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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 26.09.2015

Laksmi Pamuntjak - Alle Farben Rot
Maria-Elisa Schrade

Das lange Warten hat ein Ende: Der Deb├╝troman der renommierten indonesischen Essayistin, Lyrikerin und Journalistin, ist nach seinen Gastauftritten in Leipzig und Berlin nun doch schon bereits ...



... vor der Frankfurter Buchmesse bei Ullstein erschienen.

Offenbar sollte das Lesepublikum nicht l├Ąnger auf die Folter gespannt werden, denn der Roman "Alle Farben Rot" der indonesischen Autorin Laksmi Pamuntjak, der vom 14. bis 18. Oktober 2015 bei der Frankfurter Buchmesse - mit Indonesien als diesj├Ąhrigem Gastland - vorgestellt werden wird, ist schon jetzt im Buchhandel erh├Ąltlich. Kein Wunder, denn der "gro├če Roman ├╝ber Liebe und Gewalt in Zeiten politischen Aufruhrs", wie der Klappentext des Buches verspricht, tourte bereits seit Jahresbeginn auf mehreren Buchmessen und d├╝rfte daher inzwischen sehnlichst von der deutschen Leser_innenschaft erwartet werden.

Literarische Landschaft bisher durch M├Ąnner dominiert

Das Land der siebzehntausend Inseln hat bisher nur wenige Autorinnen hervorgebracht, die den H├Âhen und Tiefen des indonesischen Schicksals, von Kolonialherrschaft, ├╝ber Unabh├Ąngigkeit, bis Diktatur und schlie├člich Demokratie, eine so authentische Stimme zu verleihen vermochten, wie es Laksmi Pamuntjak in diesem au├čergew├Âhnlichen Roman gelungen ist. Das liegt auch daran, dass die literarische Landschaft Indonesiens sehr lange von M├Ąnnern dominiert wurde und w├Ąhrend der Diktatur unter Suharto von 1965 bis 1998 vieles nicht thematisiert werden durfte. Umso bemerkenswerter ist es, dass heute vor allem auch junge Autorinnen wie Laksmi Pamuntjak mit ihren politischen und gesellschaftskritischen Werken dazu beitragen, dass sich der politische Wind in der Literatur- und Kulturszene Indonesiens langsam dreht.

Tabubruch: Aufarbeitung des indonesischen Volkstraumas

"F├╝r die in Buru Inhaftierten, die mich mit anderen Augen zu schauen gelehrt haben"
(...)

In "Alle Farben Rot" verwebt Laksmi Pamuntjak die tragische Liebesgeschichte von "Amba" und "Bhisma" aus dem indonesischen Volksepos "Mahabharata" mit dem Schicksal eines ungleichen Liebespaares, das infolge des missgl├╝ckten Milit├Ąrputschversuchs und dem daraus resultierenden Massaker von 1965-1966 bei einer Stra├čenschlacht f├╝r immer getrennt wird. Erst als alte Frau besucht die Protagonistin Amba die Insel Buru, um herauszufinden, was mit ihrem Geliebten Bhisma geschehen ist, der dort nach ihrer Trennung ├╝ber viele Jahre als politischer Gefangener in einem Arbeitslager interniert war.

Gefangen zwischen den Welten

Pamuntjak thematisiert auf diesem Weg auf sehr pers├Ânliche und eindringliche Weise eines der traumatischsten Kapitel der indonesischen Geschichte, das in Indonesien immer noch gr├Â├čtenteils tabuisiert ist und erschafft zu diesem Zweck mit der Protagonistin Amba eine sehr komplexe, starke und widerst├Ąndige Pers├Ânlichkeit, die unter die Haut geht. Amba hat viele Konflikte auszutragen: Hin und hergerissen zwischen der traditionellen magischen Welt ihrer Eltern und ihren eigenen emanzipatorischen Bestrebungen, versucht sie die ihr durch Familie und Gesellschaft zugeteilte Rolle umzuschreiben. Doch scheint ihr Lebenslauf in einer abergl├Ąubischen Gesellschaft, in der die Grenzen zwischen Mythos und Realit├Ąt flie├čend ineinander ├╝bergehen, bereits durch das Schicksal ihrer Namensschwester aus dem "Mahabharata" besiegelt zu sein. Welchen Preis ist Amba bereit f├╝r ihre Freiheit zu bezahlen?

Mit viel Hingabe an die lyrische und mythologischen Tradition Indonesiens gelingt es Pamuntjak auf sehr einf├╝hlsame Weise, das psychische Panorama der indonesischen Gesellschaft und seines kollektiven Traumas auf individueller Ebene abzubilden und so einen literarischen Dialog zwischen Generationen, Kulturen und Geschlechtern zu er├Âffnen.
(...)
"F├╝r meine Eltern und meine Tochter Nadia"

AVIVA-Tipp: F├╝r westliche Leserinnen ist die Lekt├╝re dieses Buches besonders interessant, weil ihnen die Geschichte Indonesiens aus einer weiblichen Position vermittelt wird, die zugleich durch eine gro├če N├Ąhe und Distanz zur eigenen Kultur bestimmt ist, wodurch verschiedenen Perspektiven m├Âglich werden.

Zur Autorin: Laksmi Pamuntjak, geboren 1971, ist eine angesehene indonesische Lyrikerin, Essayistin und Journalistin. Seit 1994 schreibt sie unter anderem f├╝r das liberale indonesische Wochenmagazin Tempo, die Zeitungen Jakarta Post und Jakarta Globe ├╝ber Politik, Film, Musik und Literatur. Pamuntjaks Gedichte und Kurzprosa sind in verschiedenen internationalen Literaturmagazinen erschienen, au├čerdem wurden zwei Gedichtb├Ąnde und eine Kurzgeschichtensammlung ver├Âffentlicht. "Alle Farben Rot" ist ihr Deb├╝troman. Sie lebt mit ihrer Familie in Jakarta
Mehr Infos unter: laksmipamuntjak.com und twitter.com/laksmiwrites


Laksmi Pamuntjak
Alle Farben Rot

Originaltitel: Amba
Aus dem Indonesischen von Martina Heinschke
Ullstein, erschienen am 25. September 2015
Gebunden, 672 Seiten
ISBN: 13 9783550080869
24,00 Euro
www.ullsteinbuchverlage.de



Literatur Beitrag vom 26.09.2015 AVIVA-Redaktion 

   




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