Selma Lagerlöf - Die Löwenskölds. Holger Wolandt - Selma Lagerlöf. Värmland und die Welt. Eine Biografie - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in größerer Schrift!

TIPP: über den Zurück-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 17.06.2015

Selma Lagerlöf - Die Löwenskölds. Holger Wolandt - Selma Lagerlöf. Värmland und die Welt. Eine Biografie
Doris Hermanns

Zum 75. Todestag der schwedischen Autorin, die als erste Frau den Nobelpreis für Literatur erhielt, sind im Frühjahr 2015 eine Biografie und die Neuauflage der Trilogie "Die Löwenkölds" erschienen.



Die Biografie von Holger Wolandt versucht anhand der vor kurzem veröffentlichten Briefe an Lagerlöfs Mutter und ihre beiden Geliebten einen "neuen, frischen Blick" auf die Autorin zu werfen. Er lässt sie soweit möglich selber in ausführlichen Zitaten zu Wort kommen, was die Stärke dieser Biografie ausmacht. Immer wieder nimmt sie darin Bezug zu den aktuellen Entwicklungen in ihrem Leben.

In groben Zügen dürfte ihr Leben bekannt sein: Selma Lagerlöf stammte aus einer entlegenen Ecke Värmlands in Mittelschweden, wo sie auf dem Gut Mårbacka aufwuchs. Sie ging zum Lehrerinnenseminar in Stockholm und arbeitete anschließend zehn Jahre an einer Schule in Landskrona. Während dieser Zeit fing sie ernsthaft an zu schreiben und veröffentlichte 1891 ihr Erstlingswerk Gösta Berling. Dass das Schreiben im Mittelpunkt ihres Lebens stand, hatte Selma Lagerlöf bereits als Kind gewusst: "Irgendwann einmal würde die Familie (...) eine echte Begabung hervorbringen. Ich möchte annehmen, dass ich das bin, denn es ist nötig, dass man an sich selbst glaubt. Denk dir, dass ich das von mir geglaubt habe, seit ich acht Jahre alt war. Das war das Zentrale in meinem Leben, und nicht Liebe oder ein Zuhause wie für andere Frauen."

Lieben gab es aber durchaus in ihrem Leben, da war erst einmal die weniger erfolgreiche Schriftstellerkollegin Sophie Elkan, später dann auch noch die Lehrerin Valborg Olander. Dabei ist es immer wieder störend, wenn der Autor die Partnerinnen von Lagerlöf wider besserem Wissens als "beste Freundin" bezeichnet. Wie wenig er mit den Liebesbeziehungen der Frauen umzugehen weiß, zeigt sich bei seiner Einführung der zweiten Liebe Lagerlöfs, Valborg Olander. Hatte er bei Sophie Elkan noch das von ihr geforderte "hands off" thematisiert, so fehlt hier jegliche Einschätzung, wie es sich damit in dieser Beziehung verhielt. Hier ist auf eine baldige Übersetzung der Bände mit Briefen von Lagerlöf an ihre Geliebten zu hoffen.

Bereits 1895 konnte Lagerlöf ihre Stelle als Lehrerin aufgeben und sich ganz dem Schreiben widmen: "Ich habe das Gefühl, ohne Inhalt zu sein. Also schreibe ich, um meine leere Seele zu füllen, und ich bin eine Weile reich, aber kurz darauf beginnt die Leere von Neuem. Ich habe Angst, dass das alle sehen werden und mich dann weiter nicht ertragen können."

Es folgten berühmte Romane wie Die Wunder des Antichrist und Jerusalem. Vor allem aber mit dem Kinderbuch Die wunderbaren Reisen des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen erlangte sie Weltruhm. 1909 erhielt Lagerlöf als erste Frau den Nobelpreis für Literatur und 1914 wurde sie zum ersten weiblichen Mitglied der Schwedischen Akademie gewählt. Mit dem Geld, das sie für den Nobelpreis erhielt, konnte sie das Gutshaus von Mårbacka zurückkaufen, auf dem sie aufgewachsen war.

Neben dem Schreiben ihrer Romane reiste sie immer wieder viel und engagierte sich in der Frauenbewegung. Im Ersten Weltkrieg half Selma Lagerlöf Flüchtlingskindern durch Spenden und Eigenengagement. Im Zweiten Weltkrieg beteiligte sie sich an einem Komitee zur Rettung jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland – insbesondere für Frauen und Kinder. So half sie auch der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs nach Schweden zu fliehen und rettete ihr damit das Leben.

Zum Einstieg in Selma Lagerlöfs literarisches Werk kann nun ihre Trilogie Die Löwenskölds gelesen werden. Der erste Teil – Der Ring des Generals - ist im Wesentlichen eine Art Gespenstergeschichte: Ein Ring wird aus einem Grab gestohlen, woraufhin die Diebe mit einem Fluch belegt werden, der sich über mehrere Generationen auswirkt und auch im zweiten Teil – Charlotte Löwensköld - eine Rolle spielt. Dieser ist jedoch inhaltlich sehr viel abwechslungsreicher. Es ist ein spannender historischer Roman, in dem es über alle Standesgrenzen hinweg zu den wildesten Verwicklungen kommt und immer wieder zu geplanten und ungeplanten Missverständnissen. Religion spielt hierbei ebenso eine große Rolle wie Humor. Ein Hilfspfarrer verliert das Vertrauen in seine langjährige Verlobte und beschließt, die erste Frau zu heiraten, die ihm begegnet. Aber egal, was die Hauptpersonen auch wollen, es scheint immer ganz anders zu kommen. Es war wie verhext: "Sie hatte ein unheimliches Gefühl, als werde sie wie ein gefesselter Gefangener irgendeinem Ziele zugeführt, das sie nicht kannte. Alles, was sie vermeiden wollte, das musste sie tun, alles, was sie zu verhindern suchte, gerade das musste sie fördern." Der abschließende Band – Anna, das Mädchen aus Dalarne – führt die Geschichte aus dem zweiten fort und erzählt darin hauptsächlich, wie sich die zufällig getroffene, verheiratete und später sitzen gelassene Frau aus einem anderen Landstrich weiter durch das Leben schlägt.

Es ist ein wunderbar erzählter Roman, der deutlich macht, welch hervorragende Geschichtenerzählerin Lagerlöf war. Ihre Erzählkunst scheint sich aus der Tradition des mündlichen Erzählens entwickelt zu haben und auch ihre starken Frauenfiguren geben dies weiter: "Wieviel ist daran wahr? Die eine Erzählerin hat sie von der anderen geerbt, die eine hat etwas dazu getan, die andere etwas weggelassen. Aber enthält sie nicht wenigstens einen kleinen Kern Wahrheit? Macht sie nicht den Eindruck, die Schilderung von etwas zu sein, was sich wirklich zugetragen hat?"

AVIVA-Tipp: Die Löwenskölds ist ein großartiger, vielschichtiger Roman, der nicht nur deutlich macht, welch hervorragende Geschichtenerzählerin Lagerlöf war, sondern auch neugierig auf weitere Romane von ihr macht. Die Biografie bietet sich als Hintergrund an, da sie aufzeigt, wie sehr Lagerlöf trotz aller Weltoffenheit ihrer Heimat verbunden blieb, was in ihren Romanen spürbar ist.

Zur Autorin: Selma Lagerlöf kam 1858 auf dem Gut Mårbacka in der entlegenen schwedischen Provinz Värmland zur Welt. Mit 23 Jahren ging sie gegen den Willen ihres Vaters nach Stockholm, um das Lehrerinnenseminar zu besuchen, und war danach zehn Jahre Lehrerin in Landskrona am Öresund. Abende und Nächte hindurch schrieb sie und erschien morgens, so wird überliefert, mit tintenfleckigen Fingern zum Unterricht. 1891 erschien ihr Erstlingswerk Gösta Berling, und wenige Jahre später konnte sie bereits als freischaffende Schriftstellerin leben und sich auf ausgedehnten Reisen die Welt erobern. Am 16. März 1940 starb sie auf ihrem Gut Mårbacka.

Zum Autor: Holger Wolandt, geboren 1962 in Würzburg, studierte Nordische Philologie in München und lebt seit vielen Jahren als Übersetzer, Herausgeber und Autor in Stockholm. Er ist Herausgeber einer Auswahl der Erzählungen Selma Lagerlöfs in drei Bänden (dtv).

Zu den Übersetzerinnen:
Marie Franzos
(1870-1941), gebürtige Wienerin und Nichte des Schriftstellers Karl Emil Franzos, einem jüdisch-österreichischen Schriftsteller und Publizisten. Marie Franzos übersetzte die Werke der großen skandinavischen SchriftstellerInnen wie Ellen Key, Selma Lagerlöf und Hermann Bang. Sie hatte sich autodidaktisch mehrere Sprachen angeeignet und bot neben zahlreichen Übersetzungsarbeiten Vorträge über skandinavische Literatur an und war auch als Schriftstellerin tätig. Als Jüdin wurde sie unter den Nationalsozialisten verfolgt. Leider sind über Marie Franzos heute kaum Informationen verfügbar, so ist AVIVA-Berlin auch nicht bekannt, unter welchen Umständen sie 1941 in Wien starb. (Quelle: Library Mistress, Österreich)
Pauline Klaiber-Gottschau (1855-1944) wurde 1855 als Pfarrerstochter in Frauenzimmern bei Brackenheim geboren. 1918 heiratete sie Professor Dr. Max Gottschau, mit dem sie anfangs in Würzburg lebte. Von 1925 bis zu ihrem Tod 1944 lebte sie in Stuttgart. Sie übersetzte Literatur aus dem Schwedischen, Norwegischen, Dänischen und Englischen, so z.B. Werke von Selma Lagerlöf, Sophie Elkan, Evy Fogelberg, Ingeborg Maria Sick und Knut Hamsun.



Selma Lagerlöf
Die Löwenskölds. Roman-Trilogie

Aus dem Schwedischen von Marie Franzos und Pauline Klaiber-Gottschau
Mit einem Nachwort von Holger Wolandt
Verlag Urachhaus, erschienen 2015
Gebunden mit Umschlag. 720 Seiten
ISBN 978-3-8251-7912-0
Euro 24,90
www.urachhaus.de



Holger Wolandt
Selma Lagerlöf. Värmland und die Welt. Eine Biografie.

Verlag Urachhaus, erschienen 25. Februar 2015
Gebunden mit Umschlag. 319 Seiten
ISBN 978-3-8251-7913-7
Euro 22,90
www.urachhaus.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

150. Geburtstag von Selma Lagerlöf am 20. November 2008 (AVIVA-Berlin wirft einen Blick auf Leben und Werk der Schriftstellerin Selma Lagerlöf)


Barbara Sichtermann - 50 Klassiker Schriftstellerinnen


Die Biografie von Selma Lagerlöf auf Fembio: www.fembio.org


Literatur Beitrag vom 17.06.2015 Doris Hermanns 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken