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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 15.07.2015

Renata Adler - Pechrabenschwarz
Maria-Elisa Schrade

Nachdem im März 2014 in der Bibliothek Suhrkamp der preisgekrönte Debütroman "Rennboot" (Speedboat, 1976) der US-amerikanischen Journalistin und Schriftstellerin Renata Adler wieder aufgelegt ...



... wurde, erschien nun auch die Neuauflage ihres zweiten Romans "Pechrabenschwarz" (Pitch dark, 1983).

In den USA, wo die beiden erfolgreichsten Romane der Autorin bereits 2013 in der Klassiker-Reihe der New Yorker Review of Books in Neuauflage erschienen, wird Adler längst als große Wiederentdeckung gefeiert. Auch unter deutschen Leser_innen genießt die ehemalige Journalistin Kultstatus seit der von Marianne Frisch vor 35 Jahren ins Deutsche übersetzten Erstauflage ihres literarischen Debüts.

Erst gefeiert, dann verstoßen

Renata Adler studierte Philosophie und Literatur bei Roman Jakobson in Harvard und Claude Lévi-Strauss an der Sorbonne sowie Jura an der Yale Law School. Persönlich von Hannah Arendt zu Beginn ihrer Karriere gefördert, gehörte die junge Reporterin des New Yorker und der New York Times in den 70er und 80er Jahren neben Frauen wie Joan Didion und Susan Sontag zur intellektuellen Avantgarde New Yorks.

Dann verwarf sich Adler jedoch mit dem New Yorker und verschwand mitsamt bitterbösem Insider_innen-Buch, in dem die gekränkte Journalistin mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber abrechnete, hinter den Kulissen der US-amerikanischen Kulturszene.

So rufschädigend dieser etwas unfeine Abschied von der Welt des Journalismus wohl gewesen sein mag, er dürfte auch den Kultstatus der hochbegabten wie exzentrischen Schriftstellerin noch befördert haben. Das Experimentelle ihrer Romane, die keinen klar strukturierten Plot verfolgen, ja so fragmentarisch und elliptisch sind, dass sie von manchen Kritiker_innen auch als Anti-Roman bezeichnet werden, vermag auch heute noch einen hypnotischen Effekt auf seine Leser_innen auszuüben.

Emotionen durch die Hintertür

"Hör mal, ich habe dich geliebt, weißt du.
Ob er sich wohl je fragen wird, sich sagen wird, Eigentlich war es ja nicht die Welt, was sie verlangt hat – warum habe ich sie nur gehen lassen?"


Renata Adlers zweiter Roman "Pechrabenschwarz" beginnt mit einer Trennung: Die Geschichte gibt aus der Perspektive der Ich-Erzählerin den Blick ins Innere einer jungen Frau wieder, die ihre achtjährige Beziehung zu einem verheirateten Mann rekapituliert und die Gefühle, die diese bei ihr hinterlassen hat, einer Chirurgin gleich bis auf den Zellkörper seziert. Dabei schweift sie immer wieder mit scheinbar frei assoziierten Anekdoten von ihrer Obduktionsarbeit ab und philosophiert über die Gesellschaft und ihre scheinbar willkürlichen Gewohnheiten, Überzeugungen und Eigenarten sowie Regeln, Normen und Gesetze.

"Naja, Liebe ist schließlich eine Gewohnheit wie jede andere.
Eine Gewohnheit vielleicht. Wie jede andere nicht."


Durch diese vermeintlichen Ausschweifungen, in die das Wissen der Autorin aus Literatur, Philosophie und Jura in die Erzählung mit einfließt, wird zugleich geschickt durchs Hintertürchen eine meist düstere, teilweise aber durchaus auch komische Grundstimmung transportiert, die das Buch durchzieht und alles dort Erzählte zu hinterfragen scheint.

Psychogramm einer Trennungsgeschichte

Nachdem Kate Ennis ihren Liebhaber Jake verlassen hat, fliegt die Journalistin kurzerhand nach Irland, um etwas Abstand zwischen ihre Gedanken und ihr Leben in New York zu bringen. Die Reise ist allerdings nicht so erholsam, wie Kate sich das vorgestellt hat. Sie fühlt sich verfolgt und beginnt allen Menschen um sie herum zu misstrauen.

In diesem zweiten Abschnitt des dreiteiligen Buches ähnelt der Roman fast einem Krimi. Nicht wirklich nachzuvollziehen ist jedoch, ob diese Reise tatsächlich so wie beschrieben stattgefunden hat oder ob Kate in eine Depression und eine damit einhergehende Paranoia verfallen ist. Wirklich relevant ist das ohnehin nicht, denn das Buch will gar keine einfachen, geradlinigen Lösungen anbieten, sondern in seiner emotionalen Intensität aufwühlen und verstören.

"Ich fragte, Wie meinen sie das?
Worauf kommt es denn ihrer Meinung nach, heute an?
Und sie erwiderte, Auf Gewalt."


"Pechrabenschwarz" liest sich wie das Psychogramm einer jungen, überdurchschnittlich intelligenten Frau, die sich zu lange mit einer unglücklichen Beziehung arrangiert hat und nun ihre daraus resultierende Entfremdung von sich selbst und ihren Mitmenschen auszuloten und zu (be-)greifen versucht. Nichtsdestotrotz endet der Roman versöhnlich:

"Wünschtest du nicht manchmal ich wäre es?
Immer.
Pause.
Du bist es."


AVIVA-Tipp: "Pechrabenschwarz" von Renata Adler ist eine kluge, tragikomische Liebes- und Trennungsgeschichte, die ihre Leser_innen durch ihren fragmentarischen Stil zwar herausfordert, aber auch mit wirklich geistreichen und unterhaltsamen Anekdoten und Aphorismen für ihre Mühe belohnt.

Zur Autorin: Renata Adler, geboren 1938 in Mailand, Italien. Ihre Eltern mussten 1933 vor den Nazis aus Deutschland fliehen, erst 1939 gelang ihnen die Emigration in die USA. Renata Adler studierte in den 1960er Jahren in Harvard und an der Sorbonne. Nach vielen Jahren als Journalistin bei dem Magazin New Yorker und der New York Times, wendete sich Adler in den 1970er Jahren fiktiven Stoffen zu. Ihr Roman "Rennboot" wurde 2014 in der Bibliothek Suhrkamp neu aufgelegt.


Renata Adler
Rennboot

Originaltitel: Pitch dark
Aus dem amerikanischen Englisch von Helga Huisgen
Bibliothek Suhrkamp 1490, erschienen im März 2015
Gebunden, 228 Seiten
ISBN: 978-3-518-22490-8
19,95 Euro
www.suhrkamp.de

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Literatur Beitrag vom 15.07.2015 AVIVA-Redaktion 

   




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