Luca Crippa und Maurizio Onnis - Wilhelm Brasse. Der Fotograf von Auschwitz - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild f├╝r das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in gr├Â├čerer Schrift!

TIPP: ├╝ber den Zur├╝ck-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.02.2015

Luca Crippa und Maurizio Onnis - Wilhelm Brasse. Der Fotograf von Auschwitz
Lisa Sophie K├Ąmmer

Die erste Biographie ├╝ber das Leben des Fotografen und KZ-H├Ąftlings Wilhelm Brasse, der gezwungen wurde, f├╝r den Erkennungsdienst der SS zu arbeiten. Seine an die 50.000 Fotos dokumentieren ...



... das Leben und Sterben in Auschwitz.

Wer, der sie einmal gesehen hat, erinnert sich ihrer nicht? Der Schwarz-Wei├č Fotografien von Auschwitz. Von dem Ort, der bis heute wie kein zweiter f├╝r die Verbrechen der Nationalsozialisten und ihrer Kollaborateure in Europa steht. Der Ort, an dem letztere zwischen 1940 und 1945 circa 1,1 Millionen Menschen verhungern, erschie├čen, vergasen oder ÔÇô nachdem sie als Objekte f├╝r wissenschaftliche Experimente ausgedient hatten ÔÇô von SS-├ärzten "abspritzen" lie├čen. Die individuellen Lebensgeschichten von mehr als einer Million zumeist j├╝discher Frauen, Kinder und M├Ąnner trafen binnen dieser Jahre in Auschwitz zusammen ÔÇô bis sie sich schlie├člich in Asche und Staub aufl├Âsten.

Neben ihren Namen auf den Deportationslisten, die das industrielle T├Âten in den Vernichtungslagern und dessen "Effizienz" dokumentieren sollten, sind es diese Fotos, die die letzten Momente ihres Lebens einfangen. Die Aufnahmen legen auf diese Weise eindr├╝cklich Zeugnis davon ab, zu welchen Taten der Mensch f├Ąhig ist, indem sie der Nachwelt das schier Unfassbare vor Augen f├╝hren: ver├Ąngstigte, sich aneinanderklammernde Familien an den Selektions-Rampen, ausgemergelte, apathisch blickende Gestalten, die wie Gespenster durch das Lager streifen, in der st├Ąndigen Erwartung, bald selbst auf einem der vielen anonymen Leichenberge zu enden.

Doch von wem stammen die Aufnahmen? Mit dieser Frage beginnt die biografische Spurensuche der beiden italienischen Journalisten Luca Crippa und Maurizio Onnis, in deren Folge sie das Leben von Wilhelm Brasse, dem Fotografen von Auschwitz, erstmals in einem Buch nachzeichnen.

Wilhelm Brasse ist selbst H├Ąftling in Auschwitz gewesen. Nach einem fehlgeschlagenen Fluchtversuch nach Frankreich, wo sich der 23 J├Ąhrige Pole dem Widerstand anschlie├čen wollte, wurde er 1939 gefasst und wenige Monate sp├Ąter als einer der ersten H├Ąftlinge nach Auschwitz deportiert. Als ausgebildeter Fotograf, dessen Vater ├Âsterreichischer Christ und somit "arisch" war, kommandierte man ihn nach kurzer Zeit f├╝r den Erkennungsdienst der SS ab. In einem sporadisch zusammengezimmerten Fotostudio fertigte Brasse etwa 50.000 Fotos von H├Ąftlingen, aber auch dem ber├╝chtigten Lager-Personal an. Die bekannten Bilder eines freundlich dreinblickenden Josef Mengeles, dessen Experimente ebenfalls zu dokumentieren waren, stammen also aus der Hand des jungen polnischen Fotografen.

Wilhelm Brasse machte es sich dabei von Beginn an zur Aufgabe, die H├Ąftlinge nicht allein der Registrierung wegen zu fotografieren, sondern um aus Respekt vor ihrem Leben und Schicksal ein letztes, m├Âglichst ehrenhaftes Bild von ihnen anzufertigen. In aufwendigen Nacharbeiten retuschierte er so die Aufnahmen, ├╝berdeckte blaue Flecken und andere Wunden, um den Frauen und M├Ąnnern ein St├╝ck Menschlichkeit zur├╝ckzugeben, die man ihnen geraubt hatte und bar der sie der Vergessenheit preisgegeben werden sollten. Und Brasse ging noch weiter. Er schmuggelte Fotos, die die Schrecken des Lagerlebens dokumentierten, nach drau├čen. Er wollte, dass alle Welt sieht, was in Auschwitz passiert. Deswegen entschied er sich schlie├člich auch unter Lebensgefahr, die Fotos vor den SS-M├Ąnnern, die bei ihrer Flucht so viele Beweise wie m├Âglich vernichten wollten, zu retten.

Wilhelm Brasse gelang es in der Folge, zahlreiche Aufnahmen zu retten, indem er diese versteckte. Nachdem er angesichts der heranr├╝ckenden Roten Armee gemeinsam mit anderen H├Ąftlingen in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert worden war, kehrte er nach seiner Befreiung im Mai 1945 zur├╝ck nach Polen. Nur wenige Kilometer von Auschwitz entfernt lebte er dort bis zu seinem Tod am 23. Oktober 2012. Als Fotograf konnte er ÔÇô nach allem was er in Auschwitz erlebt hatte ÔÇô nie wieder arbeiten.

Zu den Autoren: Luca Crippa studierte Philosophie und Theologie. Er ver├Âffentlichte ein Buch ├╝ber die Darstellung von H├Âlle und Paradies in den K├╝nsten sowie zahlreiche historische Abhandlungen, Romane und Dokumentationen. Er lebt in der N├Ąhe von Mailand. Maurizio Onnis wurde 1969 in Cagliari geboren. Er studierte Anthropologie und Geschichte, schrieb historische Untersuchungen, Romane und Theaterst├╝cke und lebt und arbeitet als Journalist und Lektor auf Sardinien.
Crippa und Onnis arbeiten gegenw├Ąrtig an einer Biographie ├╝ber die heute in den USA lebende Schriftstellerin und B├╝rgerrechtlerin Hedy Epstein, die mit einem Kindertransport 1939 nach England floh.

Zum ├ťbersetzer: Bruno Genzler 1957 geboren, studierte Germanistik und Geschichte. Nachdem er mehrere Jahre in Italien gelebt hat, arbeitet er heute als ├ťbersetzer in der N├Ąhe von Frankfurt a.M. Neben Romanen von Lidia Raver, Giovanni Chiara, Francesco Guccini und Loriano Macchiavelli ├╝bertrug er zahlreiche Werke des Schriftstellers und Filmregisseurs Luciano De Crescenzo ins Deutsche.

AVIVA-Tipp: Crippa und Onnis ist eine bewegende Biographie gelungen, die eindringlich von den Schicksalen der fotografierten und sp├Ąter zu Tausenden in Auschwitz ermordeten Frauen, Kinder und M├Ąnner berichtet. Das Buch erz├Ąhlt so aus der pers├Ânlichen Perspektive des Zeitzeugen Wilhelm Brasse um welche Personen es sich auf den Aufnahmen handelt und welche Geschichten sich mit ihnen verbinden. Neben diesen zumeist bislang unbekannten Einzelschicksalen sind es vor allem aber auch die Erfahrungen und Gef├╝hle des ehemaligen politischen H├Ąftlings Brasse selbst, die die Leserin bewegen. Sein innerer Disput um die Frage, wie er selbst helfen kann und warum letztlich er, anstelle seiner Mith├Ąftlinge, denen er zu Tausenden gegen├╝bersa├č und die er fotografierte, ├╝berlebte, ergreifen dabei in besonderer Weise.

Luca Crippa und Maurizio Onnis
Wilhelm Brasse. Der Fotograf von Auschwitz

Originaltitel: Il fotografo di Auschwitz
Aus dem Italienischen ├╝bersetzt von Bruno Genzler
Blessing Verlag in der Verlagsgruppe Random House, erschienen am 27. Oktober 2014
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 336 Seiten, 29 Abb.
ISBN 978-3-89667-531-6
19,99 Euro
www.randomhouse.de


Weitere Infos unter:

www.ardmediathek.de, Wilhelm Brasse - Der Fotograf von Auschwitz. Videoportr├Ąt des Rundfunks Berlin-Brandenburg vom 22.01.2015

www.zdf.de, Auschwitz-Befreiung vor 70 Jahren. Dokumentationen, Interviews und Gedenkreden im ZDF

www.yadvashem.org Das Auschwitz-Album. Fotografische Zeugnisse von 1944, archiviert von Yad Vashem

auschwitz.org Pa├▒stwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Weinen Sie nicht, die gehen nur baden". ZeugInnen des Auschwitz-Prozesses berichten

Auschwitz - Der Tod hat nicht das letzte Wort

Fania F├ęnelon - Das M├Ądchenorchester von Auschwitz

Der Preis des ├ťberlebens - Ein Film von Louis van Gasterens

Wunderkinder

Die S├Ąngerin aus dem Ghetto. Das Leben der Wiera Gran von Agata Tuszynska

Eva M├Ąndl-Roubickova, Langsam gew├Âhnen wir uns an das Ghettoleben ÔÇô Ein Tagebuch aus Theresienstadt

Ilse Weber - Wann wohl das Leid ein Ende hat, herausgegeben von Ulrike Migdal


Literatur Beitrag vom 08.02.2015 Lisa Sophie K├Ąmmer 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken