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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 22.06.2016

Patricia Brattig, Petra Hesse – Look! Modedesigner von A bis Z. Die Sammlung des Museums für Angewandte Kunst Köln
Béla Noßmann

Das Museum für Angewandte Kunst Köln hat seine Archive geöffnet und zeigt in einem großzügig gestalteten Ausstellungskatalog die Meilensteine der Frauenmode, deren Geschichte, und Einfluss auf ...



... die Entwicklung der Mode.

Von Mode zum kunsthistorischen Objekt oder "die Kunst der Zweiten Haut"

Zweiundvierzig Designer_innen haben die Autorinnen aus den Beständen des Museums ausgewählt, um die Geschichte der Kleidung und der Mode zu erzählen. Darunter sind die klassischen Figuren Coco Chanel, Christian Dior und Diane von Fürstenberg zu finden, aber auch weniger bekannte wie Bernhard Wilhelm oder Rena Lange. Auf jeweils vier bis acht großzügig gestalten Seiten werden deren Biographien und die Entwicklung ihrer Labels dargestellt und das Schaffen der Designer_innen in die Geschichte der Mode eingeordnet. Dann folgen Abbildungen, auf denen die "Looks" zu sehen sind, wie es in der Fachsprache heißt. Die Eckdaten dazu, seien es Kleider, Schuhe, Accessoires oder Taschen werden von einem Text begleitet, in dem die Autorinnen diese beschreiben und erklären. Sie gehen auf den Schnitt und die damit einhergehende Schneider_innenkunst ein, auf die Stoffe, und nicht zuletzt, auf welche Traditionen die Designer_innen Bezug nehmen. So ändert sich der Blick auf den Look: Es steht weniger das eigene Gefallen im Vordergrund, als die Geschichte, die jedes Bekleidungsstück mit sich trägt. So gelingt es den Autorinnen, die kunsthistorische Dimension von Mode zu entfalten – plötzlich sieht die Leserin nicht mehr nur einen groben Sportschuh (Bernhard Wilhelm), sondern ein raubkatzenartiges Gebilde, das aus einer Vielfalt von Materialien besteht und vielleicht auch als Schuh dienen kann.

Vivienne Westwood, Punk und Aristokratie

Besonders augenscheinlich sind die historischen und politischen Bezüge bei der britischen Designerin. Bereits 1970 entwarf sie Recyclingkleidung. 1981 zeigte sie in ihrer Schau "Pirate"-Looks, die Elemente der Seefahrerkleidung und der Mode der "Incroyables" aufnahm. Letztere referiert auf eine Gruppe von Parisern, die sich unmittelbar nach der Fanzösischen Revolution einen exzentrischen und grotesk wirkenden Kleidungsstil angeeignet hatten und damit für kurze Zeit eine aristokratische Subkultur etablierten. "Incroyables" bezeichnet allerdings nur die Männer, die Frauen nannten sich "Merveilleuses". BHs und Mieder über, statt unter der Oberbekleidung zu tragen, wird oft mit Jean Paul Gaultier assoziiert – die erste, die es gewagt hat, war Westwood.

Etienne Aigner

Der Blick auf diese hochpreisige Mode, die stets auch die Zugehörigkeit zu einer Klasse repräsentiert und diese zeitgleich erzeugt, verschiebt sich auch, kennt frau die Lebensgeschichte der Designer_innen, die einst hinter diesen Imperien standen. Diese kamen oftmals aus einfachen oder gar ärmlichen Verhältnissen und brachten eine enorme Energie auf, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten oder eine Vision zu verwirklichen. Der Namensgeber der qualitätvollen, klassischen burgunderroten Ledertasche von Etienne Aigner wurde 1904 in Érsekúvár im damaligen Ungarn in eine jüdische Familie hineingeboren. Er erlernte das Handwerk Buchbinden, und früh entwickelte er eine Affinität zu Leder, die er kreativ mit dem Papier verband. In den 30er Jahren emigrierte er nach Paris und konvertierte zum Christentum. Nur durch die Résistance, der er sich 1943 anschloss, entkam er den Nazis. Dass es also diese Marke überhaupt gibt, haben wir Aigners Mut und dem französischen Widerstand zu verdanken. Nach dem Krieg fertigte Aigner Stücke für Christian Dior und Jeanne Lanvin. In den 50er Jahren emigrierte er nach New York und erlangte erst nach entbehrungsreichen Jahren Erfolg.

Zum Museum für Angewandte Kunst

Nicht weniger interessant ist neben den Designer_innen die Geschichte des Hauses, in dem die Looks sonst im Archiv aufwendig konserviert werden. Ein ausführlicher Artikel geht dem Band voran. 1888 wurde das Museum als Kunstgewerbemuseum eröffnet – Schirmherr war noch Kaiser Friedrich III selbst. Es war die Zeit, in der die Handwerkszünfte aufgelöst wurden und der wirtschaftliche Druck der Industriellen Revolution das Kunstgewerbe bedrohte. Im Zuge dessen wurde ein Rahmen geschaffen, in dem diese Künste geschützt werden und zur ästhetischen Bildung dienen sollten. Kleidung jedoch galt noch nicht als Kunsthandwerk, denn der Begriff "Mode" bezeichnete noch bis ins 19. Jahrhundert allein den abwechselnden Geschmack und nicht die hohe Kunst des Schneiderns. So wurde Kleidung erst später in die Sammlung aufgenommen und die Autorinnen folgen dieser Geschichte: Sie besprechen den Begriff Mode, die Rolle der Massenproduktion, die gegenwärtige Standardisierung bei gleichsam wachsendem Bedürfnis nach Individualität und – nicht zuletzt – die Rolle des Körpers, ohne den kein noch so schöner Artikel der Mode funktionieren kann.

AVIVA-Tipp: Der auf Deutsch und Englisch verfasste Bildband gibt einen außergewöhnlichen Überblick über die Geschichte der Kleidung des 20. und 21. Jahrhunderts durch die spezifischen, deatillierten und sehr gut zu lesenden Texte. Im Zusammenspiel mit der großzügigen und grafisch aufwendigen Gestaltung, ist es eine Freude, die Kunststücke zu bestaunen. Ein luxuriöses Einmaleins der Modegeschichte.

Zur den Autorinnen:
Dr. Petra Hesse
ist Direktorin des Museums für Angewandte Kunst.
Dr. Patricia Brattig ist dort als Kuratorin für Mode, Textil, Keramik und Glas tätig.
Mehr Informationen unter: www.museenkoeln.de

Look! Modedesigner von A bis Z. Die Sammlung des Museums für Angewandte Kunst Köln
Herausgegeben von Patricia Brattig und Petra Hesse

E. A. Seemann Verlag, erschienen September 2015
Gebunden, 328 Seiten, 145 farbige Abbildungen
Sprachen: Deutsch und Englisch
Preis: 34,95 EUR
ISBN: 978-3-86502-365-0
www.seemann-henschel.de


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Literatur Beitrag vom 22.06.2016 AVIVA-Redaktion 

   




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