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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 30.05.2016

Eshkol Nevo - Die einsamen Liebenden
Romina Wiegemann

"Stadt der Gerechten", so nennt Eshkol Nevo den fiktiven Ort in Israel, in der Menschen aus verschiedenen Ursprungsmilieus, überwiegend aber Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion ohne großen Bezug zur Religion leben. Die Stadt wird zum Schauplatz...



... Schauplatz einer skurrilen Darbietung, als ein amerikanischer Jude sich in den Kopf setzt, dort eine Mikwe, ein rituelles Tauchbad, zu errichten.

Dies ist aber nur der Rahmen, den Nevo für seine menschliche Komödie gewählt hat in der die ProtagonistInnen auf vielfältige Weise geprüft werden. Denn im Grunde geht es dabei immer um das Suchen und Finden der Liebe.

Ayelet und Moshe

Moshe und die verheiratete Ayelet lernten sich im Kibbutz kennen und lieben. Eine dramatische Wendung führte zum Ende ihrer Affäre. Der Schmerz darüber, einander verloren zu haben, begleitete die beiden seit diesem Tag und ist Ursache für die Lebenskrisen, in die sie daraufhin gerieten. Als der Romanhandlung einsetzt, ist Moshe als Berater des Bürgermeisters in der Stadt der Gerechten damit beauftragt, den Mikwe-Bau umzusetzen. Moshe führt mittlerweile ein religiöses Leben und hat eine Familie gegründet. Ayelet ist um die Welt geirrt, bis auch sie über Umwege im orthodoxen Judentum Antworten auf ihre Fragen gefunden hat. In der Stadt der Gerechten treffen die beiden wieder aufeinander, als Ayelet die Stelle der Badefrau in der Mikwe antritt.

Naim

Naim ist Bauunternehmer und wird von Moshe mit der Errichtung der Mikwe beauftragt. Da die Baugrube sich unweit vom "streng geheimen Militärstützpunkt, den jeder kennt" befindet, wird er als Israeli arabischer Abstammung der Spionage verdächtigt. Er, der schöngeistige Hobby-Ornithologe, landet daraufhin im Gefängnis und wird verhört. Nach seiner Freilassung läuft er Diana in die Arme. Mit ihr hat er endlich jemanden gefunden, mit dem er nicht nur Vögel beobachten, sondern auch Pferde stehlen kann.

Anton

Anton ist mit seiner Frau Katja nach Israel eingewandert, wo sich das Paar in der Stadt der Gerechten niedergelassen hat. Für Katjas Enkelsohn, der schon länger in Israel lebt und die Grundschule besucht, ist er eine wichtige Bezugsperson. Besonders über die Frauen kann der kleine Daniel, frisch verliebt, viel von Anton lernen. Doch auch Anton kämpft mit eigenen körperlichen und geistigen Sehnsüchten. Er verfolgt das Bauprojekt mit Interesse, in der Annahme, es würde ein Clubhaus errichtet werden, in dem er endlich wieder dem Schachspiel nachgehen kann. Dass der Ort eine andere, viel heiligere Bestimmung hat, soll Anton schließlich als einer der Ersten am eigenen Leib erfahren…

AVIVA-Tipp: Eshkol Nevo did it again. Wie auf Zehenspitzen nähert er sich zunächst seinen Romanfiguren an, um schließlich in die Untiefen ihrer Seelen einzutauchen, ohne dabei jemals den liebevollen Blick zu verlieren. Gleichzeitig verbindet er feinfühlige Liebesgeschichte und Realsatire so mühelos, dass es an Zauberei grenzt. Keines der beiden Genres kommt dabei zu kurz. Den Seelennöten der ProtagonistInnen wird ebenso viel Platz eingeräumt wie dem soziologischen Mikrokosmos, der anhand der "Stadt der Gerechten" dargestellt wird. Obwohl Melancholie und Ironie die Erzählsprache Nevos bis zur letzten Seite prägen, werden die LeserInnen so leichtfüßig durch den Roman getragen, dass es ein Vergnügen ist. Wer noch nicht damit angefangen hat, Eshkol Nevo zu lesen, sollte schleunigst damit beginnen.

Zum Autor: Eshkol Nevo, geboren 1971 in Jerusalem, gehört heute zu den wichtigsten Schriftstellern des Landes. Sein erster Roman "Vier Häuser und eine Sehnsucht" stand 2005 auf der Shortlist des bedeutendsten Literaturpreises in Israel, dem Sapir Preis, 2008 wurde er in Frankreich mit dem Raymond Wallier Preis des Salon du Livre ausgezeichnet, 2009 war er auf der Longlist des Independent Prize. "Wir haben noch das ganze Leben", sein zweiter Roman (Golden Book Prize, Israel 2007, Adei Wizo Preis, Italien 2011), war nicht nur in Israel, sondern auch in Deutschland ein Bestseller. Sein jüngster Roman "Neuland" verkaufte sich in Israel über 130.000 Mal und gewann 2012 als "Book of the Year" den Steimatzky Preis. Eshkol Nevo lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Ra´anana / Israel. (Quelle: Verlagsinformationen)

Zur Übersetzerin: Anne Birkenhauer, 1961 in Essen geboren, ging 1980 als Freiwillige der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste nach Israel und lernte dort hebräisch. 1983 kehrte sie nach Deutschland zurück und studierte Judaistik und Germanistik an der Freien Universität Berlin. Mit dem Abschluss ihres Magisterstudiums zog sie nach Jerusalem. Zunächst arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin an der Abteilung für Jüdische Geschichte der Hebräischen Universität in Jerusalem, dann drei Jahre als Dozentin an der Dolmetscherschule der Bar-Ilan Universität in Ramat Gan. Daneben begann sie zu übersetzen. Ihre erste Übersetzung, Gedichte von Dan Pagis, erschien 1990, es folgten Übersetzungen poetischer Prosa und zwei Lyrikanthologien. Anne Birkenhauer übersetzt ein breites Spektrum literarischer Texte, von Prosa, deren kulturell-religiösem jüdischen Hintergrund gerecht zu werden ist, bis hin zu jüngeren Autor/Innen, bei denen ganz unterschiedliche, oft ethnisch geprägte Register der Umgangssprache übertragen werden müssen. Sie hält regelmäßig Vorträge über das Übersetzen hebräischer Literatur, seit 2011 leitet sie im Rahmen des ViceVersa Programms die Deutsch-Hebräische Übersetzerwerkstatt. Im Wintersemester 2014/2015 war Anne Birkenhauer August Wilhelm von Schlegel-Gastprofessorin für Poetik der Übersetzung an der Freien Universität Berlin.
(Quelle: Website der Freien Universität Berlin. Mehr Infos unter: www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de)

Eshkol Nevo
Die einsamen Liebenden

dtv premium, erschienen am 19. Februar 2016
Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer
304 Seiten, Softcover
ISBN: 978-3-423-26088-6
16,90 Euro
www.dtv.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Eshkol Nevo – Neuland
Nach seinen beiden ersten, in Israel angesiedelten Romanen, beleuchtet Eshkol Nevo in seinem neuen Buch die krisenerprobte israelische Gesellschaft aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive. (2013)

Eshkol Nevo – Wir haben noch das ganze Leben
Vier Zettel, zwölf Wünsche und zwei Weltmeisterschaften. Eshkol Nevo erzählt von den Plänen, die das Leben durchkreuzt und von den Freunden, die einen wieder aufbauen, wenn alles schiefgeht. (2010)

David Grossman – Kommt ein Pferd in die Bar
Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller und Friedensaktivist erzählt meisterhaft die Geschichte des unglücklich verwaisten Dovele Grinstein, Sohn von Shoah-Überlebenden. Hinter dessen verzweifeltem Ausdruck der Grimasse tritt ein schmerzhafter Held hervor. (2016)

Eran Bar-Gil – Zwillingsstern
Bar-Gil hat mit seinem Debutroman ein furioses Meisterwerk geschaffen. Seine symphonische Erzählung, die in Israel mit dem Bernstein-Preis ausgezeichnet wurde, eröffnet den Weg in die verborgenen Ängste und die getrennte und gleichsam geteilte Welt der eineiigen Zwillinge Joni und Dani. (2008)

David Grossman – Das Gedächtnis der Haut
Auch in David Grossmans Novellen werden die zwischenmenschlichen Beziehungen thematisiert. Doch in diesem Fall besticht einer der bedeutendsten Schriftsteller Israels durch die Macht der Imagination. (2005)

Literatur Beitrag vom 30.05.2016 Romina Wiegemann 

   




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