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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 17.01.2016

Sabine Hark und Paula-Irene Villa - Anti-Genderismus. Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen
Christine Langer

Von Genderbashing in den sozialen Medien bis hin zu Protestbewegungen christlich-fundamentalistischer und rechter Gruppierungen gegen Gleichstellungspolitiken und pluralistische Lebensmodelle...



... eine erstmalige Zusammenstellung sozial- und kulturwissenschaftlicher Auseinandersetzungen mit einem zunehmenden "Anti-Genderimus"

Warum werden ausgerechnet Geschlechtergleichstellungspolitiken, Gender Studies sowie Wissenschaftler_innen, die sich mit diesen Thematiken beschäftigen, in renommierten Zeitungen als auch in sozialen Netzwerken und Blogs zunehmend diskreditiert? Welche sozialen Bewegungen, Konzepte, Denkmuster und Politiken stecken dahinter? Diesen Fragen gehen die Autor_innen in dem Sammelband, herausgegeben von Sabine Hark und Paula-Irene Villa, in 14 Artikeln mit unterschiedlichen Ansätzen nach. Das Phänomen "Anti-Genderismus" wird dabei erstmals aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive in Deutschland als auch in anderen ausgewählten europäischen Ländern analysiert.

Unter dem Begriff "Anti-Genderismus" wird eine abwehrende Haltung gegenüber dem Konzept "Gender" verstanden. Anhänger_innen des "Anti-Genderismus" werfen dabei der "Gender-Ideologie" vor, dass sie zum Ziel habe, die Gesellschaft umzuerziehen und Zweigeschlechtlichkeit als auch Heterosexualität zu verbieten. Den Gender Studies wird wiederholt Unwissenschaftlichkeit und übertriebene "Political Correctness" vorgeworfen.
Im Zuge der Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Diffamierungen als auch absichtlichen Fehlinterpretationen von Gender und queer-feministischen Theorien sowie von Gleichstellungspolitiken werden verschiedene Facetten des "Anti-Genderismus" aufgedeckt. Ein gemeinsames Merkmal in den meisten Artikeln ist die Konstruktion eines Bedrohungsszenarios, das aufgrund einer real existierenden Angst vor dem Verlust der heteronormativen Hegemonie sowie Veränderungen der sozialen Ordnung und einer kollektiven nationalen Identität wirkmächtig ist. "Anti-Genderismus"-Diskurse können somit auch als Reaktionen auf vielschichtige gesellschaftliche und sozialstaatliche Veränderungen verstanden werden.

Zudem werden Widersprüche thematisiert, wie beispielsweise die zunehmende Präsenz von queeren Prominenten in den Medien und die gleichzeitig zunehmenden Diskurse gegen Gleichstellungspolitiken und Geschlechterforschung. Pluralistische Lebensmodelle werden dabei als Zerstörung der heteronormativen Lebensweise dargestellt. Einige Artikel setzen sich mit "Anti-Genderismus"–Bewegungen innerhalb der katholischen und evangelischen Kirche sowie in freikirchlichen und evangelikalen Kreisen auseinander. Den Autor_innen zufolge geht es den Bewegungen um die Sicherung der eigenen Privilegien als auch um eine Re-Traditionalisierung von Geschlechterrollen. Europaweite konservative Protestbewegungen instrumentalisieren dabei den "Schutz des Kindes" als Argument gegen pluralistische Lebensmodelle.

In "Anti-Genderismus. Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen" wird die Verbindung von christlich-fundamentalistischen Strömungen mit nationalistischen als auch anti-europäischen Haltungen deutlich. Viele Vertreter_innen des "Anti-Genderismus" distanzieren sich zwar von rechten Positionen, vertreten aber ähnliche Konzepte, wie etwa einer "schützenswerten Volksgemeinschaft". Auch die zunehmend an Einfluss gewinnenden rechtspopulistischen Parteien in Europa, wie zum Beispiel die AfD in Deutschland, haben Anti-Gleichstellungspolitiken in ihr Programm aufgenommen. Aufgrund der Übereinstimmung von rechten Parteien mit Aspekten der "Anti-Genderismus"-Debatte bezüglich der Vorstellungen von Sexualität, Geschlecht und "Volksgemeinschaft" erhalten rechte Positionen daher auch ein höheres Maß an Einfluss auf gesamtgesellschaftliche Diskurse.

Insbesondere in diesem Punkt zeigt sich die Aktualität und Wichtigkeit des Kompendiums. Angesichts der zunehmenden Bedeutung der AfD, Pegida und anderen rechts-konservativen politischen Bewegungen in Deutschland als auch in anderen europäischen Ländern, die "Anti-Genderismus" in ihr Programm aufgenommen haben und dabei über ihre Gruppierungen hinaus auf Zustimmung stoßen, ist eine kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung und eine gesellschaftliche Debatte im Zusammenhang mit dieser Thematik äußerst bedeutsam.

AVIVA-Tipp: Sabine Hark, Paula-Irene Villa sowie die anderen Verfasser_innen thematisieren und analysieren die aktuelle europaweite "Anti-Genderismus"-Bewegung , die vor allem in den Medien, sozialen Netzwerken und Blogs stattfindet. In wissenschaftlichen Kreisen gewinnt diese Thematik erst langsam an Bedeutung. Dieser Sammelband bietet daher eine wichtige Grundlage für eine weitere und tiefergehende Auseinandersetzung mit "Anti-Genderismus"-Diskursen.

Mit Beiträgen von: Sabine Hark, Paula-Irene Villa, Christine Wimbauer, Mona Motakef, Julia Teschlade, Kathrin Ganz, Anna_Katharina Meßmer, Steffen K. Herrmann, Imke Schmincke, Katrin M. Kämpf, David Paternotte, Barbara Thiessen, Juliane Lang, Kathleen Heft, Andrea Maihofer, Franziska Schutzbach, Bożena Chołuj, Jasmin Siri

Zu den Autor_innen:
Sabine Hark
(Dr. phil.) ist Professor_in für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung und seit 2009 Leiter_in des Zentrums für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der Technischen Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Geschlechterforschung als kritische Ontologie der Gegenwart, Wissenschaftssoziologie und Hochschulforschung sowie Geschlechtersensible Institutionen- und Sozialisationsforschung. 2010 hat Sabine Hark gemeinsam mit Paula-Irene Villa "Angela McRobbie: Top Girls. Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes" herausgebracht.
Die Autorin im Netz:
www.zifg.tu-berlin.de

Paula-Irene Villa (Dr. rer. soc.) wurde 1968 geboren und ist in Argentinien, den USA, Kanada und Deutschland aufgewachsen. Seit 2008 ist sie Professor_in für Allgemeine Soziologie und Gender Studies an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Gender Studies, Soziologische Theorien, Körpersoziologie, Kultursoziologie und Cultural Studies. 2012 hat sie "Judith Butler. Eine Einführung" veröffentlicht und ist Mitherausgeber_in von "Banale Kämpfe? Perspektiven auf Populärkultur und Geschlecht".
Die Autorin im Netz:
www.gender.soziologie.uni-muenchen.de

Sabine Hark, Paula-Irene Villa (Hg.)
Anti-Genderismus.Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen

transcript Verlag, erschienen 09/2015
Broschur, 264 Seiten
Preis: 26,99 Euro
ISBN 978-3-8376-3144-9
www.transcript-verlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Angela McRobbie: Top Girls. Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes Junge, gut ausgebildete, beruflich erfolgreiche Frauen, die mit panischer Abwehr auf die Zuschreibung "Feministin" reagieren – Angela McRobbie, Professorin für Kommunikationswissenschaften an der University of London, ist diesem widersprüchlichen Phänomen auf den Grund gegangen. (2010)

Judith Butler - Die Macht der Geschlechternormen Judith Butler ist eine der wichtigsten Theoretikerinnen der Genderforschung. Ihr Buch "Gender Trouble" löste umfangreiche Debatten aus. (2009)



Literatur Beitrag vom 17.01.2016 AVIVA-Redaktion 

   




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