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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 15.02.2016

Elisabeth Raabe - Eine Arche ist eine Arche ist eine Arche. Verlegerinnenleben
Magdalena Herzog

M├Âchten Sie in Prosa erfahren, wie Verlage die Welt der Literatur f├╝r uns Lesende erschaffen? Die Arche-Verlegerin Elisabeth Raabe komponiert aus drei Jahrzehnten Arbeit eine Sinfonie ├╝ber die ...



... Entdeckungen literarischer Gr├Â├čen und ├╝ber die Geschichte des west- und ostdeutschen literarischen Lebens seit 1944.

Wie die Arche in weibliche Hand kam
Eine Lektorin und eine Buchh├Ąndlerin, die zwar erfahren, jedoch in der B├╝cherwelt noch nicht bekannt sind, kaufen am letzten Tag des Jahres 1982 in Z├╝rich den renommierten Schweizer Verlag Arche f├╝r deutschsprachige und internationale Autor_innen. Es sind Elisabeth Raabe und Regina Vitali, die sich im Wettbewerb gegen namenhafte Verlage durchgesetzt haben. Seitdem pr├Ągen sie die deutschsprachige literarische Landschaft. Elisabeth Raabe hat ihr professionelles Leben und damit einen Teil der Literaturgeschichte der letzten 30 Jahre nun in "Eine Arche ist eine Arche ist eine Arche. Verlegerinnenleben" zusammengefasst.

Ein Arbeitstagebuch des Verlagswesen
Besonders der Beginn dieser au├čerordentlichen Erfolgsgeschichte liest sich wie ein ausformuliertes Arbeitstagebuch: wie die Abwicklungen des Kaufvertrags von statten gingen, wie am 3.1.1983 die Arbeit begann, wie sich die beiden Inhaberinnen in dem neuen B├╝ro einrichteten, sich in die Akten einarbeiteten, die alten Mitarbeiter_innen f├╝r sich gewinnen und neues Personal einstellen mussten, ein Netzwerk von Vertreter_innen aufbauten, unendlich viele B├╝cher im Lager aus der Backlist der "alten Arche" - wie sie die Autorin stets nennt - preiswert verkauften und damit den ersten Aufruhr ausl├Âsten. Die Inhaberinnen kn├╝pften an eine vierzigj├Ąhrige Tradition an ÔÇô diese wollten sie aufnehmen und gleichzeitig neue Akzente setzen. Auch hier bekommen wir einen detaillierten Einblick, wie Raabe + Vitali diese Neuausrichtung vorgenommen haben, wie der Kontakt mit alten Autor_innen gehalten und zu neuen aufgebaut wurde.

Literarische H├Âhepunkte
Ein Meilenstein der neuen Arche wurde die Zusammenarbeit mit Marie-Anne Stiebel. Sie war als J├╝din mit ihrer Familie in den drei├čiger Jahren in die Schweiz emigriert, besuchte Gertrude Steins Lebensgef├Ąhrtin Alice B. Toklas in Paris und erhielt von dieser die Erlaubnis, Gertrude Steins Werke ins Deutsche zu ├╝bersetzen. So kam der Verlag zu Steins Werk und Elisabeth Raabe zu dem passenden Titel dieses Buches, das an den ber├╝hmten Satz "Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose" aus dem Gedicht Sacred Emily von 1922 angelehnt ist. Besondere Entdeckungen unter den weiblichen Autorinnen waren die Erinnerungen der S├Ąngerin und Schauspielerin Blandine Ebinger (1985) ("M├Ądchen in Uniform" von 1958), die Werke der Italienerin Fabrizia Ramondino (1986) und nicht zuletzt die von Viola Roggenkamp, die durch den Roman Familienleben (2004), die Geschichte einer j├╝dischen Familie im Hamburg der 1960er Jahre bekannt wurde. Eine tragende S├Ąule wird ab 1984 der Arche Literatur Kalender, der sich zur Ikone unter den Literaturkalendern durchsetzte. Seitdem die Inhaberinnen 2008 die Arche Literatur an die Verlagsgruppe Oetinger verkauft haben, f├╝hren sie den Arche-Kalender Verlag. Damit greifen sie eines ihrer erfolgreichsten und qualitativ hochwertigsten Ergebnisse ihrer Verlagsgeschichte auf und bereichern seitdem die Print-Welt mit den Kalendern im Bereich Musik, Literatur und Kochkunst.

Der Kauf von Luchterhand
In kurzen Abschnitten und in wundersch├Âner prosaischer Erz├Ąhlweise erleben wir Lesenden diesen Wandel, den Aufstieg und die Umz├╝ge des Verlags. Nach sechs erfolgreichen Jahren kauften Raabe + Vitali 1987 den deutschen Verlag Luchterhand mit Sitz in Darmstadt auf und f├╝hrten diesen bis 1994. Die Erz├Ąhlungen und Anekdoten beziehen sich in diesem Abschnitt besonders auf den Mauerfall und die damit einhergehende Verhandlung mit ehemaligen DDR-Autor_innen wie Christa Wolf und Anna Seghers (in diesem Fall mit ihrem Verleger) ├╝ber die Originalrechte ihrer Werke. An Hand dieser Periode l├Ąsst sich das Miteinander von Literaturgeschichte und tagespolitischem Geschehen wunderbar nachvollziehen und frau erh├Ąlt gleichzeitig einen Crashkurs im Bereich Lizenzen.

Erinnerungen an eine andere Verlagswelt
Der Enthusiasmus gepaart mit der Vision der Inhaberinnen ist sp├╝rbar und ansteckend, deren Talent und K├Ânnen, das Intellektualit├Ąt mit Unternehmerinnengeist vereint, beeindruckend. Sie arbeiten Hand in Hand, rund um die Uhr und dieser Alltag erscheint nicht wie eine Belastung, sondern wie die uneingeschr├Ąnkte Hingabe an die eigene Passion: die Literaur und das B├╝chermachen. Sie ist geh├╝llt in einen glamour├Âsen Schleier von (noch nicht) namenhaften Romanciers, mit denen im gem├╝tlichen Verlag, in Restaurants und Hotels augelotet, diskutiert und verhandelt und dies schlussendlich mit herrlichen Ausblicken in der Schweiz, sp├Ąter in Hamburg belohnt wird. Und wenn schon nicht mit monet├Ąrem Erfolg, so doch von enormer Wertsch├Ątzung seitens der Autor_innen. Dies sind freilich Momente, in denen das Geschriebene nostaligsch anmutet, denn obwohl die Verlagsbranche auch in den achtziger Jahren keine einfache war, so ist solch ein Berufsalltag im Verlag, in dem die pers├Ânliche Begegnung zwischen Autor_innen und Lektor_innen eine derart vorgeordnete Rolle spielt und die neuen Antor_innen an der T├╝r klingeln, um ihr Manuskript einzureichen heute kaum mehr vorstellbar. Unz├Ąhlige Namen fallen in diesen Erinnerungen ÔÇô von wichtigen Verlagskolleg_innen, Vertreter_innen, und Autor_innen, die der sp├Ąteren Generation so nicht mehr gel├Ąufig sind. Es ist bemerkenswert, wie Elisabeth Raabe damit die Arbeit aller Kolleg_innen und Angestellten anerkennt und hiermit verewigt. Auch in dieser Hinsicht motivieren diese Erinnerungen nicht nur zur leidenschaftlichen Arbeit in der Buchbranche, sondern auch, diese Begeisterung mehr miteinander zu teilen.

AVIVA-Tipp: Dieses Buch ist Frauengeschichte, Verlagsgeschichte und Literaturgeschichte der vergangenen drei├čig Jahre in einem. Die Erinnerungen der so gebildeten wie unternehmerischen Elisabeth Raabe an ihre Zeit als Arche-Verlegerin gemeinsam mit Regina Vitali, sind in begeisterer Stimmung und eher in literarischen als in journalistischem Stil geschrieben. Frau l├Ąsst sich fast anstecken, es selbst in diesen schwierigeren Zeiten f├╝r B├╝cher Raabe + Vitali nach zu tun. Gerade f├╝r Frauen und M├Ąnner, die neu in der Branche sind, ist es ein literarisches Lehrbuch. Die Bebilderung, die vielen Namensnennungen und die "Kleine Chronologie der verlegerischen Ereignisse" runden dieses gro├čartige Buch ab.

Zur Autorin: Elisabeth Raabe, geboren 1939 in Oldenburg, studierte Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. 1972 wurde sie Lektorin bei Rowohlt, sp├Ąter bei Cecilie Dressler und Otto Maier Ravensburg. 1982 kaufte sie mit Regina Vitali den Schweizer Verlag Arche. Von 1987-1994 waren beide ebenfalls Inhaberinnen des Darmst├Ądter Verlags Luchterhand. 2008 verkauften Raabe und Vitali den Arche-Literaturverlag und f├╝hren seitdem den Arche-Kalender Verlag. 2014 gr├╝ndeten beide den Verlag edition momente.
Weitere Infos unter:
www.arche-kalender-verlag.com und www.edition-momente.com


Elisabeth Raabe. Eine Arche ist eine Arche ist eine Arche. Verlegerinnenleben
edition momente, erschienen Januar 2016
Gebunden, Fadengeheftet mit Leseband, 240 Seiten mit 121 Fotos
22 Euro
ISBN 978-3-9524433-1-6
www.edition-momente.com

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"Familienleben" - ein biographischer Roman von Viola Roggenkamp Das Buch erz├Ąhlt die Geschichte einer j├╝disch-deutschen Familie, die ├╝berlebt hat und deren Kinder an der Vergangenheit mittragen.
Erschienen im Arche Literatur Verlag (2004)

"Schwester Bruder. Gertrude und Leo Stein" Die Doppelbiographie von Brenda Wineapple widmet sich den Geschwistern in ihrer Unterschiedlichkeit und beleuchtet die wechselhafte Beziehung der beiden zueinander. Sehr detailliert und ausf├╝hrlich. Erschienen im Arche Literatur Verlag (2001)

"Gis├Ęle Freund. Photographien und Erinnerungen. Gis├Ęle Freund. Ein Leben" Am 19. Dezember 2008 w├Ąre sie 100 Jahre alt geworden. Die Fotografin und Fotoreporterin Gis├Ęle Freund beeindruckt nicht nur durch ihr ┼ĺuvre, sondern auch durch ihre bewegte Lebensgeschichte. Erschienen im Arche Literatur Verlag (2008)

Janet Malcolm ÔÇô "Zwei Leben, Gertrude und Alice"
Gertrude Stein und Alice Toklas werden in diesem Buch vor allem in der Zeit des Zweiten Weltkriegs portr├Ątiert und schneiden dabei nicht besonders gut ab. W├Ąhrend Toklas als eifers├╝chtige und streits├╝chtige Person geschildert wird, so umgibt Stein der Nimbus des gutm├╝tigen und charismatischen Genies. (2009)



Literatur Beitrag vom 15.02.2016 Magdalena Herzog 

   




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