Ece Temelkuran - Euphorie und Wehmut. Die Türkei auf der Suche nach sich selbst - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 22.01.2016

Ece Temelkuran - Euphorie und Wehmut. Die Türkei auf der Suche nach sich selbst
Helga Egetenmeier

Kritische JournalistInnen haben in der heutigen Türkei kein einfaches Leben. Ece Temelkuran hat dieser Umstand, sie war bis 2011 eine der wichtigsten politischen Kolumnistinnen, nur ihren Job...



...gekostet, wie sie selbst sagt. Nun schreibt sie Bücher und verknüpft in ihrem aktuellen Werk den persönlichen Erfahrungshintergrund mit der jüngeren türkischen Geschichte und der aktuellen Regierungspolitik.

"Euphorie und Wehmut" habe sie für AusländerInnen geschrieben, die sich für die absurde und chaotische Lage in der Türkei interessieren, erläuterte Ece Temelkuran im Deutschlandfunk. Seit kurzem fordern nun deutsche Medienschaffende und KünstlerInnen in einer Petition von Change.org an Bundeskanzlerin Merkel, sich für Rechtsstaatlichkeit in der Türkei einzusetzen. Anlass ist die jüngste Verhaftung türkischer AkademikerInnen aufgrund eines von 1.128 WissenschaftlerInnen unterzeichneten Friedensaufrufs an den türkischen Staat, den medico international zur Unterstützung weltweit veröffentlichte.

Ece Temelkurans eigene Laufbahn als Journalistin endete, nachdem sie zuerst über das Massaker von Uludure berichtete, dort tötete die türkische Luftwaffe über 30 Jugendliche, da der Geheimdienst sie fälschlicherweise für Terroristen hielt. Sie kritisierte nachfolgend in ihrer Silvesterkolumne 2011 den zensurfordernden Umgang von Ministerpräsident Erdogan. Die wenigen Worte "Du weißt, warum.", erklärten ihr den Grund für ihren Rausschmiss bei der Tageszeitung Habertürk, die zur weitverzweigten Ciner Group gehört, deren ökonomische Interessen auch in Industriezweigen, wie Energiewirtschaft und Bodenschatzabbau, liegen.

Karen Krüger, die gemeinsam mit Anna Esser "Bosporus Reloaded. Die Türkei im Umbruch" verfasste, erklärt in der FAZ die Kontrollmacht der türkischen Regierungspartei AKP über etwa Dreiviertel der türkischen Medienhäuser damit, dass die Vergabe von Regierungsaufträgen an Firmen erfolgt, deren Medienbereich positiv über die Regierung berichtet - weshalb sich auch zahlreiche Wirtschaftssparten im Mediengeschäft engagieren.

Dass es in der Türkei eine kraftvolle Zivilgesellschaft gibt, die um ihr Recht auf demokratische Verhältnisse kämpft, zeigen so kritische AutorInnen und Journalistinnen, wie Ece Temelkuran, wie auch die Gezi-Park-Proteste und der tausendfach unterschriebene Friedensappell türkischer AkademikerInnen. Die Autorin fürchtet dennoch eine fortschreitende Demontage der Rechtsstaatlichkeit durch die undemokratische Machtpolitik von Erdogan und seiner Partei AKP. Auch richterlich bestätigte Gesetzesbrüche durch den früheren Ministerpräsidenten und heutigen Staatspräsidenten, der seit längerem eine gesetzlich verankerte Präsidialregierung zu seinen Gunsten anstrebt, geben zu denken.

In ihren Kapiteln "Gestern", "Heute", "Morgen" bringt die Autorin die Auswüchse des Machtstrebens der Herrschenden im Nato-Land Türkei, seit 1999 EU-Beitrittskandidat, zusammen mit den seit vielen Jahren in der Türkei für Freiheit und Gerechtigkeit Kämpfenden. Sie fürchtet jedoch auch die Entwicklung einer "Gleichschaltung", die sie nach Hannah Arendt definiert als die Regel unter den Intellektuellen. Dies führe dann soweit, wie zum "Frauenmord, ohne sich die Finger schmutzig zu machen", was sie am Selbstmord der hervorragenden, jedoch nicht als konservativ genug befundenen Juristin Didem Yaylali im Jahr 2013 aufzeigt.

AVIVA-Tipp: Ece Temelkuran hat selbst erfahren, wie erniedrigend politische Willkür ist und kämpft weiter für Demokratie und Gerechtigkeit in dem Land, das ihr den Lebenshintergrund und die Sprache gibt. Mit ihrem Buch erinnert sie auch an jene, die dabei ihr Leben verloren und verweist damit gleichzeitig auf die vielen, die sich gestern und heute für die Menschenrechte in der Türkei einsetzen. Es ist an der Zeit, dass das geopolitische Interesse der demokratischen Staaten dazu genutzt wird, die Türkei auf einen rechtsstaatlichen Weg zu bringen.

Zur Autorin: Ece Temelkuran , 1973 in Izmir geboren, studierte Rechtswissenschaften an der Universität Ankara, ist Juristin, Schriftstellerin und Journalistin. Sie schrieb als Kolumnistin für die Tageszeitungen Milliyet (2000-2009) und Habertürk (2009-2011) und moderierte eine eigene Sendereihe auf Habertürk TV (2010-2011). Ende 2011 verlor sie nach ihren regierungskritischen Artikeln ihre Stelle bei Habertürk. Für ihre journalistischen Arbeiten erhielt sie zahlreiche Preise, wie den Pen for Peace Award 2001, ihre Artikel erschienen auch in der internationalen Presse, wie The Guardian und Le Monde Diplomatique und auf Internetplattformen. Seit 1995 veröffentlichte sie insgesamt zwölf Bücher und schrieb 2014 mit "Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann" einen in zweiundzwanzig Sprachen übersetzten Bestseller über weibliche Selbstbehauptung als Roadtrip.

Die Autorin im Netz: www.ecetemelkuran.com

Übersetzerinnen:
Sabine Adatepe
, Turkologin, arbeitet als Literaturübersetzerin, Autorin, Herausgeberin und Bloggerin und moderiert Literaturveranstaltungen.
Monika Demirel übersetzt Belletristik, Essays und Theaterstücke aus dem Türkischen. Sie lebt seit 1993 in der Türkei.

Ece Temelkuran
Euphorie und Wehmut. Die Türkei auf der Suche nach sich selbst

Hoffmann und Campe, erschienen Oktober 2015
Hardcover mit Schutzumschlag, 240 Seiten
ISBN-13: 978-3-455-50373-9
20,00 Euro
www.hoffmann-und-campe.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Bosporus Reloaded. Die Türkei im Umbruch" von Karen Krüger und Anna Esser

Interview mit der Soziologin und Autorin Pinar Selek

AVIVA-Berlin stellt eine Auswahl türkischer Autorinnen vor: Neuerscheinungen im Herbst 2008

"Bittersüße Heimat", eine Reflektion der türkischstämmigen Sozialwissenschaftlerin und Autorin Necla Kelek

Ein Erfahrungsbericht über die feministische Bewegung in der Türkei von Gastautorin Charlotte Binder.

Weitere Informationen:

Ece Temelkuran über ihr Land zwischen Euphorie und Wehmut bei Titel, Thesen, Temperamente in der ARD

Auf der Rangliste der Pressefreiheit von ReporterInnen ohne Grenzen liegt die Türkei auf Platz 149 von 180 (Deutschland liegt auf Platz 12), im Januar 2016 sind 22 JournalistInnen in Haft.

Petition und offener Brief von KünstlerInnen, Medienschaffenden und WissenschaftlerInnen an die Bundeskanzlerin: Für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Pluralismus in der Türkei

medico international veröffentlicht den Aufruf kritischer WissenschaftlerInnen "Nicht in unserem Namen!" gegenüber dem türkischen Staat



Literatur Beitrag vom 22.01.2016 Helga Egetenmeier 

   




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