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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 05.09.2014

Katja Kettu – Wildauge
Lisa Sophie Kämmer

Lappland während des Zweiten Weltkriegs. Inmitten rauer Fjordlandschaften entzündet sich eine ungestüme Liebe, die das Leben einer finnischen Krankenschwester und eines SS-Offiziers ...



... für immer verändert.

Eine Nacht im Juni 1944. Trotz des beißenden Geruchs von Blut, Schleimhäuten und Urin konnte sie seinen Geruch deutlich wahrnehmen. Inmitten einer langwierigen Geburt, die sie als örtliche Hebamme leitete, war er es, der schweigsame SS-Offizier Johann Angelhurst, dessen Duft ihr Blut zum Sieden brachte. Und sie wusste augenblicklich: Nur er sollte ihr Mann sein, nur er sollte sie "bespringen, beschälen und markieren", damit jeder wusste, dass sie für immer zusammengehörten.

Infolge dieser ersten Begegnung entspinnt sich zwischen den beiden eine kraftvolle Liebesbeziehung, deren körperliches Verlangen trotz oder gerade wegen des Krieges eine losgelöste Zügellosigkeit erfährt. Für wenige Wochen erleben sie so inmitten des zerstörerischen "Weltenbrandes" intime Momente gegenseitiger Begierde, in denen er sie sein "Wildauge" nennt. Denn das ist es, was ihn so an ihr fasziniert: Ihr wilder, furchtloser Blick, der ihm signalisiert, dass sie keine Angst vor ihm, dem "Deutschmann" im Dienste des "Dritten Reichs" hat.

Als Kommandant der berüchtigten Einsatzgruppe C war Johann an dem Massaker von Babi Jar beteiligt, bei dem 1941 mehr als 33.000 Juden ermordet wurden. Und dennoch: sie will nur ihn. Sie will raus aus der "Welt der gerissenen Dämme", will seine Frau sein. Als er in ein Gefangenenlager der SS abkommandiert wird, lässt sich "Wildauge" als Krankenschwester auch dorthin versetzen und wird so letztlich selbst zum Handlanger der deutschen Besatzer. Sie führt Abtreibungen an inhaftierten Gefangeninnen durch und kontrolliert, ob es unter den neuen Häftlingen "Vorhautlose" gibt, damit diese vorschriftsgemäß "aussortiert" werden.
Ihre Liebe ist bedingungslos. Sie tut alles für sie. Aber währt sie auch für immer?

Zur Autorin: Katja Kettu, geboren 1978 in Rovaniemi, Finnland, beendete 2001 ihr Animationsstudium an der Kunstakademie Turku und studierte anschließend Medienkultur und Finnländische Literatur an der Universität Tampere. Neben ihrer Arbeit als Filmproduzentin und Sängerin veröffentlichte sie 2005 ihren ersten Roman "Surujenkerääjä", der mit dem Tiiliskivi-Preis ausgezeichnet wurde. Der große Durchbruch als Schriftstellerin gelang ihr schließlich 2011 mit der Veröffentlichung ihres dritten Romans "Kätilö" ("Wildauge"). Das umstrittene Buch, das auf den Tagebuchaufzeichnungen ihrer Großmutter basiert, führte in Finnland über mehrere Wochen die Bestsellerlisten an und wurde in 14 weiteren Ländern veröffentlicht. Eine Verfilmung des Romans ist gegenwärtig in Planung.

AVIVA-Tipp: Katja Kettu ist ein furioser Roman gelungen, der die Leserin durch seine rauen und kantigen Sprachbilder in eine archaische Welt des hohen Nordens führt. Es sind fantasievolle Namen und ungewöhnliche Formulierungen, die es so erlauben, die Leidenschaft und Brutalität einer umstrittenen Liebesgeschichte eindrücklich nachzuempfinden. Der Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht, indem Kettu die Geschichte ihrer Großeltern nacherzählt, besticht vor allem aber dadurch, dass er wesentlich dazu beigetragen hat, Kollaboration und Verstrickung während der deutschen Besatzung auch in Finnland zu thematisieren. Wurden besonders Liebesverhältnisse zu deutschen Soldaten bis dahin totgeschwiegen, so zeigt dieses Buch erstmals mit unverstelltem Blick, wozu Menschen im Krieg und in der Liebe fähig sind.

Katja Kettu
Wildauge

Originaltitel: Kätilö
Aus dem Finnischen übersetzt von Angela Plöger
Verlag Galiani Berlin, erschienen am 14.08.2014
416 Seiten, kartoniert mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-86971-082-2
19,99 Euro
www.galiani.de

Weitere Infos unter:

Katja Kettu liest "Wildauge": www.galiani.de/termine

www.deutschlandradiokultur.de "Das Schweigen endgültig gebrochen", Beitrag und Interview mit Katja Kettu vom 03.09.2014 im Deutschlandradio

www.zeit.de"Finnische Schriftstellerinnen arbeiten die Folgen des Zweiten Weltkriegs auf", Artikel vom 12.11.2013 auf ZEIT ONLINE

www.buchmesse.de/de/ehrengast, Finnland. Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2014

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Randi Crott und Lillian Crott Berthung - Erzähl es niemandem





Literatur Beitrag vom 05.09.2014 Lisa Sophie Kämmer 

   




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