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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 18.11.2015

Irène Némirovsky - Zu zweit
Sharon Adler

Das Werk der russisch-französisch-jüdischen Autorin wurde auch in Deutschland postum wiederentdeckt. Die Verfasserin von "Suite française", "Jesabel" oder "Der Ball" war Ende der 20er Jahre der Star der Pariser Literaturszene, bis sie 1942 nach Auschwitz deportiert wurde...



... und dort wenige Wochen später ermordet wurde.

Mit der Veröffentlichung ihres Romans "David Golder" 1929 wurde die 26-jährige über Nacht berühmt. Als jedoch die Deutschen in Frankreich einmarschierten, wendeten sich ihre Bewunderer von ihr, der Jüdin, ab. Ihr letztes Werk, "Suite française", war in Anlehnung an eine musikalische Suite als Abfolge von fünf Teilen angelegt. Irène Némirovsky konnte jedoch nur die beiden ersten Teile beenden, bevor sie deportiert wurde.
Die gleichnamige Verfilmung unter der Regie von Saul Dibb wird im Verleih von Universum Film ab 14. Januar 2016 in den deutschen Kinos zu sehen sein. Suite française" erzählt die berührende und leidenschaftliche Geschichte einer unmöglichen Liebe im Sommer 1940 während der deutschen Besatzung in Frankreich.

Den Kontrast von Arm und Reich, Aufstieg und Niedergang und den stets schmalen Grat zwischen Akzeptanz und Verrat, den Némirovsky selbst erfahren hat, machte sie auch zum großen Thema ihrer Erzählungen. Ein wiederkehrendes Motiv ihres Werkes ist Einsamkeit, oder der ewige Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach Unabhängigkeit und dem nach Gemeinschaft. Dieser Konflikt besonders ist Thema des Romans "Deux", der unter dem deutschen Titel "Zu zweit" im Oktober 2015 im Knaus Verlag erschien. Mit Irène Némirovskys einer Ehe wird die deutschsprachige Edition ihrer Werke abgeschlossen.

"Wann würde man aufhören zu kämpfen, sich zu zerfleischen, und anfangen, einander Gutes tun zu wollen?"

Mit "Zu zweit", Irène Némirovskys großer Roman über die Anatomie einer Ehe, zeigt sich die Autorin wie in "Suite française" auf dem Zenit ihres schriftstellerischen Könnens.
Vor dem Hintergrund des noch präsenten 1. Weltkriegs siedelt sie ihren Roman um ein junges Paar an, das, jede/r für sich, in Sehnsüchten und Ängsten gefangen ist. Marianne und Antoine kommen aus reichen Elternhäusern und Vergnügen wie Luxus bestimmt ihr Leben, ebenso wie den ihres Freundeskreises. Doch hinter der Fassade herrscht verzweifelte Leere. Antoine leidet an den Traumata des Krieges und ist nicht bereit, tiefere Gefühle zuzulassen. Dennoch heiraten sie. Ihre Ehe wird zum Kampfplatz der Gefühle...

Mit messerscharfem und gleichzeitig emotional gefärbtem Blick untersucht die Schriftstellerin den schwierigen Weg vom Rausch des ersten Verliebtseins über Betrug und Verrat hinein in die Monotonie und Gewohnheiten des Ehealltags. In "Zu zweit" erforscht Irène Némirovsky die Bande, die zwei Menschen über die Jahre zusammenhalten und stellt damit die Frage, wie und ob es ihnen gelingt, trotz allem ihren Frieden zu finden.

AVIVA-Tipp: Irène Némirovskys erzählerisches Können, die Reinheit und Eleganz ihrer Sprache, der klare Blick auf die Menschen der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und deren – erfüllten oder vergeblichen - Träume und die Tragik ihrer ProtagonistInnen sind zum Weinen schön. Auch 65 Jahre nach ihrem Tod in Auschwitz haben ihre Erzählungen nichts von ihrer Aktualität verloren.

Zur Autorin: Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines wohlhabenden russisch-jüdischen Bankiers in Kiew geboren. Vor der Oktoberrevolution flieht die Familie nach Paris, wo Irène französische Literatur an der Sorbonne studiert. Sie heiratet den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekommt zwei Töchter und veröffentlicht ihren Roman "David Golder", der sie schlagartig berühmt macht. Weitere Veröffentlichungen folgen. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht und die Deutschen auf Paris zumarschieren, konvertiert sie und flieht mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhält sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitet sie an einem großen Roman über die Okkupation, bis sie am 13. Juli 1942 verhaftet wird. Verzweifelte Rettungsversuche ihres Mannes sind vergebens - Irène Némirovsky stirbt wenige Wochen später in Auschwitz an Typhus. Ihr Ehemann, Michel Epstein, wird später ebenfalls zusammen mit seinen zwei Brüdern und einer Schwester in Auschwitz ermordet. Ihre Töchter Denise und Elisabeth überleben durch die Hilfe einer Katholikin, fliehen bis zur Befreiung von einem Versteck ins andere, das dicke Manuskript, an dem ihre Mutter bis zur Verhaftung schrieb, haben sie im Koffer immer dabei.

Irènes ältere Tochter Elisabeth Gilles arbeitet später als Übersetzerin und Verlegerin. 1992 verfasst sie die fiktive Biografie ihrer Mutter "Erträumte Erinnerungen". Ihre Schwester Denise Epstein hat das Manuskript ihrer Mutter 1954 zum ersten Mal geöffnet – zu schmerzhaft war die Erinnerung und der Verlust. Außerdem glaubte sie bis dahin, dass es nur Stichworte und vorläufige Skizzen enthalten würde. 2005 begann Denise Epstein, das Manuskript, das ihre Mutter wegen Papier- und Tintenknappheit in winziger Schrift geschrieben hatte, mit der Lupe zu entziffern und abzuschreiben - die "Suite française" war wiederentdeckt und wurde zur literarischen Sensation. Mit "Jesabel", ein Buch über die Sucht nach Jugend und Schönheit, erschien 2006 Némirovskys zweiter Roman im Knaus-Verlag, im August 2007 "Die Hunde und die Wölfe" und "Der Ball". Alle danach erschienen Titel wurden ebenfalls im Knaus-Verlag. herausgebracht.

Zur Übersetzerin: Susanne Röckel wurde 1953 in Darmstadt geboren. Von September 1997 bis Juli 1998 lebte die Schriftstellerin in Shanghai und lehrte dort Deutsch an der Universität. Susanne Röckel lebt und arbeitet in München.

Irène Némirovsky
Zu zweit

Originaltitel: Deux
Originalverlag: Albin Michel
Aus dem Französischen von Susanne Röckel
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 256 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-8135-0587-0
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empf. VK-Preis)
Knaus Verlag, erschienen 12. Oktober 2015
www.randomhouse.de

Titelübersicht der im Knaus Verlag erschienenen Bücher von Irène Némirovsky

"Das Mißverständnis"
"David Golder"
"Der Ball"
"Der Fall Kurilow"
"Die Familie Hardelot"
"Die Hunde und die Wölfe"
"Die süße Einsamkeit"
"Feuer im Herbst"
"Herbstfliegen"
"Jesabel"
"Leidenschaft"
"Magie"
"Meistererzählungen"
"Suite française"
"Zu zweit"

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Irène Némirovsky - Jesabel und Der Ball

Irène Némirovsky - Die Hunde und die Wölfe

Irène Némirovsky - Suite française

Quelle: (Knaus-Verlag, Éditions Denoël)



Literatur Beitrag vom 18.11.2015 Sharon Adler 

   




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