Verwandten m├╝tterlicherseits bereits in der siebten Generation aus├╝bten.

Von Polen, wo ihre Vorfahren bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lebten und um deren "westliche" Herkunft sie von der jungen Sowjetb├╝rgerin Petrowskaja Jahrzehnte sp├Ąter beneidet wurden, verschl├Ągt es die Autorin schlie├člich in ihre Geburtsstadt. In der "Weiberschlucht" von Babi Jar vernimmt sie retrospektiv die letzten Lebenszeichen ihrer Urgro├čmutter und Gro├čtante, bevor die beiden an einem sonnigen Herbsttag 1941 von deutschen und ukrainischen Soldaten ermordet wurden. Das titelgebende Kapitel "Vielleicht Esther" bildet hierbei das Herzst├╝ck dieser intimen Reise in die Vergangenheit. Basierend auf einer Zeugenaussage unternimmt Petrowskaja darin den Versuch, die letzten Stunden ihrer namenlosen Urgro├čmutter zu rekonstruieren, die schlie├člich mit der Erschie├čung der gebrechlichen Frau im besetzten Kiew enden. Ob sie wirklich Esther gehei├čen hatte, bleibt offen.

Wie prek├Ąr die Rekonstruktion der eigenen Familiengeschichte letztlich ist, l├Ąsst Petrowskaja ihre LeserInnen umstandslos wissen. Um eine "totale R├╝ckkehr, wie im M├Ąrchen vom goldenen Schl├╝ssel, der auf dem Boden eines Sumpfes liegt und eine T├╝r aufschlie├čen soll", handelt es sich demnach keinesfalls. Die eigenen Recherchen stellen vielmehr eine nie enden wollende Sisyphusarbeit dar, durch die neue Fragen aufgeworfen werden, die als solche keine klaren Ergebnislinien erkennen lassen. ├ťberdies negiert die Suche nach den eigenen Wurzeln, die f├╝r Petrowskaja l├Ąngst zur Sucht geworden ist, pers├Ânliche Erwartungshaltungen und Imaginationen; sie entrinnt gewisserma├čen den eigenen H├Ąnden und offenbart so eine "Vergangenheit, die lebt, wie sie will" . Dass die Gewissheit dabei jedoch immer auch in der Vermutung lebt, ist wohl eine der sch├Ânsten Schlussfolgerungen dieser lebensbejahenden Familienbiografie.

Zur Autorin: Katja Petrowskaja, 1970 in Kiew geboren, studierte Literaturwissenschaft und Slawistik. Nach ihrer Promotion an der Universit├Ąt Moskau ging sie nach Berlin, wo sie gegenw├Ąrtig als Journalistin f├╝r deutsche und russische Print- und Netzmedien arbeitet. F├╝r ihr Werk "Vielleicht Esther" erhielt sie 2013 den Ingeborg-Bachmann-Preis.

AVIVA-Tipp: Katja Petrowskajas "Vielleicht Esther" entf├╝hrt die LeserInnen in eine bildreiche und klangvolle Welt der Vergangenheit, die in der Realit├Ąt l├Ąngst verstummt ist. In assoziativen Bildern und authentischen Dialogen erz├Ąhlt die Autorin die Geschichten einfacher Menschen, deren Hoffnungen, Gl├╝ckseligkeiten und ├ängste mit jeder Seite regelrecht sp├╝rbar und deren Schicksale so in besonderer Weise erfahrbar werden. Anhand einer Vielzahl intimer Lebensgeschichten, die durch private Dokumente aus Archiven und privaten Sammlungen erhellt werden, pr├Ąsentiert sich der Leserin so ein gro├čartig erz├Ąhltes Panorama des 20. Jahrhunderts.

Katja Petrowskaja
Vielleicht Esther

Suhrkamp Verlag, erschienen am 10.03.2014
288 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-518-42404-9
19,95 Euro
www.suhrkamp.de


Weitere Infos unter:

Katja Petrowskaja liest "Vielleicht Esther"

Katja Petrowskaja im Gespr├Ąch, 12.05.2014 Bayerisches Fernsehen

Videoportr├Ąt, Lesungen und Diskussionen der Bachmannpreis-Autoren 2013

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Margarita Chemlin - Die Stille um Maja Abramowna



















Literatur Beitrag vom 10.06.2014 Lisa Sophie K├Ąmmer 

   




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