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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 30.03.2016

Christine Wunnicke - Der Fuchs und Dr. Shimamura
Bärbel Gerdes

Hysterie oder tatsächlich der Fuchs? Die mehrfach ausgezeichnete Autorin und Übersetzerin schreibt von skurrilen Phänomenen im 19. Jahrhundert, die in einer vorzüglichen Ausgabe des kleinen, aber sehr feinen Berenberg Verlags erschienen sind.



Als Dr. Shimamura, frisch promoviert und Lieblingsschüler seines Neurologieprofessors, 1891 von jenem den Auftrag erhält, in eine japanische Präfektur zu reisen, um die "alljährlich dort auftretende Epidemie der Fuchsbesessenheit" zu untersuchen, lässt er sich auf eine äußerst beschwerliche Reise ein. Begleitet wird er von einem jungen Medizinstudenten, "dessen Unhöflichkeit an Geistesverwirrung grenzte". Dieses ungleiche Paar macht sich zu Fuß, getragen von Sänften, gefahren von Rikschas auf, in entlegenen Orten nach jener Krankheit zu fahnden, die nur Frauen befällt - "Füchsinnen fahren in Frauenzimmer! Alles fest in weiblicher Hand!".

Unklar ist dem Doktor, weshalb er diesen Auftrag erhalten hat – als Scherz? Schließlich ist sein eigentliches Forschungsgebiet paralytische Beriberi und die erbliche Schwermut!
Er stößt auf Frauen, die seltsam tanzen und Laute von sich geben und die sich ungeniert gebärden. Das füchsische Wesen zeichnet sich dabei unter der Haut ab – was der junge Arzt genauso ekelig findet, wie vielleicht manche Leserin.
Die Suche nach der seltsamen Fuchsbesessenheit führt Dr. Shimamura schließlich in die Hallen der großen europäischen Gelehrten, die sich der Hysterieforschung verschrieben haben: Charcot in der Pariser Salpêtrière, wo er auch Torette und Babinski trifft, in Berlin besucht er Vorlesungen von Professor Virchow, und natürlich treibt es ihn nach Wien zu einem gewissen Sigmund Freud.

All dies erinnert der inzwischen emeritierte Professor für Nervenheilkunde Jahrzehnte später in seinem Rattansessel sitzend, von Schwindsucht geplagt, vielleicht auch von "etwas anderem, für das er seit vielen Jahren weder im Deutschen noch im Japanischen oder Chinesischen und nicht einmal im Kauderwelsch der Medizin ein passendes Wort fand." Und weil Dr. Shimamura einen doch recht mitgenommenen Eindruck macht, auch hinsichtlich seiner zurückliegenden, eher nichtssagenden Karriere, wissen wir nicht genau, was denn nun eigentlich stimmt an dieser doch sehr schrägen Geschichte.

Dass wir ihr jedoch so gut und so glaubend folgen können, verdanken wir der wahren Fabulierkunst der Autorin. In einer wunderbaren Sprache nimmt uns Christine Wunnicke mit auf die Reise. Ihr erzählerisches Können bewies sie schon in früheren Werken: ob sie über den Kastraten Balatri schreibt (Die Nachtigall des Zaren) oder sich einen Cyberroman über einen verschrobenen Bibliotheksdirektor ausdenkt (Serenity, die Autorin sucht sich stets abseitige Themen, die sie exakt recherchiert und höchst amüsant und gekonnt in Szene setzt. Ausgezeichnet wurde die 1966 in München Geborene für ihr Talent unter anderem mit dem bayerischen Staatsförderungspreis und dem Tukan-Preis der Landeshauptstadt München. Der Fuchs und Dr. Shimamura brachte es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2015, was natürlich auch ein schöner Erfolg für den Berenberg Verlag ist, der den Fuchs in einen wunderbaren Umhang kleidete.

AVIVA-Tipp: Fuchsbesessenheit und Hysterie – ein schräger und phantasievoller, dabei sprachlich exzellenter Roman.

Zur Autorin: Christine Wunnicke, 1966 in München geboren, studierte in Glasgow und Berlin Linguistik, Altgermanistik und Psychologie und ist neben ihrer schriftstellerischen Arbeit auch als Übersetzerin tätig. Sie schreibt Hörspiele, biografische Literatur und Romane und lebt in München.
Mehr Infos zur Autorin unter: www.christine-wunnicke.com


Christine Wunnicke
Der Fuchs und Dr. Shimamura

Berenberg Verlag, erschienen im Frühjahr 2015
Halbleinen, fadengeheftet, 144 S.
ISBN 978-3-937834-76-4
20.00 Euro
www.berenberg-verlag.de




Literatur Beitrag vom 30.03.2016 Bärbel Gerdes 

   




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