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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 08.02.2015

Luca Crippa und Maurizio Onnis - Wilhelm Brasse. Der Fotograf von Auschwitz
Lisa Sophie Kämmer

Die erste Biographie √ľber das Leben des Fotografen und KZ-H√§ftlings Wilhelm Brasse, der gezwungen wurde, f√ľr den Erkennungsdienst der SS zu arbeiten. Seine an die 50.000 Fotos dokumentieren ...



... das Leben und Sterben in Auschwitz.

Wer, der sie einmal gesehen hat, erinnert sich ihrer nicht? Der Schwarz-Wei√ü Fotografien von Auschwitz. Von dem Ort, der bis heute wie kein zweiter f√ľr die Verbrechen der Nationalsozialisten und ihrer Kollaborateure in Europa steht. Der Ort, an dem letztere zwischen 1940 und 1945 circa 1,1 Millionen Menschen verhungern, erschie√üen, vergasen oder ‚Äď nachdem sie als Objekte f√ľr wissenschaftliche Experimente ausgedient hatten ‚Äď von SS-√Ąrzten "abspritzen" lie√üen. Die individuellen Lebensgeschichten von mehr als einer Million zumeist j√ľdischer Frauen, Kinder und M√§nner trafen binnen dieser Jahre in Auschwitz zusammen ‚Äď bis sie sich schlie√ülich in Asche und Staub aufl√∂sten.

Neben ihren Namen auf den Deportationslisten, die das industrielle T√∂ten in den Vernichtungslagern und dessen "Effizienz" dokumentieren sollten, sind es diese Fotos, die die letzten Momente ihres Lebens einfangen. Die Aufnahmen legen auf diese Weise eindr√ľcklich Zeugnis davon ab, zu welchen Taten der Mensch f√§hig ist, indem sie der Nachwelt das schier Unfassbare vor Augen f√ľhren: ver√§ngstigte, sich aneinanderklammernde Familien an den Selektions-Rampen, ausgemergelte, apathisch blickende Gestalten, die wie Gespenster durch das Lager streifen, in der st√§ndigen Erwartung, bald selbst auf einem der vielen anonymen Leichenberge zu enden.

Doch von wem stammen die Aufnahmen? Mit dieser Frage beginnt die biografische Spurensuche der beiden italienischen Journalisten Luca Crippa und Maurizio Onnis, in deren Folge sie das Leben von Wilhelm Brasse, dem Fotografen von Auschwitz, erstmals in einem Buch nachzeichnen.

Wilhelm Brasse ist selbst H√§ftling in Auschwitz gewesen. Nach einem fehlgeschlagenen Fluchtversuch nach Frankreich, wo sich der 23 J√§hrige Pole dem Widerstand anschlie√üen wollte, wurde er 1939 gefasst und wenige Monate sp√§ter als einer der ersten H√§ftlinge nach Auschwitz deportiert. Als ausgebildeter Fotograf, dessen Vater √∂sterreichischer Christ und somit "arisch" war, kommandierte man ihn nach kurzer Zeit f√ľr den Erkennungsdienst der SS ab. In einem sporadisch zusammengezimmerten Fotostudio fertigte Brasse etwa 50.000 Fotos von H√§ftlingen, aber auch dem ber√ľchtigten Lager-Personal an. Die bekannten Bilder eines freundlich dreinblickenden Josef Mengeles, dessen Experimente ebenfalls zu dokumentieren waren, stammen also aus der Hand des jungen polnischen Fotografen.

Wilhelm Brasse machte es sich dabei von Beginn an zur Aufgabe, die H√§ftlinge nicht allein der Registrierung wegen zu fotografieren, sondern um aus Respekt vor ihrem Leben und Schicksal ein letztes, m√∂glichst ehrenhaftes Bild von ihnen anzufertigen. In aufwendigen Nacharbeiten retuschierte er so die Aufnahmen, √ľberdeckte blaue Flecken und andere Wunden, um den Frauen und M√§nnern ein St√ľck Menschlichkeit zur√ľckzugeben, die man ihnen geraubt hatte und bar der sie der Vergessenheit preisgegeben werden sollten. Und Brasse ging noch weiter. Er schmuggelte Fotos, die die Schrecken des Lagerlebens dokumentierten, nach drau√üen. Er wollte, dass alle Welt sieht, was in Auschwitz passiert. Deswegen entschied er sich schlie√ülich auch unter Lebensgefahr, die Fotos vor den SS-M√§nnern, die bei ihrer Flucht so viele Beweise wie m√∂glich vernichten wollten, zu retten.

Wilhelm Brasse gelang es in der Folge, zahlreiche Aufnahmen zu retten, indem er diese versteckte. Nachdem er angesichts der heranr√ľckenden Roten Armee gemeinsam mit anderen H√§ftlingen in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert worden war, kehrte er nach seiner Befreiung im Mai 1945 zur√ľck nach Polen. Nur wenige Kilometer von Auschwitz entfernt lebte er dort bis zu seinem Tod am 23. Oktober 2012. Als Fotograf konnte er ‚Äď nach allem was er in Auschwitz erlebt hatte ‚Äď nie wieder arbeiten.

Zu den Autoren: Luca Crippa studierte Philosophie und Theologie. Er ver√∂ffentlichte ein Buch √ľber die Darstellung von H√∂lle und Paradies in den K√ľnsten sowie zahlreiche historische Abhandlungen, Romane und Dokumentationen. Er lebt in der N√§he von Mailand. Maurizio Onnis wurde 1969 in Cagliari geboren. Er studierte Anthropologie und Geschichte, schrieb historische Untersuchungen, Romane und Theaterst√ľcke und lebt und arbeitet als Journalist und Lektor auf Sardinien.
Crippa und Onnis arbeiten gegenw√§rtig an einer Biographie √ľber die heute in den USA lebende Schriftstellerin und B√ľrgerrechtlerin Hedy Epstein, die mit einem Kindertransport 1939 nach England floh.

Zum √úbersetzer: Bruno Genzler 1957 geboren, studierte Germanistik und Geschichte. Nachdem er mehrere Jahre in Italien gelebt hat, arbeitet er heute als √úbersetzer in der N√§he von Frankfurt a.M. Neben Romanen von Lidia Raver, Giovanni Chiara, Francesco Guccini und Loriano Macchiavelli √ľbertrug er zahlreiche Werke des Schriftstellers und Filmregisseurs Luciano De Crescenzo ins Deutsche.

AVIVA-Tipp: Crippa und Onnis ist eine bewegende Biographie gelungen, die eindringlich von den Schicksalen der fotografierten und sp√§ter zu Tausenden in Auschwitz ermordeten Frauen, Kinder und M√§nner berichtet. Das Buch erz√§hlt so aus der pers√∂nlichen Perspektive des Zeitzeugen Wilhelm Brasse um welche Personen es sich auf den Aufnahmen handelt und welche Geschichten sich mit ihnen verbinden. Neben diesen zumeist bislang unbekannten Einzelschicksalen sind es vor allem aber auch die Erfahrungen und Gef√ľhle des ehemaligen politischen H√§ftlings Brasse selbst, die die Leserin bewegen. Sein innerer Disput um die Frage, wie er selbst helfen kann und warum letztlich er, anstelle seiner Mith√§ftlinge, denen er zu Tausenden gegen√ľbersa√ü und die er fotografierte, √ľberlebte, ergreifen dabei in besonderer Weise.

Luca Crippa und Maurizio Onnis
Wilhelm Brasse. Der Fotograf von Auschwitz

Originaltitel: Il fotografo di Auschwitz
Aus dem Italienischen √ľbersetzt von Bruno Genzler
Blessing Verlag in der Verlagsgruppe Random House, erschienen am 27. Oktober 2014
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 336 Seiten, 29 Abb.
ISBN 978-3-89667-531-6
19,99 Euro
www.randomhouse.de


Weitere Infos unter:

www.ardmediathek.de, Wilhelm Brasse - Der Fotograf von Auschwitz. Videoporträt des Rundfunks Berlin-Brandenburg vom 22.01.2015

www.zdf.de, Auschwitz-Befreiung vor 70 Jahren. Dokumentationen, Interviews und Gedenkreden im ZDF

www.yadvashem.org Das Auschwitz-Album. Fotografische Zeugnisse von 1944, archiviert von Yad Vashem

auschwitz.org Pa√Īstwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Weinen Sie nicht, die gehen nur baden". ZeugInnen des Auschwitz-Prozesses berichten

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Literatur Beitrag vom 08.02.2015 Lisa Sophie K√§mmer 

   




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