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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 11.12.2014

Zadie Smith - Die Botschaft von Kambodscha
Dorothee Kröger

Für eine junge Frau wird der Migrationshintergrund zum –vordergrund: Die Wahrnehmung der BewohnerInnen des Londoner Stadtteils Willesden räumen Fatou eine Randexistenz ein, gegen die sie aufbegehrt.



Alter Raum, neuer Blickwinkel

Zähne zeigt Fatou in "Die Botschaft von Kambodscha", Zadie Smiths Kurzgeschichte, die im Juni 2014 im Verlag Kiepenheuer und Witsch in einer zweisprachigen Ausgabe, auf Deutsch und Englisch, erschien. Die Schriftstellerin, die durch ihren Roman "Zähne zeigen" bekannt wurde, führt erneut ein in den Londoner Stadtteil Willesden. Hier wird zwischen der Ghanaerin Fatou und den StadtteilbewohnerInnen die Frage der Aufmerksamkeit durchleuchtet:

"Es spricht einiges dafür, einen Kreis um unsere Aufmerksamkeit zu ziehen und uns innerhalb dieses Kreises zu bewegen. Aber wie groß sollte so ein Kreis sein?" fragt ein kollektives Wir, welches das Denken der LondonerInnen repräsentiert. Zwischen ihm und der Individualperspektive Fatous wird die Frage, welchen Dingen im Leben Aufmerksamkeit gebührt, nicht explizit, jedoch impuls-gebend verhandelt.

Fatous Blickwinkel öffnet ein großes Fragenspektrum. Die junge Frau, die bei Familie Derawal angestellt ist, nicht entlohnt, hin und wieder geschlagen und mit Indifferenz begegnet wird, lebt einen Alltag, der stets gleich ist: Montags geht sie schwimmen, sie erledigt die Hausarbeit und trifft sich mit einem Freund namens Andrew. Doch ihr Denken und ihre Wahrnehmung driften stets ab und greifen Gedanken auf, die meist nur angestoßen, aber selten ausgeführt werden.

Von der Aufmerksamkeit anderer an den Rand gedrängt
Durch den Titel wird eine Erwartung suggeriert, die Botschaft von Kambodscha werde eine zentrale Rolle in der Erzählung einnehmen. Diese wird unterwandert. Ganz bewusst schreibt Smith ihr analog zur Protagonistin eine Randposition zu, sie liegt lediglich auf dem Weg zu dem Schwimmbad, das Fatou montags besucht. Die junge Ghanaerin wird selbst von der Familie Derawal in eine Randexistenz geschoben, in welcher sie keine Ansprüche erheben darf. So fragt sich Fatou, ob sie eine Sklavin sei. Nur scheinbar naiv verneint sie sich die Frage. Durch ihre Wissbegierde will sie sich der verordneten Unmündigkeit entheben.

Plong, zack, Plong, zack. - Hinter den Mauern der Botschaft Kambodschas wird Federball gespielt. Was federleicht scheint, enthüllt der Perspektiven-Wechsel zwischen den BewohnerInnen und Fatou: Ihre Interessen, aber auch die wirtschaftliche Lage des Landes Kambodscha sind für LondonerInnen – London kann wohl repräsentativ für Westeuropa und Kapitalismus stehen – ein Spielball.

Die junge Frau wendet sich mit ihren Fragen stets an ihren Freund Andrew, ein frommer Christ. Als eine Art Mentor wird er dargestellt, der auf jede Frage eine Antwort hat, weil er studiert. Das Verhältnis der beiden ist im Sinne konventioneller Geschlechterrollen angelegt. Gemeinsam werfen die beiden allerlei Gedanken zusammen: Den Genozid in Ruanda und Kambodscha, postkoloniale Strukturen, christliche Erlösung und viele Entdeckungsphantasien Fatous, wie "die Orientalen [mit] eigenen, geheimen Geschäften".

Sicherlich lassen sich solche Gedanken als lediglich vermeintlich naiv kennzeichnen. Subversiv im Sinne westlichem Hegemonialdenken formuliert, um es zu unterwandern. Doch der Raum, auf dem Zadie Smith die Impulse Fatous anlegt, ist dafür vermessen. Es scheint, dass die Ghanaerin ihrer Alltags-Tristesse lediglich mit Themen von Weltrang, wie der Sklaverei oder dem Regime Chinas begegnen kann. Um Fatous Wissbegierde jedoch als eine Form der Mündigkeit, die sie dem "Wir" Willesden entgegenzusetzen weiß, erfahrbar zu machen, bedürfte es, ihren Charakter zu entfalten. Auf diese Art stellen sich ihre Gedanken hin und wieder naiv und durchaus willkürlich dar, obwohl die Intention erkennbar ist.

AVIVA-Fazit: Aufmerksamkeit stiftet Zadie Smith mit ihrer Kurzgeschichte, und zwar sehr breit angelegt. Fragen werden bewusst offen gelassen und verschränken sich. Es wird deutlich, wie schmal die Stilgrenze zwischen kunstvoller Verdichtung und Themenwillkür ist. Hierüber wird jede ihr eigenes Urteil fällen müssen.

Zur Autorin: Zadie Smith wurde 1975 in Willesden/Nord-Londons als Tochter jamaikanisch-britischer Eltern geboren. Im Alter von vierzehn Jahren änderte sie ihren Geburtsnamen Sadie in "Zadie". Nach dem großen Erfolg ihres Debuts "Zähne zeigen" (im englischen Original "White Teeth"), für das sie unter anderem mit dem Guardian First Book Award ausgezeichnet wurde, veröffentlichte Smith 2002 ihren Roman "Der Autogrammhändler", der vom Feuilleton allerdings nicht im selben Maße beachtet wurde wie ihr Erstlingswerk. Ihr dritter Roman "Von der Schönheit", erschienen 2006, konnte an alte Erfolge anknüpfen und wurde u.a. mit dem Orange Prize for Fiction ausgezeichnet. Smith ist verheiratet und lebt in New York. Zuletzt erschien ihr Roman "London NW" im KiWi-Verlag.

Zadie Smith
Die Botschaft von Kambodscha

Titel der Originalausgabe: The Embassy of Cambodia
Aus dem Englischen von Tanja Handels
Verlag Kiepenheuer und Witsch, erschienen im Juni 2014
128 Seiten, Taschenbuch
7, 99 Euro
ISBN: 978-3-462-04685-4

Weitere Infos unter:
www.kiwi-verlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Zadie Smith - London NW

Das Buch der Anderen – Herausgegeben von Zadie Smith

Literatur Beitrag vom 11.12.2014 AVIVA-Redaktion 

   




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