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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 23.03.2015

Lizzie Doron - Who the Fuck Is Kafka?
Sharon Adler

Die israelische Schriftstellerin, die sich in ihren Werken wie "Ruhige Zeiten" und "Das Schweigen meiner Mutter" literarisch vor allem mit der Auseinandersetzung um die Traumata der Shoah..



... -├ťberlebenden und der 2. Generation im Israel der 1950er Jahre verdient gemacht hat, erz├Ąhlt in ihrer aktuellen Ver├Âffentlichung von der problematischen Freundschaft einer Israelin aus Tel Aviv (Lizzie Doron) mit einem in Ost-Jerusalem lebenden Pal├Ąstinenser (fiktiv: Nadim Abu Heni).

Lizzie Doron und ihr bereits im Februar 2015 bei dtv erschienenes Buch "Who the Fuck Is Kafka?" bekommt in diesen Tagen die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Die Schriftstellerin und Friedensaktivistin war Gast auf dem "Blauen Sofa" der Leipziger Buchmesse, ist in Interviews mit Deutschlandradio Kultur oder dem ARD zu h├Âren und zu sehen. Kaum ein Medium, das dieses Thema nicht aufgegriffen hat. Kein Wunder, denn die Brisanz dieser Konstellation besch├Ąftigt j├╝dische wie nicht-j├╝dische Medien gleicherma├čen.

Doron erz├Ąhlt von einer Freundschaft, die von Problemen belastet, aber dennoch intensiv und gepr├Ągt von Neugier auf die bzw. den anderen ist. Eine Freundschaft, die im italienischen Cinecitt├á ihren Anfang nahm, durch die Einladung einer Organisation, die israelische und pal├Ąstinensische Friedensaktivist_innen zu einem dreit├Ągigen Kongress eingeladen hatte. Aus drei Tagen wurden drei Jahre, in denen sich die Schriftstellerin und der Filmemacher miteinander auseinandersetzen und versuchen zu verstehen. Versuchen, einen Weg zu finden, auch wenn es schwierig ist. Und in dessen Mittelpunkt ein gemeinsames Projekt steht, ein Film und ein Buch ÔÇô ├╝ber das Leben des jeweils Anderen.

Besuche in Tel Aviv und Ost-Jerusalem wechseln sich ab, Treffen werden arrangiert und kurzfristig gecancelt, je nach politischer Situation, die alles bestimmt. Auch die Freundschaft der beiden, die sich dann doch bei Kaffee, R├╝hrei oder Maqluba ├╝ber alle Schwierigkeiten hinweg vorsichtig entwickelt.
Denn was f├╝r den einen Besatzung ist, stellt f├╝r die andere die t├Ągliche Bedrohung durch Terroranschl├Ąge dar.

Und doch: Es tun sich Fragen auf, die so vorher nicht gestellt wurden. Dass das an die Substanz geht und unbequem ist, versteht sich von selbst.
Man will Verst├Ąndnis haben f├╝r den anderen. Man bem├╝ht sich. Darum, zu verstehen, zu begreifen und zu akzeptieren. Und doch. Man wird w├╝tend. Ist entt├Ąuscht und verletzt. Oder geschockt. Lizzie Doron konnte vor allen Dingen die Lage nicht nachvollziehen, in der sich die arabischen Frauen befinden. In einem fr├╝heren Interview mit AVIVA-Berlin im Jahr 2012 erz├Ąhlte sie uns bereits von der Arbeit an diesem Buch und kritisierte diesen Zustand besonders: "(...)I think, that I had a problem, a very hard feeling towards the women status and women┬┤s position in Arab society. His wife, who graduated university, and he┬┤s a professor ÔÇô she cannot sit with us for lunch! It was so shocking. I say that a society that humiliates, humiliate isn┬┤t the word, that puts away women, will never achieve peace, because if you are not equal in your society, you cannot build a relationship with others."

Eben dieser Erfahrungsprozess ist in dem nun ver├Âffentlichten Buch dokumentiert und er er├Âffnet bittere Erkenntnisse ├╝ber Unverst├Ąndnis und Nichtwissen. Ebenso aber auch sch├Âne Momente, in denen der Wunsch nach Frieden st├Ąrker ist als entt├Ąuschte Hoffnungen und verletzte Gef├╝hle, als die Trauer ├╝ber den Verlust get├Âteter Verwandten oder Freund_innen. Ein st├Ąndiges sich einander Ann├Ąhern und voneinander Entfernen.

Und zum Schluss? Wir wissen es nicht.
Was bleibt, ist die Absurdit├Ąt, das kafkaeske der Situation, der allgegenw├Ąrtige Konflikt und die Bedrohung.
Lizzie Doron pl├Ądiert f├╝r die 2-Staaten-L├Âsung, das Problem ist ihrer Meinung nach nicht die L├Âsung selbst, sondern der Weg dahin.
Keine von Idealismus, sondern von Logik gepr├Ągte Erkenntnis liefert zu Beginn der Reise nach Italien Dani, der (pragmatische) Ehemann der Autorin, ein Finanzberater, der beklagt, dass der Traum vom Frieden viel Geld kosten w├╝rde: "Du bist schon seit drei├čig Jahren damit besch├Ąftigt, ohne dass es etwas gebracht h├Ątte. W├Ąrst Du meine Klientin, h├Ątte ich Dir schon l├Ąngst geraten, den Laden dichtzumachen."

Dass dieses Buch in Deutschland, nicht aber in Israel auf hebr├Ąisch oder den arabischen L├Ąndern auf arabisch erscheint, ist symptomatisch f├╝r die Situation, in der wir uns noch immer befinden. Vor allem aber, um Nadim und seine Familie vor der Hamas zu sch├╝tzen, hat die Autorin der verz├Âgerten Herausgabe des Buches in Israel zugestimmt. Aus demselben Grund hat sie signifikante biografische Details und Namen ge├Ąndert.

Drohungen von der Hamas verhinderten bis heute auch, dass der Film realisiert werden konnte. Es kostete den Filmemacher Nadim Abu Heni einige Monate, bis er erkennen musste, dass er sich und seine Familie in gro├če Gefahr bringen w├╝rde, dass er als Verr├Ąter angesehen w├╝rde, wenn er einen Film ├╝ber "eine gute Israelin" machen w├╝rde.
Vor allem in Europa und besonders in Deutschland, wo Israel h├Ąufig als alleiniger Aggressor angesehen und verurteilt wird, sollte "Who the Fuck Is Kafka?" gelesen werden, um die Sicht beider Seiten zu zeigen.

AVIVA-Tipp: Das richtige Buch zur richtigen Zeit. Ein Engagement wie das von Lizzie Doron schafft ein Bewusstsein dar├╝ber, wie viel Arbeit noch vor uns liegt und dass es sich lohnt, hart daf├╝r zu arbeiten.

Zur Autorin: Lizzie Doron, geboren 1953, lebte in einem Kibbuz auf den Golanh├Âhen, bevor sie Linguistik studierte und lehrte. 2003 wurde ihr Roman "Ruhige Zeiten" mit dem von Yad Vashem vergebenen Buchman-Preis ausgezeichnet. 2007 erhielt sie den Jeanette Schocken Preis - Bremerhavener B├╝rgerpreis f├╝r Literatur. In der Begr├╝ndung der Jury hei├čt es: "Lizzie Doron ist eine israelische Schriftstellerin, die jenen eine Stimme gibt, die sie selber nicht erheben, die jenen Raum verschafft, den sie sich selber nicht nehmen k├Ânnten. Sie schreibt ├╝ber Menschen, die von ┬┤dort┬┤ kommen, die den Holocaust ├╝berlebten und nun zu leben versuchen. In Israel. Fremd, schweigend, versehrt ÔÇô und stets ihre W├╝rde wahrend. Mit gro├čer Behutsamkeit n├Ąhert die Autorin sich ihren Figuren und mit gro├čem Respekt wahrt sie Distanz." "Warum bis Du nicht vor dem Krieg gekommen?", das erste Buch von Lizzie Doron, erschien 2004 im J├╝dischen Verlag im Suhrkamp Verlag. Lizzie Doron lebt in Tel Aviv und Berlin.

Zur ├ťbersetzerin: Mirjam Pressler wurde 1940 in Darmstadt geboren. Sie studierte an der Akademie f├╝r Bildende K├╝nste in Frankfurt a.M. und in M├╝nchen. Nachdem sie ein Jahr lang in einem Kibbuz in Israel gelebt hatte, kehrte sie 1970 nach Deutschland zur├╝ck. In der Folgezeit verfasste sie mehr als 30 Kinder- und Jugendb├╝cher und erhielt hierf├╝r den "Deutschen Jugendliteraturpreis". Neben ihrer Arbeit als Schriftstellerin arbeitete Pressler als ├ťbersetzerin. So verdanken ihr zahlreiche Originaltitel auf Hebr├Ąisch, Niederl├Ąndisch und Englisch ihre ├ťbersetzung, darunter Werke von Uri Orlev ("Lauf, Junge, lauf"), Amos Oz ("Unter Freunden"), Zeruya Shalev ("Sp├Ąte Familie"), sowie von Lizzie Doron, Nava Semel, Tamar Verete-Zahavi, Mira Mag├ęn und Aliza Olmert. Im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2015 wurde Mirjam Pressler f├╝r ihre ├ťbertragung des Buches "Judas" von Amos Oz aus dem Hebr├Ąischen mit dem Preis in der Sparte ├ťbersetzung ausgezeichnet.

Lizzie Doron
Who the Fuck Is Kafka?

dtv premium
Aus dem Hebr├Ąischen von Mirjam Pressler
Deutsche Erstausgabe, erschienen Februar 2015
256 Seiten
14,90 Euro
ISBN 978-3-423-26047-3

Mehr zum Buch, Lesungsterminen und Links zu Interviews mit Lizzie Doron unter:
www.dtv.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview with Lizzie Doron (anl├Ąsslich der Deutsch-Israelischen Literaturtage 2012)

"Das Schweigen meiner Mutter" von Lizzie Doron (2011)

"Es war einmal eine Familie", von Lizzie Doron (2009)

"Der Anfang von etwas Sch├Ânem" von Lizzie Doron (2007)

"Ruhige Zeiten" von Lizzie Doron (2005)





Literatur Beitrag vom 23.03.2015 Sharon Adler 

   




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