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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 12.09.2015

Carmen Messmer - STUFFED. Stofftiere in der installativen Kunst
Katharina Cichosch

Wie niedlich! Stofftiere haben es längst aus dem Kinderzimmer in die Museen, Galerien und Ateliers geschafft. Warum sie dabei weitaus mehr können als nur süß und kuschelig sein, untersucht ...



... Carmen Messmer in ihrem Buch, das im Rahmen ihrer Dissertation entstand.

Ein neuer, ungewöhnlicher Blick auf Stofftiere

Jahrzehntelang hatten sie einen festen Platz im Alltag eines jeden Kindes. Ende der 1980er Jahre traten sie dann ihren regelrechten Siegeszug in der installativen Kunst an: Künstler*innen wie Mike Kelley, Annette Messager, Paul McCarthy oder Charlemagne Palestine und später Cosima von Bonin entdeckten das Potential der flauschigen Stofftiere für sich, für ihre Arbeit, und ebneten ihnen damit den Weg in die Ateliers einer ganzen Generation.

War der Gebrauch von Stofftieren als künstlerisches Material bisher eher ungewöhnlich und die Ausstellung ebenjener mit viel Aufsehen verbunden, so wurden die pinken Häschen, die knallbunten Bären, Affen und Hündchen ab jetzt gern massenhaft verwendet. Und zwar wortwörtlich: Der US-Amerikaner Mike Kelley (1954-2012) fertigte riesige Trauben zusammengestopfter Plüschtiere an, die Französin Annette Messager (geboren 1943) stapelte Kolonnen davon zwischen Bücherreihen, und der US-amerikanische Performancekünstler Charlemagne Palestine kleidete sich mit opulenten Stofftier-Kostümen ein. Kurzum: Stofftiere waren plötzlich ausgesprochen angesagt, weshalb es einigermaßen überrascht, dass Wesen und Bedeutung dieses vor knapp drei Jahrzehnten entdeckten, künstlerischen Materials bisher noch kaum erforscht worden sind.

Carmen Messmer hat Kunstgeschichte und Neuere deutsche Literatur sowie Kirchengeschichte in Hamburg und London studiert. "STUFFED – Stofftiere in der installativen Kunst" leistet fast so etwas wie Pionierinarbeit: Auf knapp 300 Seiten geht die Autorin der komplexen Bedeutung von Kuscheltieren auch in einem größeren gesellschaftlichen Kontext nach. So kann überhaupt erst eine Erklärung dafür gefunden werden, was genau den Zauber dieses kindlichen Spielzeugs ausmacht, der dann auch Künstlerinnen und Künstler und schließlich das Publikum überzeugte. Denn, so Messmer: Das Stofftier könne wie ein Schlüsselreiz wirken, auf den ersten Blick harmlos, aber dann umso wirkungsvoller, als ein "von den Betrachtern, aber auch von den Künstlern (...) schwer kontrollierbarer Akteur."

Neben dieser These, die zum Schluss des Buchs steht, hält sich Messmer mit eigenen Interpretationen zurück. Sie konzentriert sich vornehmlich darauf, das Phänomen Stoff- und Kuscheltier in seiner gesamten Bandbreite und weit über den Kunstkontext hinaus zu erforschen und beschreiben: Die berühmten Theorien vom Kuscheltier als Übergangsobjekt des Psychoanalytikers Donald Winnicott kommen ebenso zur Sprache wie geschichtliche und wirtschaftliche Entwicklungen des Stofftieres, die Erfindung des Teddybären, die Bedeutung des Stofftiers als "Sehnsuchts-Katalysator". Die vorgestellten Künstler*innen und ihre Arbeiten werden detailliert beobachtet und analysiert. Dabei macht Carmen Messmer höchst unterschiedliche Rollen aus, die Kuscheltiere in der installativen Kunst einnehmen können: Als Stellvertreter von Tätigkeiten wie Hausarbeit und Kindererziehung, deren Wahrnehmung als vermeintlich weibliche Eigenschaften Mike Kelley mit einer Collage wie "More Love Hours Than Can Ever Be Repaid" (1987) ironisch kommentierte, als Fetischobjekte, als Repräsentanten kindlicher Unschuld, als Zeugnis menschlicher Zivilisation und Handwerkskunst - und nicht selten eben genau zwischen diesen Polen befindlich, was vielleicht eine der spannendsten Qualitäten des Stofftieres ausmacht: Es lädt zur Projektion höchst menschlicher Gefühle und Ideen geradezu ein – und bleibt selbst ambivalent.

AVIVA-Tipp: Ein spannendes, aufschlussreiches Nachschlagewerk nicht nur für Kunstliebhaber*innen: Carmen Messmer bildet das Phänomen Stofftier in seinen zahlreichen Facetten ab und stellt dabei sowohl kunsthistorische als auch gesellschaftliche und psychoanalytische Zusammenhänge her.

Zur Autorin: Carmen Messmer studierte Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur und Kirchengeschichte in Hamburg und am Courtauld Institute of Art in London.
(Verlagsinfo)

Carmen Messmer
STUFFED – Stofftiere in der installativen Kunst

Reimer Verlag, erschienen April 2015
Broschur, 292 Seiten mit 86 Farb- und 14 s/w-Abb.
ISBN 978-3-496-01535-2
49 Euro
www.reimer-verlag.de



Literatur Beitrag vom 12.09.2015 AVIVA-Redaktion 

   




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